Ungarisch: Németcsencs, Kroatisch: Nimška Čenča

Deutsch Tschantschendorf gehört gemeinsam mit den Orten Hasendorf im Burgenland, Kroatisch Tschantschendorf, Punitz und Tudersdorf zur Gemeinde Tobaj. Durch Deutsch Tschantschendorf fließen der Strembach und der Weingraben.

Geschichte: An der Landstraße von Güssing nach St. Michael, die bereits 1693 urkundlich als Landstraße genannt wird, liegt der Ort Deutsch Tschantschendorf. Der ursprüngliche Name lautet in den Urkunden von 1359 bis 1588 vielleicht nach einer vor diesem Zeitraum hier ansässigen Adelsfamilie Chench (Tschentsch). Im Jahre 1598 scheint zum ersten Male der Ortsname Nemet Chench (Deutsch Tschentsch) im Gegensatz zu der westlich davon liegenden kleinen Gemeinde Kroatisch Tschautschendorf, die von Kroaten um 1550 besiedelt wurde, auf. Um die gleiche Zeit kommt der Name des Ortes einige Male auch als Egyházas vor. Im Güssinger Taufbuch wurde der Ortsname von 1686 an als Tschentschendorf, Dschantschendorf, Schanzendorf, Scanzentorff, Zanchendorff Schenzendorff, usw. geschrieben.

In den Güssinger Urkunden, in denen die zur Herrschaft gehörigen Orte genannt werden, erscheint Tschantschendorf vor 1600 nicht auf, wohl deshalb, weil die adeligen Familien Farkas und Német, die den Ort inne hatten, von Güssing unabhängig gewesen. Beide Familien gebrauchten den Beinamen de Chench (von Tschentsch). Diese Familien hatten also von der Gemeinde, nicht aber die Gemeinde von ihnen den Namen, zumal die Gemeinde schon 1467 und schon vor 1359 bestand. Von 1538 bis 1601 begegnet uns häufig die Familie Chenchy. Der Name entspricht im Deutschen von Chench. Ob diese Familie die Nachkommen der Farkas und Német oder jene der alten Chench sind, kann nicht gesagt werden. Der Ort befand sich demnach in Händen von Kleinadeligen. Nach dem Jahre 1604 verschwinden aber die Klein. adeligen (in Güssing um 1650) und Deutsch Tschentschendorf gelangt in den Besitz der Batthyány. Diese gaben das Gut im Jahre 1636 der Familie Káldy von Felsökáldy in Pfand.

Die Ortschaft, in deren nördlichem Hotter sich zwei Grabhügel im Walde des Josef Hamel befinden, war ursprünglich an der Landstraße gelegen und vor dem Jahre 1750 haben sich in dem östlich gelegenen Weingebirge allmählich Söllner niedergelassen, so dass heute der Ort sowohl an der Landstraße als auch im Weingebirge liegt. Das Gebietsausmaß beträgt 10,03 km² Die Bevölkerung ist rein deutsch.

Nach Gsánki (Magyarorság történelmi földrajza a Hunyágiak korában, 11. 742) wird der Ort Chench 1359, 1413, 1510 genannt. Johann und Michael Farkas von Chench waren 1467 im Besitze der Gemeinde. Gleichzeitig hatten 1469 Johann Németh von Chench und Michael Farkas von Chench das Gut Gödör (Inzenhof) und Jakobháza gekauft.

