Ungarisch: Nemetlövö, Kroatisch: Livio

Deutsch Schützen ist eine Gemeinde mit 422 Einwohner im Bezirk Oberwart im Burgenland in Österreich und gehört gemeinsam mit Edlitz im Burgenland, Eisenberg an der Pinka, Höll und St. Kathrein im Burgenland zur Gemeinde Deutsch Schützen-Eisenberg.

Geschichte: Deutsch Schützen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Der Ort wurde 1221 erstmals urkundlich in einer Schenkungsurkunde als "Perwolff" erwähnt. Doch schon viele Jahrhunderte zuvor hatten sich Menschen hier angesiedelt. So wurden Funde aus der Römerzeit entdeckt und diese deuten auch daraufhin, dass bereits damals hier Wein angebaut wurde. Also hat dies ebenfalls Tradition am Fuße des Eisenberges. In all den Jahren und Jahrhunderten war immer wieder die Rede vom Weinbau am Eisenberg und auch am Schützer Berg, was historisch klar bewiesen ist. Vermutlich gab es am Eisenberg aber bereits in der Eisenzeit (ca. 1000 v. Chr.) Siedlungen, was durch vergleichbare Ausgrabungen anderorts bestätigt wird.

1221 wurde in der Urkunde einer Schenkung an das Stift St. Gotthard durch Stephan von Ják u. a. das Gebiet des Patronats von Porno (Pernau) und dessen Gemarkungen Monyorokerek, Hettfehelly, Perwolff und Kölked erstmals von dem Ort Deutsch Schützen gesprochen. Schon vorher wurden Schenkungen im Zusammenhang mit einem Zisterzienser Kloster erwähnt und vermutlich handelte es sich immer um jenes in Pernau. Der Name "Perwolff" geht auf die karolingische Zeit zurück und nimmt Bezug auf den Grafen Wolfer von Güssing (1156-61). Seine Bedeutung kann heute als "männlicher Wolf" übersetzt werden.

Wappen der Grafen Erdödy aus Eberau: Die ursprünglichen Wagner wurden geadelt und darum enthält das Wappen auch ein halbes Wagenrad. Die Erdödy Familie waren Herrscher über Deutsch Schützen von 1499 - 1556 und nochmals 1616-70.
Die Herren von Sàrow oder Léva aus Güssing entstammen eigentlich aus dem Gebiet der Slowakei und waren Grundbesitzer von 1391-1452.
Das Stammwappen des deutschgeschlechtlichen Herrscherhauses von Ják enthält einen Löwen. Die Jáker wurden bereits im 12. Jahrhundert zu den Besitzern von Deutsch Schützen und behielten es auch bis zur Schenkung 1221. Vermutlich ging nach einigen Jahren das damalige Perwolff und die Nachbarorte wieder an das Haus Ják zurück
Ein weiteres Wappen zeigt jenes der Grafen von Zrinj aus Kroatien. Sie waren von 1556-1613 Herren über Deutsch Schützen. Sie übernahmen die Herrschaft von den Erdödys.

Wo genau lag nun aber der Hotter von Perwolff? Um 1221 umfasste der Hotter von Perwolff folgende Orte Perwolff selbst, Schauka (Eisenberg) und Kroatisch Schützen. Im Norden war die Grenze zu Poszcitz (Badersdorf) der Eisenberg, entlang der Pinka zu Keresztes (Grosdorf) und der Abtei St. Margarethen in Porno (Pernau), sowie im Süden Hettföhelly (Nähe des heutigen Bildein) bzw. Edelin (Edlitz). Im Westen bildeten die Fidischer Wälder die Grenze des Gemeindehotters. Auch der wesentliche Teil der Verbindungsstrasse in Richtung Pernau war innerhalb des Hotters von Perwolff zu finden.

