Ungarisch: Lődös, Kroatisch: Licištrof, Romani: Ledischa, Russisch: Литцельсдорф

Litzelsdorf ist eine Marktgemeinde mit 1148 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2015) im Bezirk Oberwart im Burgenland.
Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Lődös, der kroatische Licištrof. Im Burgenland-Romani heißt der Ort Ledischa.

Geografie: Die Gemeinde liegt im Südburgenland. Litzelsdorf ist der einzige Ort in der Gemeinde. In der Gemeinde befindet sich die Fischteichanlage Neustifttal.

Bereits in der Jungsteinzeit (5000 bis 2800 v. Chr.) war diese Gegend von Menschen besiedelt. Zeugnis davon geben unter anderem Steingeräte und Tonscherben, die in Litzelsdorf entdeckt worden sind. Aus der römischen Periode (ab 10 n. Chr.) tauchten weitere Funde auf: zahlreiche römische Grabhügel sind aus dieser Zeit erhalten geblieben; daraus auch ein Römergrabstein, welcher im Eingangsbereich des Rathauses zu besichtigen ist. Im Ortsried Winkel-Burgstall befindet sich eine Ringwallanlage (Fluchtburg).

In einer Urkunde des Eisenburger Kapitels aus dem Jahre 1333 wird Litzelsdorf erstmals unter der Bezeichnung „Ludus“ erwähnt. Die ehemalige Grenzwächtersiedlung, die damals zur Herrschaft Rotenturm gehörte, war nun eine kleine Bauernsiedlung.

Mit Beginn des 17. Jahrhunderts gewann Litzelsdorf allmählich eine überregionale Bedeutung in wirtschaftlicher Hinsicht, was schließlich mit der Verleihung des Marktrechtes im Jahre 1676 honoriert wurde.

Im Jahre 1757 wurde die Patrizius-Kapelle mit einer Pestsäule errichtet, die sich im Ortszentrum befindet.

Weithin sichtbar, auf einer Anhöhe, befindet sich die spätbarocke Pfarrkirche aus dem Jahre 1823. Den Hochaltar ziert ein Ölbild des hl. Leonhard aus dem späten 18. Jahrhundert. Besonders wertvoll sind, die aus dem 18. Jh. stammenden ausdrucksvollen Bilder der 14 Kreuzwegstationen.

In den Jahren 1905 und 1906, sowie in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg war die Abwanderung nach Amerika sehr stark. Auch der Zweite Weltkrieg forderte von der Gemeinde einen hohen Blutzoll (180 Gefallene bzw. Vermisste).
Die einstmalige Agrargemeinde hat sich zu einem Dorf mit hohem Pendleranteil (Tages- und Wochenpendler) entwickelt. Im Ort selbst finden im Gewerbe- und Dienstleistungsbereich ca. 130 Personen aus Litzelsdorf und Umgebung ihren Arbeitsplatz.
Seit den Siebzigerjahren wurden ständig wesentliche Beiträge zur Ortsverschönerung geleistet, was bewirkte, dass aus der einst unbedeutenden, verstreuten Dorflage ein ansprechendes, harmonisches Dorfbild entstehen konnte.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Deutsch-Westungarn. Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Budapester Regierung der ungarische Ortsname Lődös verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Partnerschaft:
Seit 2009 besteht eine offizielle Partnerschaft mit der Stadt Memmingen.

Wappen: Blasonierung: In dem blauen, durch einen goldenen, mit einem blauen halben Zahnrad belegten Balken geteilten Schild oben ein goldenes Strahlendreieck, unten drei goldene Ähren wachsend. Das Wappen wurde am 1. Mai 1983 verliehen und verbindet symbolisch die Geschichte mit der heutigen Zeit. Das Strahlendreieck steht für die Heilige Dreifaltigkeit, von deren lange währender Verehrung eine das Ortsbild beherrschende Säule Zeugnis ablegt. Das Zahnrad und die Ähren stehen für Gewerbe und Landwirtschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Hügelgräberfeld Bothwald (ObjektID: 71946), Bothwald
Befestigung im Kemetér Wald/Ringwallanlage (ObjektID: 130218), Hausteilung
Dreifaltigkeitsäule (ObjektID: 8195), bei Litzelsdorf 51, die Dreifaltigkeitssäule hinter der Patriciuskapelle entstand vor 1757.
Kath. Pfarrkirche hl. Leonhard (ObjektID: 8196), neben Litzelsdorf 30, die Pfarrkirche steht auf einem Hügel über dem Ort. Der große einschiffige Bau mit quadratischem Chor und vorgestelltem Westturm wurde 1823 errichtet. Hochaltar und Orgel stammen aus der Bauzeit; 14 Ölbilder der Kreuzwegstationen entstanden bereits im 18. Jahrhundert.
Patriciuskapelle (ObjektID: 8197), neben Litzelsdorf 51, die Kapelle mit gestuftem Dreieckgiebel wurde in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut und im 19. Jahrhundert umgebaut.
Figurenbildstock Maria Immaculata (ObjektID: 8199), neben Litzelsdorf 334, die barocke Sandsteinfigur Maria Immaculata stammt aus dem 18. Jahrhundert.
Wegkapelle Hl. Dreifaltigkeit (ObjektID: 8202), neben Litzelsdorf 390, die Dreifaltigkeitskapelle wurde 1798 gestiftet.

Persönlichkeiten:
Magdalena Witzelsberger: In den 1820er-Jahren betrieb sie in Litzelsdorf eine Schenke, in der immer wieder Mitglieder der Räuberbande Stradafüßler verkehrten. Diese Bande versetzte von 1822 bis 1827 das Grenzgebiet zur Steiermark und Niederösterreich in Angst und Schrecken und benutzte das damalige Westungarn als Rückzugsraum. Magdalena Witzelsberger war die Geliebte von Joseph Freyberger alias Gekrauster Seppl, ein Unterführer der Stradafüßler, der am 7. Juli 1827 auf dem Gerichtsberg in Pinkafeld durch den Strang hingerichtet wurde. Das Komitatsgericht von Eisenburg verurteilte auch Witzelsberger zum Tode durch das Schwert, doch durch einen Gnadenakt von Kaiser Franz II./I. wurde ihre Todesstrafe in eine schwere Kerkerstrafe umgewandelt.

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