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Die Bundeshauptstadt

Margareten

Margareten ist der 5. Wiener Gemeindebezirk und liegt innerhalb des Wiener Gürtels, der an Stelle des ehemaligen Linienwalls entstand, und war ehemals die selbständige Vorstadt Margareten. Der Bezirk wurde 1861 vom 4. Bezirk Wieden abgetrennt und als selbstständiger Bezirk eingerichtet. Margareten ist ein typischer innerer Bezirk, ein dichtbesiedeltes Gebiet mit wenigen Grünflächen. Margareten gilt als Arbeiterbezirk und verfügt in Gürtelnähe über zahlreiche Gemeindebauten.

Der Bezirk umfasst die Ortschaften Margareten, Matzleinsdorf, Laurenzergrund, Hungelbrunn (Ein Teil davon liegt auf der Wieden), Hundsturm, Nikolsdorf und Reinprechtsdorf.

Margareten bis zum Ersten Weltkrieg: Der 5. Bezirk wies bei seiner Gründung noch vorwiegend ländlichen Charakter auf, vor allem gegen den Linienwall befanden sich zahlreiche Grünanlagen, Gärten, Wiesen, Äcker und Gemüsefelder. Das Gebiet im Südwesten des Bezirks war fast völlig unbebaut. Ähnlich war die Situation im Raum zwischen der heutigen Margaretenstraße und der Siebenbrunnengasse. Die Reinprechtsdorfer Straße war damals nur in ihrem unteren Verlauf verbaut. Die meisten vorhandenen Gassen endeten noch als Sackgassen.

Margareten war zunächst ein Handwerkerbezirk, der sich im 19. Jahrhundert durch die zunehmende Bevölkerungszahl immer stärker zu einem Arbeiterbezirk entwickelte. Mit der zunehmenden Industrialisierung vollzog sich bis zur Jahrhundertwende in vielfältiger Hinsicht der Wandel von noch ländlichen Vorstädten zu einem immer dichter verbauten Großstadtbezirk. Im Jahre 1869 wohnten in 921 Häusern rund 54.000 Einwohner. Bis 1900 stieg die Anzahl der Häuser auf 1.579 und die Anzahl der Wohnungen betrug circa 25.300. In Margareten wohnten um die Jahrhundertwende rund 107.000 Einwohner. Das größte Problem in Margareten stellte die ungünstige Wohnsituation dar. Eine durchschnittliche Wohnung bestand um die Jahrhundertwende aus Zimmer und Küche und beherbergte mehr als vier Personen. Zwischen 1860 und 1912 wurden im Bezirk einige bedeutende Einrichtungen geschaffen: ein Waisenhaus (1864), ein Armenhaus und das Hartmannspital (1865). Das neue Amtshaus in der Schönbrunner Straße 54 wurde 1867 bezogen und 1872 das Margaretenbad eröffnet. Im Jahre 1877 wurde der älteste Wiener Volksbildungsverein (heute: polycollege) gegründet und zwischen 1909 und 1911 das Haus in der Stöbergasse 11-15 bezogen. Die Gasbeleuchtung wurde erst relativ spät, im Jahre 1899, installiert und 1911 wurde der Wienfluss eingewölbt. In der Nähe des Naschmarkts wurde 1902 der Rüdigerhof vom Architekt Oskar Marmorek errichtet. Zwischen 1907 und 1908 errichtete der Verein Beth Aharon eine Synagoge in der Siebenbrunnengasse 1a, welche während der Novemberpogrome 1938 zerstört wurde. Die Justizanstalt Mittersteig wurde zwischen 1908 und 1910 neben der Synagoge erbaut, deren erster Leiter Dr. Willibald Sluga war. Aktuell (2007) dient diese Anstalt mitten in Wien für den Maßnahmenvollzug, wo 88 Gefangene von 55 Justizwache-Beamten betreut werden.

Verkehrstechnisch wurde der Bezirk 1877 durch eine Pferdeeisenbahnlinien erschlossen, die später zu Straßenbahnlinien und 1902 auf elektrischen Betrieb umgestellt wurden. Im Zuge der Errichtung der Wiener Stadtbahn am Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Linienwall abgebrochen und die Gürtelstraße angelegt. Dadurch erhielt Margareten Anschluss an die Wientallinie der Wiener Stadtbahn (heute: U4).