Obwohl das Umland von Perwolff im 12. Jahrhundert bereits Hoheitsgebiet der Jáker Familie war, gehörte Perwolff den Grafen von Güssing, die es den Jákern überschrieben. Die Gründer des Ortes, der dort gelegen war, wo heute noch die Martinskirche steht, waren deutschstämmige Bogenschützen, die im Mittelalter die Grafen von Güssing während der Güssinger Fehde unterstützten. 1274 wurden die Bogenschützen aus dem Lande vertrieben, das kurzzeitig königlicher Besitz war, und der Ort zerstört. Aber bereits 1289 standen die Schützen wieder an der Seite der Güssinger gegen Herzog Albrecht von Österreich-Steiermark und bauten Klein Schütz erneut auf. Nach der Eroberung des alten Klein Schütz dürfte Ende des 13. Jahrhunderts Gross Schütz dort entstanden sein, wo sich heute Deutsch Schützen befindet. Vermutlich blieben an der Stelle der Wehrkirche und des Friedhofes von Perwolff weiter Siedlungen (Klein Schütz).

Die enge Zusammenarbeit mit den Herren aus Güssing wurde weiter fortgesetzt. Nach mehreren Streitigkeiten erlangte Benedikt von Burg das Gebiet von Perwolff im Jahr 1378 und später wurde sowohl Burg als auch deren Besitzungen in Perwolff an die Schlainiger Burgherren der Paumkircher übergeben.

Nach der Unterwerfung Güssings von 1328 durch Karl von Anjou, ungarischer König, behielten die Vasallen (u. a. Deutsch Schützen) von Johann von Güssing-Bernstein weitgehende Priviligien (vgl. 1355). Man sprach von Klein Schütz (Perwolff) und Gross Schütz (Deutsch Schützen), was allerdings nicht lange andauerte, da vermutlich die Siedlung von Klein Schütz bald aufgegeben wurde und sich Gross Schütz durchsetzte. Interessanter Weise waren beide Siedlungen nicht immer gleich gestellt. So war um 1391 z. B.: Gross Schütz (Nagysych) der königlichen Herrschaft von Güssing unterstellt, doch Klein Schütz (Kis Sych) bildete eine selbständige Ortschaft.

Die ständigen Übergaben an neue Lehensherren im Mittelalter bedeuteten auch immer wieder neue Grenzziehungen und neue Namensbezeichnungen. Auch kirchliche Würdenträger waren eine Zeit lang Besitzer in Deutsch Schützen (z. B.: Äbte von Pernau).

Einen wichtiger Punkt im Leben des ehemaligen Perwolff, Klein Schütz und später im 15. Jahrhundert "Sech" und "Obidum Swcz" bedeutete die alte Pfarrkirche von St. Martin. Im 12. Jahrhundert als Holzkirche erbaut, wurde sie später erweitert und durch Zubauten im 15., 16., 18. und Mitte des 19. Jahrhundert in den Zustand gebracht, wie sie bis Mitte des 20. Jahrhunderts aussah. Bereits im Urzustand dürfte sie als Wehrkirche gedient haben und auch in späterer Zeit war die Kirche von St. Martin ein Bollwerk, was auch Brandspuren aus dem späten 17. Jahrhundert beweisen. Bis ins 19. Jahrhundert umgab die Kirche eine Mauer, die erst Mitte des 19. Jahrhunderts vollends abgebaut wurde. Innerhalb dieser Mauer besaß der Pfarrer eine eigene Wiese, die jedes Jahr Heu hervorbrachte. Sie diente den freien Wehrbauern als Schutz und innerhalb der Friedung entwickelte sich ein neuer Ort auf den "Trümmern" des 1274 bzw. 1289 verwüsteten Ortes. Die Kirche wurde auf ehemaligen römischen Friedhof aus dem 4./5. Jahrhundert errichtet. Die Christianisierung von Sarvár aus begann etwa im 4. Jahrhundert. Zuvor dürften andere monotheistische Glauben hier aktiv gewesen sein (Mithras-Kult).

Die Pfarrkirche von St. Martin in Deutsch Schützen. Sie steht noch heute (ohne Turm und Zubau) dort, wo vermutlich die mittelalterliche Siedlung "Perwolff" gelegen war und diente Jahrhunderte lang als Wehrkirche und Mittelpunkt des christlichen Gemeindelebens. Zahlreiche Ausgrabungen und Funde im unteren Teil der Kirche datieren aber bereits in die Römerzeit zurück.

