Person - Pauline Mattis
Pauline Martina Mattis, auch Mattis-Hasenhut, geb. Hasenhut, Tänzerin am
Hofoperntheater, * 27.10.1809 oder 1811 in Wien, † 09.10.1844 in Wien, zuletzt wohnhaft: 1., Seilerstätte Nr. 993.
Familie: Pauline Mattis war die Tochter des Theaterschauspielers und Pantomimenmeisters Philipp Karl Hasenhut (1763–1829 ?),
ein Bruder des bekannten Komikers und Schauspielers
Anton Hasenhut, auch bekannt unter dem Namen „Hasenhütl".
welcher in seiner Zeit im
Theater an der Wien in den „Thaddädl-Rollen“ glänzte.
Leben: Die Familie Hasenhut war eine österreichische Tänzer- und Schauspielerfamilie aus Peterwardein (Petrovaradin) in Serbien.
Schon in der Kindheit am Theater (Friedrich Horschelts Kinderballett), zeigte sie für die Tanzkunst entschiedenes Talent
und wurde im
k. k. Hof-Operntheater nächst dem
Kärntnertor engagiert,
wo sie sich durch ihre Grazie und Geschicklichkeit auszeichnete und bald erste Auftritte als Solistin absolvierte.
Später heiratete sie den bekannten Ballett-Tänzer Dominik Mattis , machte mit ihm eine Kunstreise nach Frankreich und Italien,
wo sie überall gefiel und wurde nach ihrer Rückkehr 1938 nach Wien als erste Tänzerin des
k. k. Hof-Operntheaters engagiert.
Allerdings kehrte sie ohne Ihren Mann, den "premier danseur" Balleutteusen, Dominik Mattis, zurück.
Nach den internationalen Erfolgen bekam sie endlich auch in ihrer Heimatstadt erste Tanzrollen.
Sie lebte dann mehrere Jahre von ihrem in Turin arbeiteten Gatten getrennt.
Sie starb am 09.10.1844 im Alter von 33 Jahren nach langwierigen und schmerzlichen Leiden.
Ihr Mann war bei ihrem frühen Tode nicht in Wien.
Sie ruht — vergessen — am
St. Marxer Friedhof
(
Position 141), ebenso wie ihr Onkel in der Nähe,
Anton Hasenhut, der „Thaddädl“ (
Position 137).
Die Geschwister waren:
Leopoldine Johanna Hasenhut, * 1806, † unbekannt, Schauspielerin, Theatertänzerin, Leopoldstadt Nr. 510 (1838), Innere Stadt Nr. 993 (1844).
Leonhard Hasenhut, * 1811, vermisst am 31.10.1878, † 06.09.1882, Ballettmeister, Choreograf, wohnhaft: 2., Nordbahnstraße Nr. 26 und zuletzt 2., Hofenedergasse 4.
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 15.5.1844, Seite 8:
Erklärung und Berichtigung.
„Der Wanderer", eine hiesige Zeitschrift, erzählt in Nr. 103, vom 29. April, unter
der Bezeichnung: „Ein edler Zug
Fanni Elßlers" Folgendes:
„Als
Fanni Elßler erfuhr, daß eine ihrer ehemaligen Kunstcolleginnen von Krankheit
und Unglück schwer heimgesucht, im allgemeinen Krankenhause auf dem allgemeinen Zinmer
in Gemeinschaft der ärmsten Patienten darniederliege, traf sie alsogleich Veranstaltung, daß
dieselbe sofort auf ihre Kosten auf dem Dreiguldenzimnier die sorgsamste Pflege erhalte,
und hinterließ, bei ihrem ersten Besuche nach eingetretener Besserung der Kranken, edelmüthigst
ein Geschenk von 500 fl. G. M. - Bei
Fanni Elßlers seltener Herzensgüte,
welche Gutes im Verborgenen üben will, läßt sich vermuthen, daß ihr eine Geheimhaltung
dieses herrlichen Zuges von Humanität lieb sein müßte, aber wenn man bedenkt, daß
Fanni Elßler so hoch in der Gunst des Publikums steht, daß zahlreiche Neider nicht fehlen
können, welche sich bemühen, den Enthusiasmus für sie als eine Uebertreibung auszulegen,
dann wird es gewissermaßen Pflicht, darauf hinzuweisen, daß eine Künstlerin noch in anderer
Beziehung, als in der erlangten Virtuosität, höher steht, weil dann die größten
Huldigungen nicht nur gerechtfertigt erscheinen, weil eine solche Künstlerin
unbedingt über jedes Lob erhaben wird." S.
Dieser edle Zug ist auch in der hiesigen Zeitschrift „der Sammler," nacherzählt worden
und die tausendzüngige Fama wußte sogleich, wer die arme Kranke sei, und nannte
unverhohlen meinen Namen. Da an der ganzen Sache, was meine Person betrifft, nichts
wahr ist, als daß ich allerdings erkrankte, aber nie auf das allgemeine Krankenzimmer,
sondern für meine Kosten auf das sogenannte drei Gulden-Zimmer gebracht wurde, so berichtige
ich die Angaben des „Wanderers," so ferne sie auf mich bezogen werden, ohne
deshalb dem edlen Wohlthätigkeitssinne der mit Recht als Künstlerin und im Leben
hochgeschätzten
Fanny Elßler, die sich auch gegen mich immer liebevoll bewies, zu nahe zu
treten. Wien, am 14. Mai 1844. Pauline Mattis,
erste Tänzerin des
k. k. Hoftheaters nächst dem
Kärntnerthore.
Wiener Zeitung vom 12.10.1844, Seite 5:
Dem Hrn. Dominik Mattis, Ballet-Tänzer des
k. k. Hof-Operntheater, f. Gattinn Pauline, alt 33 J., auf
der Seilerstätte Nr. 993, an Entartung der Unterleibseingeweide.
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 12.10.1844, Seite 2:
Nekrolog.
(Mad. Mattis - todt.) Am 9. October starb in Wien Mad. Pauline Mattis,
geborene Hasenhut, erste Tänzerin des
k. k. Hof-Operntheaters nächst
dem
Kärntnerthore, die Gattin des rühmlich bekannten Tänzers Dominik Mattis.
Sie war als die Tochter des Pantomimenmeisters Hasenhut (Bruder des bekannten
Komikers) schon als Kind beim Theater, zeigte besonders für die Tanzkunst ein entschiedenes
Talent, und wurde bald im
k. k. Hofoperntheater nächst dem
Kärntnerthore engagirt.
Sie zeichnete sich frühe durch Grazie und Geschicklichkeit aus, wurde für erste Parts
verwendet, machte mit ihrem Gatten eine Kunstreise nach Frankreich und Italien, gefiel
sehr, und kehrte wieder nach Wien zurück. Seit ungefähr einem halben Jahre erlag sie
schmerzlichen körperlichen Leiden, und starb im 33. Jahre an der Wassersucht. Ihr Gatte,
von dem sie seit Jahren getrennt lebte, befindet sich in Turin.
Die Grabstelle befindet sich am
St. Marxer Friedhof (
Position 141).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: gemeinfrei,
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 15.5.1844, Seite 8,
Wiener Zeitung vom 12.10.1844, Seite 5,
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 12.10.1844, Seite 2.