Margareten in der Zwischenkriegszeit bis 1945: Obwohl die Bevölkerung in Margareten abnahm, war der Nachholbedarf im Wohnungsbau relativ groß. Die Zahl der Häuser stieg von 1910 bis 1923 von 1563 auf 1626 und blieb mit 1618 Häusern im Jahre 1934 trotz starker kommunaler Bautätigkeit fast gleich. Dies hatte zwei Gründe: Erstens wurden größere Wohnanlagen errichtet und zweitens wurden die Häuser höher gebaut und die Anzahl der vier- und fünfstöckigen Häuser nahm zu. Um die große Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg zu lindern entstand in Wien der kommunale Wohnbau. Das freie Gebiet in Margareten - entlang des „Drasche Gürtels" - bot die Möglichkeit große kommunale Wohnbauten zu erreichten. So entstand 1919 bis 1920 der Metzleinstaler Hof, der erste Wohnhausbau der Gemeinde Wien, mit 244 Wohnungen. Bis 1930 wurde fünf weitere große Wohnbauten erreichtet, wodurch der Gürtel den umgangssprachlichen Namen „Ringstraße des Proletariats" bekam. Der Arbeiterbezirk bot während des Bürgerkriegs 1934 Widerstand gegen den austrofaschistischen Ständestaat. Der Reumannhof, ein Gemeindebau aus dem Jahre 1924, hatte als ein Hauptstützpunkt des Schutzbundes eine zentrale Funktion und wurde lange Zeit vom Schutzbund gehalten. Am 12. Februar 1934 brachen gegen 14 Uhr die Kämpfe beim Reumannhof aus, die erst mit dem Zusammenbruch des Generalstreiks um 20 Uhr beendet wurden, daraufhin kapitulierten die verschanzten Schutzbündler.

Die in der Siebenbrunnengasse 1a befindliche Margaretener Synagoge wurde während der Reichskristallnacht zerstört. Während des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile von Margareten durch Bomberangriffe zerstört, da kriegswichtige Einrichtungen wie die Südbahn und der Frachtenbahnhof Matzleinsdorf an den Bezirksgrenzen verlaufen. Ebenso stark zerstört wurde der Raum um den Wienfluss. Bei der Befreiung Wiens durch die Rote Armee blieben im Bereich des von Volkssturm und SS besetzten Amtshauses die Kampfhandlungen aus, da die Volkssturmeinheiten während eines Luftangriffes die Flucht ergriffen. Dennoch war die Mehrzahl der Straßen nach dem Kriegsende unpassierbar, zudem gab es weder Licht noch Gas. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel waren außer Betrieb und die Parkanlagen dienten als Ablagerungsstätten für Schutt und Müll. Obdachlosigkeit, Krankheit, Hunger und Chaos prägten so die unmittelbare Nachkriegszeit.

Margareten nach dem Zweiten Weltkrieg: In den Jahren der Besatzung (1945 bis 1955) war Margareten Teil des britischen Sektors von Wien. Mit Hilfe der von den Engländern zur Verfügung gestellten Bagger, Schlürfmaschinen und Lastkraftwagen sowie durch Einsatz von über 37.000 Personen, die über 300.000 Arbeitsstunden leisteten, konnten die Aufräumungsarbeiten schnell vorangetrieben werden, so dass Margareten als erster Wiener Bezirk am 19. September 1946 schuttfrei wurde und mit dem Wiederaufbau begonnen werden konnte. Der kommunale Wohnbau der Zwischenkriegszeit wurde fortgesetzt und es entstand das Matzleinsdorfer Hochhaus, mit dem ein neuer Baustil bei Gemeindebauten eingeführt wurde. Statt der früher üblichen Wohnblöcke der Zwischenkriegszeit wurden Einzelhäuser in aufgelockerter Bauweise errichtet. Dennoch nahm die Bevölkerungszahl in den folgenden Jahren bis 2001 ab. Die Anzahl der ausländischen Bevölkerung, insbesondere von Ex-Jugoslawen und Türken nahm beträchtlich zu.
Das größte Problem im Margaretner Wohnbau ist die Überalterung des Bausubstanz, da ca. 60 % der rund 2000 Gebäude vor dem Ersten Weltkrieg errichtet wurden. Wie in den anderen Bezirken Wiens wurde für den Autoverkehr mehr Platz geschaffen und wertvolle Bausubstanz geopfert. Die Straßenbahnen wurden durch Busse ersetzt und die Unterpflaster-Straßenbahn entlang des Gürtels gebaut. Im Zuge des Baus der Unterpflaster-Straßenbahn wurde die in der Mitte der Wiedner Hauptstraße stehende barocke Matzleinsdorfer Pfarrkirche (Florianikirche) 1965, trotz Protesten der Bevölkerung, abgebrochen. Der Neubau der Kirche wurde als turmlose Pfarrkirche an der Ecke Wieder Hauptstraße/Laurenzgasse errichtet.

Im September 1969 wurde die S-Bahn Station Matzleinsdorfer Platz eröffnet und somit bekam Margareten neben der Wiener Stadtbahn Anschluss an ein zweites, hochrangiges Netz des Öffentlichen Personennahverkehrs. Ab dem Jahr 1976 wurde die Stadtbahn schließlich eingestellt, umgebaut und 1980 durch die U4 ersetzt.

Fast das gesamte Bezirksgebiet wurde mit Ausnahme der Durchzugsstraßen verkehrsberuhigt, und das Parkplatzproblem entschärfte sich durch die Einführung der Parkraumbewirtschaftung (am 2. Juni 1997). In zunehmendem Maße wurden Radwege gebaut und einige Einbahnen für das Radfahren gegen die Einbahn geöffnet.

