Person - Jakob Stierböck
Jakob Stierböck, Kaffeehausbesitzer, Café Stierböck
(2, Praterstraße 4 bzw. 6, bei der damaligen
Schlagbrücke, heute
Schwedenbrücke),
† 21.08.1836.
Nach mehreren Besitzerwechseln ging das Kaffeehaus im Jahr 1820 von Josefine Kerndl in den Besitz von Jakob Stierböck,
dem ehemaligen Inhaber des Kaffeehauses "Zum goldenen Löwen" in der
Leopoldstadt, über.
Weiters kaufte er auch das Nachbarhaus und richtete es 1821 ganz nach dem Geschmack und Stil der übrigen Kaffeehäuser an der
Schlagbrücke ein.
Der "Stierböck", wie man in Wien kurz sagte, wurde das Theatercafé der
Leopoldstadt.
Wegen des teuren Einrichtung war das Kaffeehaus sehr geschätzt, es verfügte auch über einen Billardsaal.
Nach dem Tod von Jakob Stierböck kaufte der Nachfolger von Jakob Stierböck,
Franz Stierböck, im Jahr 1839 das benachbarte Café Jüngling und legt es mit seinem Kaffeehaus zusammen.
Das Jüngling wurde vor allem von der jüdischen Bevölkerung besucht.
Das Café verblieb bis zum Abbruch des Hauses im Jahre 1903 im Besitz der Familie Stierböck.
Wiener Zeitung vom 24.8.1836, Seite 4:
Hr. Jacob Stierböck, gew. bürgerl. Kaffehhaus-Inhaber,
alt 68 Jahr, in der Lespoldstadt Nr. 585, an
Vereiterung der Harnblase.
Neue Freie Presse vom 2.7.1905, Seite 10:
(Das Café Stierböck.) Eine Fülle von Altwiener
Erinnerungen wird lebendig, da wir an das alte, wenn auch
nicht älteste Leopoldstädter Kaffeehaus, an das Café Stierböck
denken, über das nun das Todesurteil gesprochen worden ist,
wenn sich auch die Vollstreckung desselben einige Zeit hinausziehen
dürfte. Hart an der alten
Schlagbrücke entstand das
alteste Café der Vorstadt, heute Café Reklame, die Erben
Kolschitzkys, der nach dem Abzuge der Türken den Wienern
zuerst gelehrt, den braunen Mokka zu schlürfen haben es gegründet,
und es ist lokalgeschichtlich interessant, weil Raimund
hier Stammgast war, als es Anton Wagner gepachtet hatte.
In die schöne Kaffeesiederstochter, die Toni Wagner verliebte
sich der Brausekopf, und sie wurde seine Lebensgefährtin. Eine
«große Geschichte» hat das nahe Cafe Stierböck. Ein Stück
Wiener Kulturgeschichte klebt an dem Gemäuer. In den Zeiten
Josefs II., da die schon unter Maria Tleresia nach Oesterreich
gekommene Freimaurerei blühte, war der Saal das Kasino der
Wiener Freimaurer. Der Gemahl der Kaiserin, Franz von
Lothringen, gehörte dem Orden an und war ein begeisterter
Anhänger desselben. Alle Großen des Reiches, Kirchenfürsten
nicht ausgenommen, waren Mitglieder der zahlreichen Logen,
die in Wien arbeiteten. Fürst Dietrichstein war Großmeister,
in dem Archiv des
Schottenkosters findet man noch manche
seltsame Gegenstände, die darauf hinweisen, daß die Aebte des
stolzen Klosters Freimaurer waren, und es liegt sogar das
Testament eines Schottenabtes vor, worin dieser bestimmt, man
möge seinen Sarg mit dem Hammer des Meisters vom Stuhl
zunageln. Die führenden Geister des Reiches versammelten sich
hier im Freimaurerkasino. Sonnenfels, Blumauer, Haschka,
Alxinger, hohe Militärs, waren täglich hier zu finden. «Die
physikalischen Arbeiten der einträchtigen Freunde in Wien» des
berühmten Geologen Born wurden hier gegründet, und
damit in mittelbarer Folge die Akademie der Wissenschaften.
Hier berichtete auch Born, der mit Josef II. und Sonnenfels
in herzlichst freundschaftlicher Verbindnng stand, über sein
vergebliches Bemühen, den Kaiser zum Eintritte in die Freimaurerei
zu bewegen. Lessing, Lafahette und zahlreiche berühmte
Brüder waren Gäste des Kasinos. Die Restauration
des Kasinos führte ein "dienender Bruder", dessen Name mit
Wolf und Bock verschieden angegeben wird, in Gemeinschaft
mit seiner Frau. Nachdem der Mann gestorben war, wendete sich
die Witwe an den Vorstand mit der Bitte, ihren zweiten
Mann, der Jüngling hieß, als dienenden Bruder aufzunehmen,
was auch geschah. Nach der Entdeckung der Verschwörung
des Platzoberlieutenants Hebenstreit, des
Magistratsrates Brandstetter und des Glückshafenbesitzers
Hackel fanden es die Logen für geraten, ihre
Tätigkeit einzustellen, und in einer feierlichen Audienz bei
Kaiser Franz gaben sie dies kund. Nun, machte Jüngling
aus dem ehemaligen Kasino ein Café. In dem kleinen
Vorgärtchen des "Jünglingschen Kaffeehauses zunächst der
Schlagbrücke" wurde der Wiener Walzer geboren. Hier spielte
Lanner und Strauß und gingen absammeln, hier
ertönten zum erstenmal die süßen Weisen, die später die Welt
eroberten. Im Jahre 1821 übernahm Jakob Stierböck das
Kaffeehaus, und der «Stierböck», wie man in Wien kurz sagte,
wurde das Theatercafé der
Leopoldstadt. Die Stelle, an der
Nestroy mit Scholz täglich ihre Whistpartie gespielt,
wurde noch vor Jahren gezeigt; sie befindet sich beim dritten
Fenster auf der Straßenseite, nicht an der Wasserseite. Alle
Größen des Theaters, die Damen nicht ausgeschlossen, waren
hier zu finden. Auch Eugen Mühlfeld, der edle Ritter im
Kampfe um unsere Freiheit, zählte zu den Stammgästen des
Cafés. Er saß recht einsam in einer Ecke, das Napoleon-Gesicht
in Zeitungen vergraben. Eine Unmenge von Anekdoten
schwirrte aus dem Café Stierböck in die Stadt hinaus, und
der "neueste Witz aus dem Cafe Stierböck" flog durch die
Linientore weiter, in alle Lande. Die lustigen Theaterleute
wurden in den Sechzigerjahren von den Getreidehändlern,
Müllern und Landwirten abgelöst, und das Café Stierböck
war viele Jahrzehnte hindurch die eigentliche Fruchtbörse von
Wien. Später trat auch darin Wandel ein, und das alte
Leopoldstädter Kaffeehaus verlor die charakteristischen Züge,
die ihm die Stammgäste verliehen. Es blieb aber immer ein
Wiener bürgerliches Patriziercafé voll Ruhe und konservativer
Behäbigkeit.
Die Grabstelle, in der auch
Franz Stierböck seine letzte Ruhe gefunden hat,
befindet sich am
St. Marxer Friedhof (
Position 160).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: Wiener Zeitung vom 24.8.1836, Seite 4,
Wien Museum Inv.-Nr. 37435, CC BY 4.0,
Wien Museum, gemeinfrei,
Neue Freie Presse vom 2.7.1905, Seite 10.