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Die Bundeshauptstadt

Person - Waluliso

Ludwig „Wickerl“ Anton Waluliso geb. Weinberger (* 2. Juli 1914 in Wien; † 21. Juli 1996 ebenda) war ein Wiener Stadtoriginal sowie Umwelt- und Friedensaktivist.

Leben: Ludwig Anton Weinberger kam am 2. Juli 1914 in Wien-Ottakring als achtes Kind der aus Böhmen stammenden Anna Marie Benes, die mit dem aus Wolfsberg stammenden Sattler Ludwig Weinberger verheiratet war, zur Welt. Weil Ludwig Weinberger nicht sein Vater war, ging die Ehe in Brüche. Da die Mutter die zahlreichen Kinder nicht mehr ernähren konnte, gab sie ihren Zweitjüngsten schon im Alter von vier Jahren in ein Kinderheim. Später wechselte der Bub zwischen Heimen, Pflegeeltern und seiner Familie hin und her. Er erlernte das Buchbinderhandwerk und arbeitete als selbstständiger Handelsvertreter für Werbemittel und Stempel.

Anfang 1938 meldete sich Ludwig Anton Weinberger zu einer dreimonatigen Ersatzreservistenausbildung. Nur wenige Tage nach dem „Anschluss“ wurde er ausgemustert und im Sommer des darauffolgenden Jahres zur Wehrmacht eingezogen. Er kam auf den Kriegsschauplätzen Polen und Jugoslawien zum Einsatz und laborierte zeit seines Lebens an einer 1940 erlittenen Knieverletzung.

Nach Kriegsende holte Weinberger die Handelsschule nach und wurde Vertreter für Büro- und Reklameartikel. Anfang der 1950er-Jahre erwarb er einen Gewerbeschein als selbstständiger Handlungsreisender für Reklameartikel, Plastikwaren und Stempel und spezialisierte sich allmählich auf die Anfertigung von individuellen Reklame- und Hinweistafeln für Geschäfte.

Kontakt zur auf der Hirscheninsel in der Lobau aktiven Freikörperkulturszene (FKK) hatte Ludwig Anton Weinberger bereits vor dem Krieg. Nach dem Krieg trat er einem Nudistenverein bei. Nachdem das Nacktbaderefugium Hirscheninsel dem Bau des Entlastungsgerinnes „Neue Donau“ hatte weichen müssen, sammelte er in den frühen 1970er Jahren Unterschriften für frei zugängliche FKK-Bereiche an den Ufern der Neuen Donau. Für die neu aufgeschüttete Donauinsel forderte er später außerdem öffentliche WC-Anlagen, Sitzgelegenheiten, einen Zugang zu Trinkwasser und eine Anbindung an den öffentlichen Verkehr und fand damit viele Unterstützerinnen und Unterstützer. In den 1980er Jahren demonstrierte er für die Abrüstung und den Frieden.

Durch sein Motto „Wasser, Luft, Licht und Sonne“ (aus den jeweils ersten beiden Buchstaben bildete er sein Pseudonym) und seine eigenwillige Kleidung, die aus einer weißen Toga, einem Stirnkranz aus Olivenzweigen, einem Hirtenstab und einem Apfel bestand, wurde er zu einem Wiener Original, das in der Wiener Innenstadt auf dem Stephansplatz oder auf dem Wiener Naschmarkt regelmäßig Ansprachen an die Bevölkerung hielt, bei denen er in eindringlicher Sprechweise Gott und Natur als Eines ansah und sich auf Visionen berief. Er war ein überzeugter FKK-Anhänger und erschien im Sommer oft nur mit einem Schurz bekleidet in der Öffentlichkeit.

1982 nahm die österreichische Band Blümchen Blau mit Waluliso die Single „Wir bauen ein Haus (Eine Botschaft an Alle)“ auf.

Waluliso suchte auch regelmäßig Kontakt zu Ehrengästen der Stadt Wien und schüttelte die Hand des PLO-Chefs Jassir Arafat und 1987 des sowjetischen Außenministers Eduard Schewardnadse, der den Wagenkonvoi der Ehrengäste anhalten ließ, weil er Waluliso in der weißen Toga sah. Insbesondere Prinz Charles zeigte sich von der Begegnung beeindruckt und schrieb Waluliso einen Brief. Er reiste mit Empfehlungsschreiben der damaligen Bürgermeister Leopold Gratz und später Helmut Zilk zu Konferenzen: 1985 zum Gipfeltreffen von Ronald Reagan und Michael Gorbatschow in Genf, wo Waluliso die Hand von Raissa Gorbatschowa schütteln konnte. Diese Begebenheit verarbeitet Michael Köhlmeier im Roman „Von Montag bis Freitag“. 1986 fuhr Waluliso zu deren erneuten Treffen in Reykjavík und auf Einladung der österreichisch-sowjetischen Gesellschaft nach Moskau. 1987 wollte Waluliso zur 750-Jahr-Feier nach Berlin reisen, DDR-Grenzer verweigerten aber die Durchreise.

Seinen Nachnamen ließ Weinberger 1986 amtlich auf Waluliso ändern.

Zuletzt wohnte Weinberger in der Wehrgasse in Wien-Margareten auf nur neun Quadratmetern. Bei seinem letzten öffentlichen Auftreten in der Wiener Kärntner Straße verteilte er Geld mit dem Hinweis: „Charakter zählt und nicht Geld. Politiker sind Spekulanten.“

Sein Grab liegt auf dem Wiener Zentralfriedhof (2. Tor, Gruppe 30E, Reihe 1, Nummer 27). Die Grabgestaltung wurde von Waluliso selbst entworfen.

Am 7. Juni 1998 wurde zu seinen Ehren die Walulisobrücke (auch: Waluliso-Brücke), eine Pontonbrücke, als Fuß- und Radbrücke über die Neue Donau in der Nähe des Kraftwerks Freudenau freigegeben. Damit wurde einem langjährigen Wunsch Walulisos entsprochen, im Bereich des FKK-Geländes – der sogenannten Hirscheninsel – eine Verbindung von der Donauinsel über die Neue Donau zum Hubertusdamm am nordseitigen Ufer zu schaffen.

Quelle: Dieser Text basiert auf dem Artikel Waluliso aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 4.0 (Text erweitert). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Bilder: TARS631 und www.nikles.net.



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