Nicht nur die Funktion der Wehrkirche im mittelalterlichen Deutsch Schützen stellte eine wichtige Position dar, sondern vielmehr jene Kulturgüter, die noch heute existieren und ihren Ursprung in Deutsch Schützen finden. Eine der wichtigsten Beweisstücke über das Alter der Wehrkirche bildet die Glocke, die aus dem 13. Jahrhundert stammt und die älteste Glocke im Burgenland ist, die noch existieren. Das Gussjahr 1242 darf aber angezweifelt werden. Fest steht aber, dass seit dem frühen 16. Jahrhundert immer dieselbe Glocke im Glockenturm der Kirche läutete. Während des 2. Weltkrieges musste sie allerdings ausgebaut werden, um eingeschmolzen zu werden und Waffen herzustellen. Sie blieb jedoch (fast ein Wunder) in Ebenfurt liegen und wurde 1964 von der Gießerei Pfundner in Wien an das Glockenmuseum in Krems-Stein übergeben, wo sie heute noch zu bestaunen ist.

Die älteste Glocke des Burgenlandes aus dem Turm der Martinskirche von Deutsch Schützen befindet sich heute im Glockenmuseum in Krems-Stein.

Ein weiterer interessanter Fund stellt das romanische Doppelkapitell mit Kelchblättern und Männerkopf dar. Das genaue Alter dieses Prunkstückes, das erst 1951 freigelegt wurde ist nicht bekannt. Wahrscheinliche Entstehung dürfte Ende des 12. bzw. 13. Jahrhunderts sein. Es könnte aber bereits viel früher gebaut worden sein. Dass ein so prunkvolles Bauwerk in Deutsch Schützen eingebaut wurde, stellt eigentlich ein wirklich ungewöhnliches Faktum dar. Vermutlich ist Grund dafür die Sonderstellung der Perwolff-Schützen als Untertanen der Herren von Güssing.

Ein Prunkstück ist ein Kapitell mit Löwenkopf aus der romanischen Zeit, das heute in der Grabkapelle der Familie Erdödy im Fidischer als Altarstütze dient.

Nach 1328 stand Deutsch Schützen unter der Herrschaft des ungarischen Königs Karl von Anjou. Danach kam es wieder zu Streitigkeiten bei denen 1391 Deutsch Schützen als Mitglied des Güssinger Besitzes an die Grafen von Sarew bzw. Cheh. Im 15. Jahrhundert musste Cheh das Gebiet von Deutsch Schützen an die Ellerbacher, aus Schwaben stammend, in Rotenturm abtreten und diese schenkten dem Ort "Obidum Sewcz" das Marktrecht, was wiederum eine gewisse Eigenständigkeit innerhalb des Eberauer Besitzes herstellte. Die Markterhebung dürfte wohl auch im Zuge des größer werdenden Einflusses des österreichischen Hauses Habsburg in Deutschwestungarn erfolgt sein. (1459 wurde Friedrich III. in Güssing zum König von Ungarn gekrönt).

Nach dem Tod des letzten Ellerbachers Johann (1499) ging der Besitz von Eberau an den ungarischen Kanzler Bischof Thomas Bakócz, der 1517 seinem Neffen Peter Erdödy Eberau übergab und somit auch Deutsch Schützen in dessen Besitz überging. In diese Zeit fielen die Türkenkriege in den v. a. Peters Sohn Peter II. einigen Ruhm erlangte, doch sich bald verschuldete. Durch die Heirat mit der reichen Margarethe von Tahy aus Kroatien gelang die Entschuldung und er siedelte Kroaten im Gebiet von Deutsch Schützen an. Grenzreibereien führten um 1548 zur Gründung des Ortes Kroatisch Schützen (Horvat Sycz). 1567 wird erstmals dann der Name "Nemet Sycz" (Deutsch Schützen) erwähnt und es zeigt, dass bereits damals der Ort Kroatisch Schützen existierte. Erstmals tatsächlich erwähnt wird der Name "Horvath Sycz" aber erst 1618.