Nach dem Steuerausweis von 1538 hatte Wolfgang Chenchy in Chench zu 11/2 Gulden 4 Porten und 11 Arme und zu 1/2 Gulden 5 Porten und 10 Arme, während Franz Batthyány hier im gleichen Jahre 2 Höfe und einen Armen besaß. 1539 sind von demselben Wolfgang de Chench 3 Höfe und 8 Arme ausgewiesen, vier Höfe werden als deleta (zerstört) bezeichnet. Diese Zerstörungen konnten aus der Zeit der Belagerung Güssings durch die Türken im Jahre 1532 herrühren. 1541 hatte Wolfgang de Chench nach 2 Porten je 2 Gulden zu zahlen Im selben Jahre erlegte Franz Chencby bis zum 1. März die Steuer nach 3 Porten oder Höfen. 1544 waren die Adeligen von Chench mit den Steuern nach 3 Porten rückständig. 1549 sind von Andreas Chenchy 4 Höfe und 1 Mühle auf. genommen. 1570 waren die Adeligen Chenchy mit der ersten Steuerrate im Rückstand. 1570 besaßen Thomas und Jakob Chenchy 2 Höfe (Dies beeiden die Richter). 1587 gehörte Chench dem Thomas und Jakob Cbenchy, 1588 ist ½ Hof des Johann und des Franz Chenchy aufgenommen. Nach dem Steuerausweis von 1598 war Németh Chenchy weiter im Besitz der Adeligen Chenchy. 1599 besaßen Franz und Johann Chenchy daselbst (Németh Chenchy oder Egyházas) 8 Häuser 1601 nach 5 Häusern 5 Gulden Steuer. 1604 entrichteten in Deutsch Tschantschendorf folgende Adelige Steuern: Christophorus, Matthias und Lorenz Zarka je 25 Denare, Nikolaus Gyayka, Johann Miklós, Benedikt Balinth ebensoviel, Franz Magyar 1 Gulden, Leopold Németh 50 Denare, Augustin und Jahann Lex sowie Jakob Choro je 1 Gulden, Andreas, Ladislaus und Kaspar Eördegh je 50 Denare. Bis zu dieser Zeit war Deutsch Tschantschendorf selbständig und von Güssing unabhängig. Doch um 1636 befand es sich schon in Händen des Grafen Adam Batthyány, wie aus dem "Inscriptions" oder Übertragsbrief, ausgestellt am 1. Juli 1675 in Rechnitz, hervorgeht: "Wir Graf, Christoph geben kund, dass in Anbetracht des treuen Dienstes, den unser Hauptmann, der adelige und ritterliche Herr Franz Káldy von Felsökáldy zunächst unserem gottseligen Vater, dem Grafen Adam Batthyány, fast volle 15 Jahre und nach dessen Ableben auch uns volle 16 Jahre erwiesen hat, seinem Wunsche gemäß unsere Gemeinde Németh Chench, die früher das Eigentum der Familie Chenchy bildete, und die unser gottseliger Vater Graf Adam Batthyány dem im Herrn bereits entschlafenen Franz Káldy und dessen drei Söhnen Peter, Franz und Stefan am 1. Mai 1635 für eine gewisse Summe verpfändete. Auch wir übergeben und inscibieren die genannte Gemeinde der hinterbliebenen Witwe des adeligen und ritterlichen Franz Káldy von Felsökáldy, der Frau Mariska Ferer und ihren Kindern Peter, Christoph, Elisabeth, Justina und Eva."

Von der Familie Káldy ist folgendes bekannt: Sie entstammt dem Geschlechte der Herény, dem König Stefan V. 1259 die Gemeinde Káld (Bezirk Sárvár) schenkte, nach der die Familie den Zunamen Káldy führte. Nach einem Adelsbrief verteidigten Jarmanus, Gurk, Tyba, Saulus und "Volk und Heimat" Omode als Leibeigene von Vasvár die Feste Güssing, wobei deren Bruder Salamon im Güssinger Turm für die königliche Krone lobenswürdig kämpfend von den Deutschen den grausamen Tod erlitten hatte." Zur Belohnung erhob König Ladislaus IV. die genannten 1273 in den Adelsstand. Franz Káldy war 1635-47 Land er dahin, dass der 1445-1647 zu Österreich gehörige Teil des Bur genlandes (die sieben Grenzherrschaften) wieder an Ungarn rück, geschlossen wurden. 1636 verlieb man ihm "Grenzleutnantschaft" von Westungarn. Um Ungarn gegen die Schweden zu schützen, verordnete Ferdinand 111. 1643 eine adelige Insurrection, die hauptsächlich Franz Käády organisierte. 1660 schickte General Christoph Batthyány denselben Káldy als Hauptmann zur Komitatsversammlung noch Steinamanger mit der Meldung, dass die Türken sich um Kanizsa stark sammeln, weshalb die Adeligen entweder Lebensmittel senden oder an der Front kämpfen mögen. Als Hofhauptmann des Grafen Christoph Batthyány kaufte Franz Káldy 1675 dem Adeligen Peter Somogyi und seiner Frau Elisabeth Sinder im Gebirge von Deutsch Tschantschendorf einen Weingarten ab. Sein Sohn Peter war von 1649-62 Landtagsabgeordneter und um 1658 Vicegespan.

Zufolge der Güterteilung zwischen den Grafen Christoph und Paul Batthyány fiel Deutsch Tschantschendorf im Jahre 1662 dem ersteren mit 151/2 ganzen, 2 öden, 2 freien und 11/2 Zinssessionen zu.

