Ungarisch: Pinkamiske

Mischendorf ist eine Gemeinde mit 1630 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2015) im Burgenland im Bezirk Oberwart in Österreich. Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Pinkamiske. Das Gemeindegebiet umfasst folgende sechs Ortschaften Großbachselten, Kleinbachselten, Kotezicken, Mischendorf, Neuhaus in der Wart, Rohrbach an der Teich.

Die Großgemeinde Mischendorf ist im unteren Teichbachtal auf einer Seehöhe von 265 m gelegen. Von dort aus erstreckt sich das Tal flach nach Osten und geht in das Pinka- und Zickental über. Von der Anlage her stellt Mischendorf ein Straßendorf mit unregelmäßiger Angerbildung dar.


Die Gemeinde ist im Teichbachtal zu einem Mittelpunkt auf kirchlichem und verwaltungstechnischem Gebiet geworden.

Leider kam es, wie in vielen anderen Landgemeinden auch, im Laufe der letzen zwei Jahrzehnte zu einer verstärkten Abwanderung in die Städte, und die Bevölkerungszahl der Großgemeinde stagniert. Dennoch präsentiert sich Mischendorf mit seinen Ortsteilen heute als moderne, infrastrukturell voll erschlossene Ortschaft, ruhig, abseits der großen Verkehrswege gelegen, in der das Leben buchstäblich noch lebenswert erscheint.

Geschichte des Dorfes
Archäeologische Funde: Das Gemeindegebiet von Mischendorf war schon seit früher Zeit besiedelt.

Dies beweisen Funde aus der Römerzeit. So wurden beim Bau des jetzigen Pfarrhofes einige römische Urnen aus der Erde freigelegt; weiters wurde einen Kilometer von Mischendorf entfernt an der Straße nach Kohfidisch, ein röm. Inschriftenstein aus Marmor gefunden.

Benennung des Ortes: Erstmals als "myske" erwähnt, scheint der Ort 1469 in einer Urkunde des Batthyánischen Familienarchivs auf.

Die Siedlung dürfte aber, wie andere Orte auch, bereits in der frühen Arpadenzeit von ungarischen Grenzwächtern gegründet worden sein. Benannt wurde sie wahrscheinlich nach deren Oberhaupt, einem gewissen "Miska" oder "Miske" (Koseform des ung. "Michaly" = Michael). Von den später um 1250 bis 1350 ins Land gekommenen deutschen Kolonisten hatte die Ansiedlung zuerst den Namen "Miskendorf" und später "Mischendorf" erhalten. Da Grenzwächtersiedlungen damals zum Großteil von freien Kleinadeligen bewohnt wurden, dürften diese auch in Mischendorf den Hauptteil der Bevölkerung gebildet haben. Die dort ansässigen Bauern waren der Rotenturmer Herrschaft zu Zins verpflichtet.

In einer Aufzeichnung des Jahres 1568 scheinen ein Groß- und Kleinmischendorf auf, die unter der Herrschaft der Grafen Zrinyi standen, welche von 1557 bis 1613 die Rotenturmer Besitztümer innehatten. Mit ihrer Herrschaft war auch die Reformation ins Land gekommen, da die Zrinyis eifrige Wegbereiter des Protestantismus waren. Die erste Mitteilung von einer evangelischen Pfarre in Mischendorf stammt aus dem Jahr 1601; diese berichtet, dass der hier ansässige protestantische Prediger mit der Komitatstaxe von jährlich einem Gulden besteuert wurde.

1613, nach der Übernahme von Rotenturm und Eberau durch den Grafen Thomas Erdödy fand wahrscheinlich auch in Mischendorf das Wirken der reformierten Geistlichkeit ein baldiges Ende.

Entwicklung: Ein Urbar, wahrscheinlich aus dem Jahr 1688, erfasste die in Mischendorf ansässigen Untertanen und ihre Verpflichtungen zu Abgaben und Robot, die damals für sie eine fast unerträgliche Belastung dargestellt haben müssen. Nach einer Kirchenvisitation des Jahres 1697 besaß der Ort in dieser Zeit zwei Gotteshäuser: das eine, klein, alt und ziemlich verwahrlost, stand außerhalb des Dorfes auf einem Hügel und war den Märtyrern Vosmos und Damian geweiht; das zweite, dem hl. Ladislaus geweiht, befand sich in der Ortsmitte.

Da die verschiedenen Pfarr- und Kirchgründe mit kroatischen Namen angegeben werden, kann angenommen werden, dass zu dieser Zeit die kroatische Sprache in Mischendorf vorherrschend war; erst zu Beginn des 19. Jh. erhielt die Pfarre einen deutschen Geistlichen aus Unterbildein - ein Hinweis darauf, dass das Dorf zu dieser Zeit bereits deutsch geprägt war. Während der Kriege unter Napoleon war unsere Gegend für kurze Zeit von dessen Soldaten besetzt, denn laut Komitatsaufzeichnungen zahlte 1809 und 1810 ein Mischendorfer französische Kontribution beim Komitat ein.

Die Revolution des Jahres 1848 hatte unter anderem auch die Aufhebung der Leibeigenschaft zur Folge. Schon 1843 hatten die Untertanen von Mischendorf beim Komitat eine Absonderung ihrer Grundstücke gefordert, jedoch war es damals nur zu einer Vermessung des Hotters gekommen.

1856 wurden die Verhandlungen zur Urbarialregulierung vor dem Urbarialgericht in Steinamanger wieder aufgenommen.

Schließlich schloss Graf Ludwig Erdödy im Jahr 1864 einen gütlichen Vergleich, im Rahmen dessen Ablösesummen und Abtretungen ausgehandelt worden waren. Nachdem nach den Vermessungen einige unbedeutende Grundstücke ungerechterweise in Besitz genommen worden waren, begann im Jahr 1875 ein Prozess zwischen den Gemeindebewohnern, der mit Unterbrechung über 40 Jahre dauerte.

Erst die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte diesem Zwist ein Ende.

Nach dem Ersten Weltkrieg: Im Jahr 1871 wurde das Kreisnotariat gegründet, 1882/83 bekam der Ort ein eigenes Postamt, 1885 wurde die Feuerwehr ins Leben gerufen und 1905 ein Kindergarten errichtet.

Nach dem Ersten Weltkrieg, der auch unter den Einwohnern Mischendorfs 18 Gefallene forderte, kam der Ort 1921 mit dem gesamten Burgenland zu Österreich.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938, dem alle Wahlberechtigten der Gemeinde zugestimmt hatten, waren die Bewohner bald mit den Bedrängnissen des Zweiten Weltkrieges konfrontiert. 1942 mussten alle drei Glocken für Kriegszwecke abgeliefert werden. 1944/45 überflogen zahlreiche Feinflugzeuge unser Gebiet und warfen Bomben ab.

1946-1947 erfolgte die langersehnte Elektrifizierung des Ortes.
Anfang der 50er Jahre wurden das Verkehrsnetz ausgebaut und der Wohnbau forciert.

Wappen: Blasonierung: In einem roten, oben durch einen goldenen Arkadengang mit sechs rot hinterlegten Arkadenöffnungen begrenzten Schild ein goldener Grenzwächter.

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Altes Gemeindehaus - Stuhlrichterhof (ObjektID: 8273), Hauptplatz 13
Alter röm.-kath. Pfarrhof (ObjektID: 8278), Pfarrhofgasse 26
Kath. Pfarrkirche hl. Ladislaus (ObjektID: 8272)
Friedhofskapelle (ObjektID: 8275)
Kreuz Anton Kassanitsch und Johanna Plank, erbaut 1912

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