Blick auf den herrschaftlichen Meierhof an der ungarischen Grenze. Im 12./13. Jhdt. befand sich hier eine Wasserburg der Familie Ják, ab 1219 ein Kloster, später eine Zisterze und ein befestigtes Kastell in der Neuzeit. Nach den Kuruzzenkriegen wurde hier die Meierhöfe erbaut.

Mit der Verpfändung des heimatlichen Besitzes durch Peter II. an den Banus von Kroatien Nikolaus Zrinj gelang schließlich nach Lösung der Verlobung von Peters Tochter mit Georg von Zrinj Deutsch Schützen 1556 an das Herrschergeschlecht der Zrinj. Durch sie wirkte der bekannte evangelische Buchdrucker Hans Manlius auch eine zeitlang in Deutsch Schützen (1592-94) auf und verfasste dort einige Werke. Von den Zrinj wurde dann auch auf dem Gebiet von Pernau (ebenfalls damals Eberauer Besitz), wo früher das Zisterzienser Kloster stand und die von den Jákern errichtete Wasserburg (12./13. Jhdt.), um 1566 ein Kastell erbaut, das bis 1714 existierte. Dort soll die Druckerei von Manlius gestanden sein. Während der Türkenkriege in denen auch die Familie der Zrinj involviert waren, wurde durch die Grafen Perneszi das Kastell ausgebaut und als Flüchtlingslager genutzt. Zu der Zeit lebte auch der gräfliche Sekretär, Gerichtsassessor und königliche Kellermeister Georg Debreczenyi in Deutsch Schützen, der auch hier begraben wurde. Beides bedeutet auch ein wichtiger Bestandteil der Geistes- und Kulturgeschichte des Burgenlands und Westungarns. Später kam das Gebiet um Pernau in den Besitz der ödenburgen Jesuiten (1643-1773), ehe die Esterházy und Liechtensteiner Pernau in Besitz nahmen. Durch Heirat erwarb der Prinz von Bayern 1868 Pernau und die umliegenden Orte. Sie blieben bis 1934 in seinem Besitz, was auch bei der Grenzziehung 1921 eine Rolle spielte.

Nach einem langwierigen Prozess geht Eberau (inkl. Deutsch Schützen) wieder an das Haus Erdödy (teilweise mit Gewalt). 1613 wird das Urbarialgebiet von Deutsch Schützen erstmals auch offiziell in Gehöfte unterteilt, was einer Art Volkszählung gleichkommt. Dass 1613 Deutsch Schützen - höchste Höfeanzahl von Eberau-Rotenturm - eine eigene Judikatur (Gerichtsbarkeit) erhielt, war wohl Folge der Freiheiten der einstigen Schützenverbände und des Marktranges (1459, 1593).

Das Kastell, das mehrmals ausgebaut wurde, befand sich am sogenannten herrschaftlichen "Hoffaker" (spät. Tabor genannt), wo später die herrschaftlichen Meierhöfe gebaut wurden (19. Jhdt.). Auch die Entwicklung des Ortsbildes dürfte eher aus einem Zusammenwachsen von kleineren Teilen entstanden sein, als tatsächlich "organischen geplant", was auch durch die Straßenlage im 17./18. Jhdt. erklärbar scheint, da keine der heutigen geradlinig führenden Strassen damals existierten. Der älteste Teil der Siedlung Gross Schütz (1289) dürfte im heutigen "inneren Dorf" gelegen sein und der Dorfplatz wurde von den Ellerbachern als Marktplatz genutzt. Die Westzeile (Hauptstrasse) dürfte sich erst im 15. Jahrhundert entwickelt haben (Nach Verödung von Klein Schütz). 1613 bilden Nemet Sycz und Horvat Sycz noch einen gemeinsamen Hotter mit gemeinsamer Judikatur, aber bereits 2 Richtern. Auch Kroatisch Schützen ist aus zwei unterschiedlichen Siedlungen entstanden (Erdödyische und Zrinjsche).