Im Güssinger Taufbuch kommen für den Ort von 1669-80 nachfolgende Familiennamen vor:
Schuler. Pauer, Javor, Klober, Boisisz, Keglevics, Pany, Colosovics, Winkler, Hautzel, Fux, Horváth, Fabus, Malics, Gross, Mur, Kálmán, Jamersics, Rath, Hamerl, Csernecsics, Dragovics, Rott, Gangel, Lang, Krabat, Wendler, Schiller, Matics, Mörr, Serarics, Thoma, Huber, Steiner, Blaskvics Schmid, Koch, Jörg, Madigacs, Mädel, Koller, Faltner, Rustobonek, Hauer, Marton, Bentek, Kifer, Fricz, Schreiber, Vics, Humer, Garaus, Diener, Sommer, Hofer, Salavari, Haslinger, Oeller, Schuster, Tauher, Dunst, Kern, Vukovics, Rosner, Rösler, Kepel, Klepeis, Knar, Jaucz, Tauscher, Waldegger. Im Jahre 1745 waren nach dem Urbar Georg Hamedl Richter, Hans Felber, Michael Wagner, Paul Hamedl, Georg Garaus, Hans Jandrichich und Haus Pauer Gemeindegeschworene. Sessionalisten waren Gross, Garaus, Hamedl Paul, Georg, Michael, Andreas und Hans (den Paul Grafischen Hof genoß damal-Franz Richter als Scbulmeister), Krantz, Kurtz, Frisch, Schuster, Scheinast, Wag. Der, Supper, Peltzmann, (Müller), Jandrichich, Hartmann, Pauer, Leitner, Salfor, Stettner, Fölber, der herrschaftliche gezimmerte Meierhof, das gewesene Káldysche Wohnhaus mit 3 Zimmern, 1 Küche und Kammer, die Pfarrkirche, daneben das gezimmerte Pfarrschulhaus. Weiter befanden sich im Ort ein herrschaftlicher "Teichtgarten", 2 Summerische Höfe, 2 Matthyasische Höfe, ein Rasnerischer Hof, ein Rathischer und ein Lacknerischer Hof. Söllner waren am Wündischberg Tappler und Jany am Huderberg Kanepes, Moikisch, Hafner, Gras und Stettner, am Haselberg Biller, am Ganglberg Sasner, am Lakkenberg Dunst, Frisch, Matthyas, Guttmann, Wagner, Hamedl und Schuster. Alle zusammen besaßen 4 Pferde, 32 Ochsen, 26 Kühe, 13 Sterzen, 42 Schweine, und 6 Bienenstöcke, Heute (1929) sind in der Gemeinde 40 Pferde, 250 Kühe, 240 Kälber.

Der letzte Grundherr aus dem Hause der Batthyány war Fürst Philipp. Nach dessen Tode erbte das Herrschaftsgut 1869 Fürstin Julia Montenuovo, geb. Batthyány, nach ihr 1879 Fürst Alfred Montenuovo, der es 1892 der Gräfin Theodora Kottulinsky geb. Mayr Melnhof verkaufte. 1910 übernahm das Gut in einem Ausmaß von 500 Joch die Parcellierungsbank in Budapest käuflich und
in den Jahren 1914-16 wurde, es parzellenweise an die Bauern veräußert.

Von Bränden ist uns jener aus den 80er Jahren bekannt, durch den 15 Häuser eingeäschert wurden. Es wurde daraufhin ein Feuerwehrverein gegründet, der später wieder aufgelöst, aber 1925 neuerdings gegründet wurde.

Pfarrkirche Deutsch Tschantschendorf: Die römisch-katholische Pfarrkirche Deutsch Tschantschendorf steht in der Ortsmitte von Deutsch Tschantschendorf in der Gemeinde Tobaj (Ungarisch: "Tobaj") im Bezirk Güssing im Burgenland. Sie ist dem Fest Mariä Geburt geweiht und gehört zum Dekanat Güssing. Die Pfarre wurde laut Urkunde 1788 gegründet. Der bestehende Bau wurde um 1807 errichtet. Die Kirche wurde in den Jahren 1970 / 71 restauriert. Die Kirche ist ein einfacher klassizistischer Bau. Der Giebelfassade ist ein Westturm mit Spitzhelm vorgestellt. Die Kirche ist einschiffig und vierjochig. Die Apsis ist polygonal. Zwischen den Gurtbögen auf Doppelpilastern ruht ein Platzlgewölbe. Die Empore ist dreiachsig. Ein halbrunder Triumphbogen trennt die Apsis vom Kirchenschiff. Über der Apsis ist ein Schalengewölbe mit Stichkappen. Der Hochaltar wurde 1922 in später Neugotik von Johann Pomper in Güssing gefertigt.
Dt. Tschantschendorf, OrtstafelDt. Tschantschendorf, OrtstafelDt. Tschantschendorf, DorfplatzDt. TschantschendorfDt. TschantschendorfDt. TschantschendorfDt. Tschantschendorf, Gasthof Guttmann WalitsDt. Tschantschendorf, Pension Wellness-Center JannyDt. Tschantschendorf, Gasthaus WehoferDt. Tschantschendorf, VolksschuleDt. Tschantschendorf, FischteichanlageDt. Tschantschendorf, Kindergarten