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Die Bundeshauptstadt

Person - Franz Stierböck

Franz Stierböck, Kaffeehausbesitzer, Hausinhaber, Café Stierböck (2, Praterstraße 4 bzw. 6, bei der damaligen Schlagbrücke, heute Schwedenbrücke), † 16.05.1840, 45 Jahre.

Nach mehreren Besitzerwechseln ging das Kaffeehaus im Jahr 1820 von Josefine Kerndl in den Besitz von Jakob Stierböck, dem ehemaligen Inhaber des Kaffeehauses "Zum goldenen Löwen" in der Leopoldstadt, über. Weiters kaufte er auch das Nachbarhaus und richtete es 1821 ganz nach dem Geschmack und Stil der übrigen Kaffeehäuser an der Schlagbrücke ein. Der "Stierböck", wie man in Wien kurz sagte, wurde das Theatercafé der Leopoldstadt. Wegen des teuren Einrichtung war das Kaffeehaus sehr geschätzt, es verfügte auch über einen Billardsaal.

Nach dem Tod von Jakob Stierböck kaufte der Nachfolger von Jakob Stierböck, Franz Stierböck, im Jahr 1839 das benachbarte Café Jüngling und legt es mit seinem Kaffeehaus zusammen. Das Jüngling wurde vor allem von der jüdischen Bevölkerung besucht. Das Café verblieb bis zum Abbruch des Hauses im Jahre 1903 im Besitz der Familie Stierböck.

Wiener Zeitung vom 20.5.1840, Seite 5: Herr Franz Stierböck, bürgerl. Kaffehsieder und Hausinhaber, alt 45 Jahr, in der Leopoldstadt Nr. 584, an der Luftröhrenschwindsucht.

Neue Freie Presse vom 2.7.1905, Seite 10: (Das Café Stierböck.) Eine Fülle von Altwiener Erinnerungen wird lebendig, da wir an das alte, wenn auch nicht älteste Leopoldstädter Kaffeehaus, an das Café Stierböck denken, über das nun das Todesurteil gesprochen worden ist, wenn sich auch die Vollstreckung desselben einige Zeit hinausziehen dürfte. Hart an der alten Schlagbrücke entstand das alteste Café der Vorstadt, heute Café Reklame, die Erben Kolschitzkys, der nach dem Abzuge der Türken den Wienern zuerst gelehrt, den braunen Mokka zu schlürfen haben es gegründet, und es ist lokalgeschichtlich interessant, weil Raimund hier Stammgast war, als es Anton Wagner gepachtet hatte. In die schöne Kaffeesiederstochter, die Toni Wagner verliebte sich der Brausekopf, und sie wurde seine Lebensgefährtin. Eine «große Geschichte» hat das nahe Cafe Stierböck. Ein Stück Wiener Kulturgeschichte klebt an dem Gemäuer. In den Zeiten Josefs II., da die schon unter Maria Tleresia nach Oesterreich gekommene Freimaurerei blühte, war der Saal das Kasino der Wiener Freimaurer. Der Gemahl der Kaiserin, Franz von Lothringen, gehörte dem Orden an und war ein begeisterter Anhänger desselben. Alle Großen des Reiches, Kirchenfürsten nicht ausgenommen, waren Mitglieder der zahlreichen Logen, die in Wien arbeiteten. Fürst Dietrichstein war Großmeister, in dem Archiv des Schottenkosters findet man noch manche seltsame Gegenstände, die darauf hinweisen, daß die Aebte des stolzen Klosters Freimaurer waren, und es liegt sogar das Testament eines Schottenabtes vor, worin dieser bestimmt, man möge seinen Sarg mit dem Hammer des Meisters vom Stuhl zunageln. Die führenden Geister des Reiches versammelten sich hier im Freimaurerkasino. Sonnenfels, Blumauer, Haschka, Alxinger, hohe Militärs, waren täglich hier zu finden. «Die physikalischen Arbeiten der einträchtigen Freunde in Wien» des berühmten Geologen Born wurden hier gegründet, und damit in mittelbarer Folge die Akademie der Wissenschaften. Hier berichtete auch Born, der mit Josef II. und Sonnenfels in herzlichst freundschaftlicher Verbindnng stand, über sein vergebliches Bemühen, den Kaiser zum Eintritte in die Freimaurerei zu bewegen. Lessing, Lafahette und zahlreiche berühmte Brüder waren Gäste des Kasinos. Die Restauration des Kasinos führte ein "dienender Bruder", dessen Name mit Wolf und Bock verschieden angegeben wird, in Gemeinschaft mit seiner Frau. Nachdem der Mann gestorben war, wendete sich die Witwe an den Vorstand mit der Bitte, ihren zweiten Mann, der Jüngling hieß, als dienenden Bruder aufzunehmen, was auch geschah. Nach der Entdeckung der Verschwörung des Platzoberlieutenants Hebenstreit, des Magistratsrates Brandstetter und des Glückshafenbesitzers Hackel fanden es die Logen für geraten, ihre Tätigkeit einzustellen, und in einer feierlichen Audienz bei Kaiser Franz gaben sie dies kund. Nun, machte Jüngling aus dem ehemaligen Kasino ein Café. In dem kleinen Vorgärtchen des "Jünglingschen Kaffeehauses zunächst der Schlagbrücke" wurde der Wiener Walzer geboren. Hier spielte Lanner und Strauß und gingen absammeln, hier ertönten zum erstenmal die süßen Weisen, die später die Welt eroberten. Im Jahre 1821 übernahm Jakob Stierböck das Kaffeehaus, und der «Stierböck», wie man in Wien kurz sagte, wurde das Theatercafé der Leopoldstadt. Die Stelle, an der Nestroy mit Scholz täglich ihre Whistpartie gespielt, wurde noch vor Jahren gezeigt; sie befindet sich beim dritten Fenster auf der Straßenseite, nicht an der Wasserseite. Alle Größen des Theaters, die Damen nicht ausgeschlossen, waren hier zu finden. Auch Eugen Mühlfeld, der edle Ritter im Kampfe um unsere Freiheit, zählte zu den Stammgästen des Cafés. Er saß recht einsam in einer Ecke, das Napoleon-Gesicht in Zeitungen vergraben. Eine Unmenge von Anekdoten schwirrte aus dem Café Stierböck in die Stadt hinaus, und der "neueste Witz aus dem Cafe Stierböck" flog durch die Linientore weiter, in alle Lande. Die lustigen Theaterleute wurden in den Sechzigerjahren von den Getreidehändlern, Müllern und Landwirten abgelöst, und das Café Stierböck war viele Jahrzehnte hindurch die eigentliche Fruchtbörse von Wien. Später trat auch darin Wandel ein, und das alte Leopoldstädter Kaffeehaus verlor die charakteristischen Züge, die ihm die Stammgäste verliehen. Es blieb aber immer ein Wiener bürgerliches Patriziercafé voll Ruhe und konservativer Behäbigkeit.

Die Grabstelle, in der auch Jakob Stierböck seine letzte Ruhe gefunden hat, befindet sich am St. Marxer Friedhof (Position 160).

Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: Wiener Zeitung vom 20.5.1840, Seite 5, Wien Museum Inv.-Nr. 37435, CC BY 4.0, Wien Museum, gemeinfrei, Neue Freie Presse vom 2.7.1905, Seite 10.



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