Im 17. Jahrhundert war der Ort (die beiden Orte) auch von einem Glaubenskonflikt gebeutelt. Nachdem die wieder zum Katholizismus zurückgekehrten Erdödys das reformierte Deutsch Schützen rekatholisieren wollten, gab es einige Spannungen mit der Bevölkerung (insbesondere Eisenberg), die erst viel später tatsächlich beigelegt werden konnte. Die St. Martinskirche war trotz der anders gearteten Entscheidungen noch lange für die kroatisch stämmigen Schützer Anlaufstelle. Der geäußerte Wunsch (bereits 1697) des Anschlusses von Horvat Sycz an das deutschsprachige Grossdorf wurde erst 1741 erfüllt, als Deutsch Schützen als Pfarre wiederbegründet wurde (vorher Filiale von Grossdorf) und Horvat Sycz zur Filiale von Deutsch Schützen wurde. Dies blieb auch nach 1921 bestehen, als Kroatisch Schützen nach Ungarn kam. Erst 1939 wurde Kroatisch Schützen Filialgemeinde der Pfarre Grossdorf.

Während der Kuruzzenkriege fanden zahlreiche Umsiedlungen statt. Aus dieser Zeit stammt aus so genannte Türkenviertel jenseits der Pinka, das zu Deutsch Schützen gehörte. Ende des 18. Jahrhunderts lebten in Deutsch Schützen bereits knapp 600 Personen. Dass ein Grossteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig war und auch im Dienste der kirchlichen Besitztümer standen, zeigen auch die Verweigerung der Bewirtschaftung der Besitztümer während der Glaubenskrise im 17. Jahrhundert. Der Weinbau selbst entwickelte sich v. a. am Eisenberg hervorragend und auch am Schützer Berg war Weinkultur schon früh bekannt. Vielleicht war das Gebiet auch bei den Grafen und Fürsten im Mittelalter sehr begehrte Tauschware. Aus dem Mittelalter bzw. beginnender Neuzeit sind noch einige Keller vorhanden. Einer der schönsten befindet sich im Kellermuseum.

Dass die Weine aus Deutsch Schützen und insbesondere vom Eisenberg auch weithin bekannt waren, zeigt, dass nicht nur im Komitat Eisenburg und in der Steiermark abgesetzt wurde, sondern auch nach Schlesien, Mähren und sogar Polen exportiert wurde. Dies war schon im 14. Jahrhundert aber v. a. im 16./18. Jhdt. der Fall. Interessant ist hierbei, dass der Eisenberg eigentlich ein Weißweingebiet war (Furmint) und erst Ende des 19. Jahrhunderts nach einer Reblauskrise auf Blaufränkisch umgestellt wurde.

Das Dorfsiegel von 1791, das auch im 19. Jhdt. bei Verordnungen und Schriftstücke verwendet wurde. Es zeigt eine umgedrehte Pflugschar und eine Weinrebe rechts und eine Getreideähre links. Beides beschreibt die landwirtschaftliche Hauptbeschäftigung der Bevölkerung von Deutsch Schützen. "D. D. S." bedeutet "Dorf Deutsch Schützen".

Nach den Reformen durch Maria Theresia und Joseph II. steigerte sich der Unmut der geduldigen Schützer gegen ihre Herrschafter. So strebten beide Schützen gegen die Grafen Erdödy mehrere Prozesse um Grund und Boden (z. B.: 1819, 1826 und 1837). Nach der Landreform 1872 verloren Eberauer Grafen die behördlichen Rechte und wurden nur noch als Gutsbetreiber angesehen. Die Bauern waren nun Besitzer ihres eigenen Landes. Ein wichtiger Beweis für die Eigenständigkeit war, das bereits 1791 bezeichnete Dorfsiegel von Deutsch Schützen. Das heute verwendete Gemeindewappen geht in Form auf das damalige Siegel zurück. Aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert sind auch einige rechtliche Texte (Gerichtsentscheide usw.) bis heute erhalten.