Seit dem Jahr 2000 wird der Grünanteil Margaretens gesteigert, indem man Straßen mit Bäumen statt Parkplätzen umbaut. So wurden schon einige Straßen in Margareten umgestaltet, wie die Obere Amtshausgasse. Weiters wurde im Jahr 2007 am Parkplatz in der Mitte des Gürtels die Fugenvegetation getestet.

Auf Grund des zunehmenden Lärms (Autoverkehr, Eisenbahn, S-Bahn) im Bereich des Gürtels wurde 2007 eine 18 m hohe und 150 m lange Lärmschutzwand bei der Gemeinde-Wohnanlage „Theodor-Körner-Hof" errichtet. Die Elemente sind aus Glas, um genügend Licht und Helligkeit in den Bereich zwischen die Häuser zu bringen. In der obersten Reihe wurde eine Photovoltaikanlage von Wien Energie - Wienstrom installiert, die erstmalig in dieser Form zum Einsatz kommt. Durch die neuartige Anordnung der Sichtschutzstreifen, um Spiegelung zu vermeiden, sind Maßnahmen für den Vogelschutz getroffen worden.

Wappen: Das Wappenschild des Bezirks ist sechsgeteilt und repräsentiert sechs ehemalige, selbstständige Vorstädte Margareten, Nikolsdorf, Matzleinsdorf, Hundsturm, Reinprechtsdorf und Laurenzergrund zusammengeführt. Die sechs Wappen werden folgendermaßen zugeordnet:

Margareten (Mitte): Es zeigt die Heilige Margareta von Antiochia auf Wolken sitzend vor einem goldenem Grund. Unter ihr liegt ein grüner Drache. Das Wappen geht auf die im Ende des 14. Jahrhundert im Margaretener Schloss gestiftete Kapelle zurück.
Nikolsdorf (links oben): Er zeigt den Heiligen Nikolaus auf rotem Grund auf einer grünen Wiese. Das Wappen wurde gewählt, da der Ort zu Ehren des Gründers Nikolaus Oláh, ursprünglich Nikolsdorf genannt worden war.
Matzleinsdorf (rechts oben): Der rechte, obere Wappenteil zeigt mit Florian ebenfalls einen Heiligen. Dieses Symbol für den Bezirksteil Matzleinsdorf wurde gewählt, da Florian der Patron der örtlichen Pfarrkirche ist.
Hundsturm (links unten): Auf blauem Hintergrund ist ein silberner Turm abgebildet, aus dem ein herausspringendes, silbernes Einhorn herausragt. Das sprechende Wappen symbolisiert das 1672 gebaute gleichnamige Schloss.
Reinprechtsdorf (rechts unten): Er zeigt einen blauen, goldverzierten Reichsapfel, der aus dem Siegel des Wiener Bürgerspitals entnommen wurde. Dieses war bis zum 18. Jahrhunderts der Grundherr des Ortes.
Laurenzergrund (unten Mitte): Er zeigt das Symbol des Martyriums des Heilige Laurentius, der auf einem Feuerrost zu Tode gefoltert wurde.

Sehenswertes/Bauwerke in Margareten:
Bezirksmuseum Margareten - Brunnenbecken im Reumannhof - Bruno-Kreisky-Park - Café Rüdigerhof - Eisenbahnerheim - Florianikirche (Rauchfangkehrerkirche) - Franz-Domes-Hof - Franziskanerinnen von der christlichen Liebe - Gedenktafel Hans Moser - Gürtel - Hartmannspital - Heinehof - Herweghhof - Herz Jesu Kirche - Hl. Florian - Hl. Johannes von Nepomuk, Rechte Wienzeile - Jubiläumstempel - Jugendkirche Wien - Julius-Popp-Hof - Justizanstalt Wien Mittersteig - Kaffeemuseum - Franz Joseph-Regierungsjubiläums-Tempel - Linienkapelle Hundsturm - Margaretenbad - Margaretenbrunnen - Margaretenhof - Matteottihof - Matzleinsdorfer Hochhaus - Metzleinstaler Hof - Pfarrkirche Auferstehung Christi - Pfarrkirche St. Josef zu Margareten - Pietá vor der Florianikirche - Reinprechtsdorfer Straße - Reumannhof - Rüdigerhof - Schönbrunner Hof - Schönbrunner Kapelle - Siebenbrunnen - Sonnenhof - Sonnenhofkirche St. Joseph - Statue des Hl. Florian - Theodor-Körner-Hof - Volkshochschule polycollege - Was dem Tropfen allein nicht möglich, das vermag die Welle - Wiedner Hauptstraße - Wirtschaftsmuseum.

Quelle: Text: Wikipedia, Bilder: Peter Oldekop unter der Lizenz CC BY-SA 3.0 de und Hjanko, gemeinfrei.



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