1763 wurde in Deutsch Schützen ein neuer Friedhof angelegt. 1854 entstand unter Pfarrer Sorger und Bürgermeister Krutzler ein neuer Pfarrhof und Schule. Der Neubau von 1876 existiert bis heute. 1864 war ein Neubau der Kirche geplant und 1884 gründete man in Deutsch Schützen die Freiwillige Feuerwehr. 1895 wurde in Deutsch Schützen der zweitälteste Kindergarten des gesamten Komitates errichtet. Die Kinder mussten allerdings ungarischsprachige Lieder und Texte lernen, obwohl sie allesamt deutschsprachig waren. In der Zeit wurde der Ort in "Nemetlövö" umbenannt, obwohl er tatsächlich niemals so geheißen hat.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Ort über 1.000 Einwohner, dann folgte die Auswanderung vieler in die USA. 1934 lebten 883 hier und 1961 waren es nur noch 629. Zahlreiche Stiftungen gingen auf Spender der damaligen Zeit zurück. So wurde die Lourdes-Kapelle beim Feuerwehrhaus und ein Stein-Kruzifix mit Maria vor der alten Kirche errichtet.

1907 wurde ein staatliches Matrikelamt errichtet und zugleich das Gemeindeamt für die Gemeinde erbaut. Die Ortsteile der Großgemeinde waren damals Pernau und Kroatisch Schützen.

Nach dem Ende der Donaumonarchie wurde der Kindergarten von Deutsch Schützen zu einem historisch denkwürdigen Platz, denn dort fand die Abstimmung statt, ob der Ort zu Ungarn oder Österreich gehören wollte. Der einstimmige Ausgang entschied für Österreich.

Zahlreiche Bewohner, die sich zu Österreich bekannten (u. a. der Pernauer Pfarrer Pataki), wurden von Freischärlern ermordet. Durch die Herrschaftsverhältnisse von Pernau, das im Besitz der bayrischen Kronprinzfamilie war, entschieden sich die Bewohner schweren Herzens von Pernau, Kroatisch Schützen und Grossdorf für Ungarn. Besonders die widersinnige Grenzziehung von 1921 zerstörte viele Verbindungen am unteren Pinkaboden, wo nur ein einziger ungarischer Ort (Allerheiligen) existierte. Beispiel für die Freiheitskämpfe ist u. a. der Aufstand der Schildinger Kroaten gegen Ungarische Kämpfer. Etliche Male wurde die Grenze neu gezogen. Bei der ursprünglichen Planung (1919 St. Germain) waren sowohl Sopron im Norden, als auch alle deutschsprachigen Orte im Süden (z. B.: Pernau, Grossdorf, Kroatisch Schützen, Szentpéterfá) auf österreichischem Gebiet. Aber die gegenseitigen Pläne wurden schließlich so verewigt, dass die Pinka willkürlich 7 Mal durchschnitten wurde.

Doch auch nach der Grenzziehung blieb die enge Beziehung zwischen Deutsch und Kroatisch Schützen bestehen. Beispielhaft dafür ist die Stromlösung beider Schützen nach 1921. Die nahe der Grenze gelegene Trummer-Mühle versorgte bis 1941 auch Kroatisch Schützen mit Strom.

1923 wurde in Deutsch Schützen ein Postamt und ein Gendarmerieposten errichtet, 1924 das Zollhaus in der Nähe des Meierhofes von Pernau, wo früher das Kloster bzw. Kastell sich befanden. 1937 wurde die wichtige Autostrasse über den Eisenberg errichtet, die nach Höll führte. Vorher war der Ort eigentlich nur über den Verbindungsweg von 1221 von Pernau aus erreichbar, was ziemlich beschwerlich war. 1928 musste die Martinskirche wegen Baufälligkeit gesperrt werden und der Kindergarten musste interimsmäßig deren Aufgaben übernehmen. Um ihre totale Zerstörung zu verhindern, setzte sich v. a. Graf Erdödy, für die Renovierung ein. In den Vorkriegsjahren 1934-37 wurde unter Dechant Farkas mit Unterstützung beider Schützen die neue Mariä Namen Kirche erbaut. Sie war und ist eine der größten Kirchen im Land.

Die hohen Schulden konnten durch die Entschuldungsaktionen nach dem Anschluss ans Deutsche Reich getilgt werden. Zahlreiche Männer fielen im 2. Weltkrieg für ein Regime, dem die Ortsbevölkerung eher negativ gegenüber standen. Dabei spielten einerseits Dechant Farkas und Herr Trummer andererseits wichtige Rollen. Während des Krieges beschützten sie Juden vor dem Hitlerregime in der Trummermühle, weshalb beide flüchten mussten vor den SS-Männern. Die Männer waren im Krieg und die Frauen mussten arbeiten. Gegen Ende des Krieges wurden Einheimische und Flüchtlinge den Ostwall ausheben. Kurz bevor die Rote Armee in den ersten Apriltagen 1945 den Wall überschritten wurden von SS-Männern 85 jüdische Wallarbeiter im Deutsch Schützer Wall kaltblütig erschossen und verscharrt. Aus Angst schwieg man lange darüber, aber heute erinnert eine Gedenktafel an der Martinskirche und ein Gedenkstein an den grausamen Akt von damals.

Plünderungen, Vergewaltigungen und Diskriminierungen der Bevölkerung durch die Rote Armee schweißten die Bewohner weiter zusammen. Die letzten Gefechte zerstörten Häuser und viele flohen in die Steiermark. Frauen und Mädchen mussten versteckt werden, damit die Russen sie nicht in die Finger bekamen. Wertgegenstände wurden gestohlen usw.

Die 1878 erbaute Trummermühle direkt an der österreichisch-ungarischen Grenze lieferte 1919-41 Strom an beide Schützen und diente während und nach Ende des 2. Weltkrieges als Zufluchtstätte von Juden und Frauen vor verbrecherischen Elementen. Dabei agierte Besitzer Trummer und Dechant Farkas immer wieder in Lebensgefahr beim Beschützen anderer Menschen.

1949 wurde als Danksagung durch die Familie Rosner nach der Heimkehr des Vaters aus der Gefangenschaft die Herz-Jesu-Kapelle gestiftet. Die Glocken für die neue Kirche wurden geweiht und die Einrichtung fertig gestellt. 1953 wurde die alte Kirche abgesichert. Während des Ungarnaufstandes wurden auch zahlreiche ungarische Leute über die Grenze geschmuggelt. In den Folgejahren wurde die Raiffeisenkasse gegründet, kanalisiert und eine neue Volksschule gebaut. 1963 wurde der neue Sportplatz am Berg geschaffen, wo früher das Ziegelwerk war. 1968 entstand eine Kleiderfabrik, die Jahre zahlreichen Frauen Arbeit brachte.

Tonkrug aus dem 18. Jhdt. Zahlreiche Funde unterhalb der alten Martinskirche, die über einem römischen Friedhof errichtet wurde, zeigen die Besiedlung des Gebietes von Deutsch Schützen in der Römerzeit. Grabbeigaben, Wertgegenstände (Armreifen, Ringe) aus frühchristlicher Zeit (ca. 4. Jhdt.) und auch Knochenfunde geben Aufschluss auf die frühe Kolonisierung des Gebietes. Am Eisenberg dürften wohl noch viel früher Menschen bereits gesiedelt haben.

1970/71 fanden Grabungen statt, die römische Funde zu Tage brachten (Gräber, Kultgegenstände usw.). Im selbigen Jahr 1971 entstand die Großgemeinde in heutiger Form mit den Ortsteilen Eisenberg, St. Kathrein, Edlitz und Höll.

Wappen: 1994 wurde der Gemeinde das Recht eines eigenen Gemeindewappens verliehen. Das Wappen ist dem Dorfsiegel aus dem 18. Jhdt. nachgebildet. Damals war Hermann Krutzler Bürgermeister und Karl Stix Landeshauptmann. Denkwürdige Wappenverleihung für die Gemeinde Deutsch Schützen am 10. Juli 1994. Das neue Gemeindewappen geht auf das ehemalige Dorfsiegel aus dem 18. Jhdt. zurück.

In den letzten Jahren entwickelte sich Deutsch Schützen zu einem Wochenendtourismusgebiet für Wanderer und Radfahrer. Die Weingärten und Keller mit gutem Rotwein prägen die heutige Landschaft der Großgemeinde. Die Geschichte der Gemeinde hat eine Tradition von fast 800 Jahren seit der ersten urkundlichen Erwähnung, geht aber Jahrhunderte weiter zurück.

Am 30. 04. 2003 endete eine lange Geschichte der Trennung. Mit dem symbolischen Durchschneiden des Grenzbalkens zwischen Deutsch Schützen und Pernau begann eine neue Zeit. Am 01. 05. umfasste die EU 25 Mitglieder und die Grenzen des 20. Jahrhunderts sind zwischen Österreich und Ungarn "gefallen". Ein historischer Tag für Europa und auch Deutsch Schützen - Eisenberg und die ungarischen Nachbarorte.

Text Chronik: www.eisenberg.at/de/start/chronik.html

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Zollwärterhäuschen (ObjektID: 129866), seit 2012, bei Deutsch Schützen 166
Wohnhaus, ehem. Zollhaus (ObjektID: 8095), Deutsch Schützen 166
Kath. Pfarrkirche Mariä Namen (ObjektID: 8091), die römisch-katholische Pfarrkirche Deutsch Schützen steht in der Katastralgemeinde Deutsch Schützen in der Gemeinde Deutsch Schützen-Eisenberg (kroatisch: "Livio-Čjeka", ungarisch: "Németlövő-Csejke") im Bezirk Oberwart im Burgenland. Sie ist dem Fest Mariä Namen geweiht und gehört zum Dekanat Güssing. Ihr ist die Filialkirche Eisenberg an der Pinka zugeordnet. Die Pfarre bestand bereits im Mittelalter. Die Erhebung zur Pfarre wurde im Jahr 1741 erneuert. Die Kirche wurde in den Jahren 1933 bis 1938 nach Plänen von Dionysius Kopfensteiner errichtet. Zuvor war die Martinskirche im alten Ortskern Pfarrkirche. Im Jahr 1977 wurde die heutige Pfarrkirche erstmals einer Innenrenovierung unterzogen. Das Gotteshaus ist ein großer Bau in romanischen Formen. Der Altar ist neogotisch und stammt aus dem Kloster der Barmherzigen Schwestern in Graz. Die Kanzel wurde von Karl Holey entworfen. Die Orgel baute Franz Ullmann im Jahr 1853. Sie stammt aus der ehemaligen Franziskanerkloster in Güssing.
Ehem. kath. Pfarrkirche hl. Martin (ObjektID: 8092), die römisch-katholische Martinskirche ist die ehemalige Pfarrkirche von St. Martin in der Katastralgemeinde Deutsch Schützen in der Gemeinde Deutsch Schützen-Eisenberg (kroatisch: "Livio-Čjeka", ungarisch: "Németlövő-Csejke") im Bezirk Oberwart im Burgenland. Sie ist dem heiligen Martin geweiht und gehört zur Pfarre Deutsch Schützen. Von der Kirche bestehen heute noch Chorjoch und Apsis mit 5/8-Schluss. Das Gewölbe ist aus einfach gekehlten Rippen, die auf Dienstbündeln und schlanken Runddiensten lagern. Weiters gibt es eine Sakramentsnische. In der südlichen Innenmauer befindet sich ein Grabstein des Georg Debreczenyi († 1593).
Kapelle Maria Lourdes (ObjektID: 8094), bei Deutsch Schützen Nr. 21, die neogotische Kapelle ist mit 1903 bezeichnet.
Hauerhaus, Keller-Kopfensteiner (ObjektID: 8093), bei Deutsch Schützen-Weinberg

Persönlichkeiten:
Josef Wachter (1877–1941), Landwirt und Politiker
Johann Wachter (1888–1957), Landwirt und Politiker
Franz Wachter (1902–1992), Landwirt und Politiker
Felix Wachter (1923–2004), Landwirt und Politiker
Robert Graf (1929–1996), Politiker, von 1950 bis 1972 Gastwirt am Eisenberg
Josef Wiesler (1930–2012), Politiker
Helmuth Schattovits (1939 in Edlitz im Burgenland – 2015), Präsident des Katholischen Familienverbands Österreichs (KFÖ)

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