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Die Bundeshauptstadt

Person - Leopold Feitsinger

Leopold Feitsinger, Ortsrichter von Aspern (an der Donau), Ganzlehenbesitzer Nr. 24 zu Aspern an der Donau, Müllermeister, Inhaber der kleinen goldenen Civil-Ehren-Medaille mit dem Bande (Verleihung am 21.11.1848), * 1763, † 03.01.1849 (laut Wiener Zeitung 02.01.1849) im 86. LJ.

Ehrungen:
21.11.1848: Verleihung der kleine goldenen Civil-Ehren-Medaille mit dem Bande (Wiener Zeitung vom 12.12.1848, Seite 1).
10.08.1911: Straßenbenennung: Die von der Oberdorfstraße abzweigende kurze Sackgasse (mit Blickrichtung zur Kirche) wurde am 10. August 1911 nach Leopold Feitsinger benannt. Feitsinger war Lehenbesitzer, Zechmeister der Schiffmüller und stand auch der Gemeinde Aspern als Ortsrichter vor (Wiener Zeitung vom 13.8.1911, Seite 7).

Die Inschrift lautet:
Hier ruhet
Herr Leopold Feitsinger
Müllermeister und Ortsrichter
zu Aspern an der Donau.
Inhaber der goldenen Ehren-Medaille
gestorben den 3. Jänner 1849
im 86. Jahre seines Alters.
Still und ruhig war sein Leben
treu und thätig seine Hand
Ruhig sein hinüberschweben
In das beste Vaterland.
Tief betrauert von Seiner hinterlaßenen
Gattin und Kindern.

Die Grabstelle befindet sich an der nördlichen Mauer der Kirche St. Martin zu Aspern (am alten Friedhof), in der unmittelbaren Nähe des Museums Aspern 1809.

Wiener Zeitung vom 12.12.1848, Seite 1: Se. k. k. Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 21. November d. J., dem Ortsrichter zu Asparn an der Donau, Leopold Feitsinger, die kleine goldene Civil-Ehren-Medaille mit dem Bande allergnädigst zu verleihen geruhet.

Wiener Zeitung vom 23.12.1849, Seite 15: Erben und Gläubiger nach Leopold Feitsinger. Von dem Justizamte Kreikendorf D. U. M. B. wird hiermit bekannt gemacht: Alle Jene, welche an die Verlassenschaft des am 2. Jänner 1849 mit Hinterlassung eines Testamentes verstorbenen Leopold Feitsinger, Müllermeisters und Ganzlehenbesitzers Nr. 24 zu Asparn an der Donau, entweder als Erben oder Gläubiger was immer für einen Anspruch zu machen gedenken, haben am 10. Jänner 1850, Vormittags 9 Uhr, in der Amtskanzlei zu Asparn a. d. Donau persönlich oder durch einen gehörig Bevollmächtigten zu erscheinen; widrigens nach Verlauf dieser Zeit die Abhandlung und Einantwortung dieser Verlassenschaft an Jene ohne weiters erfolgen wird, welche sich hierzu werden gesetzlich ausgewiesen haben. Justizamt Kreikendorf am 19. December 1849.

Wiener Zeitung vom 13.8.1911, Seite 7: (Straßenbenennungen.) Der Wiener Stadtrat hat eine Anzahl von neuen Verkehrswegen im Bezirke Floridsdorf, wie folgt, benannt: ... die in geradliniger Fortsetzung der Rueberstraße von der Oberdorfstraße in ostsüdlicher Richtung zum Heldenplatz (Kirche St. Martin) führende Gasse nach dem Ortsrichter Leopold Feitsinger mit „Feitsingergasse"; ...

Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) vom 22.5.1938, Seite 25: Der Ortsrichter Leopold Feitsinger. Von Albert Hans Rügenau. Im Asperner Heimatmuseum befindet sich als Leihgabe ein kleines Aquarellporträt, dessen erklärendes Täfelchen den Namen Leopold Feitsinger trägt. Was soll uns dieser Name sagen? War der bartlose Greis im blauen Schlafrock oder in dem in josephinischen Zeiten so beliebten blauen Frack ein besonders verdienter Invalide? Nein, er war ein Zivilist, ein schlichter Lehenbesitzer, aber das Gemeindeoberhaupt von Aspern im Kriegsjahr 1809. Und doch war er ein Kämpfer — lange, ehe all der neue Jammer über das alte Donaudorf hereinbrach — es galt, die „Falltor­ mauer", diese primitive Wehr aus Holz, Laub und Steinen, gegen das schier jährlich drohende Hochwasser und den nicht seltenen Eisstoß zu halten; es galt, an der Spitze einer kleinen Rettungsmannschaft wütende Brände zu ersticken, wie sie häufig im gewitterreichen Hochsommer auflodern; es galt, zu schlichten und zu richten und alle Belange zu verstehen, die die Asperner mit ihren Waffermühlen, Aeckern, Wiesen und Auen verbanden. Entschlossenheit zeigen die kleinen Fältchen unter den Mundwinkeln. Sie mag nie als Härte verstanden worden sein, blicken doch die Augen gütig. Wirklich gütig, nicht müde, wie sie das Alter macht. Der Maler unterschied das wohl. Es ist eine in jeder Beziehung so wahr wirkende Farbzeichnung, daß man nicht die Mühe scheut, die verblaßte, haardünne Signierung zu entziffern. Und man wird schließlich belohnt: das Bild stammt von einem Charlemont, einem Vorfahren der bekannten Malerfamilie, der hier, zu Aspern, als paradierender oder manöverierender österreichischer Offizier in einer Mußestunde sein Talent übte. Als Leopold Feitsinger gemalt wurde, stand er nahe an achtzig; als er in Kriegszeiten sein Ich für die Nachbarn und Freunde, für das ganze Gemeinwesen einsetzte und es zu opfern bereit war, befand er sich in voller Manneskraft. Die Tage, die von ihm so viel verlangten, begannen mit dem Morgen des l3. Mai: Da marschierte ein Infanterieregiment in Aspern ein. Man hatte erfahren, daß die kaiserliche Armee in Bayern, bei Landshut und Eckmühl, geschlagen worden war, und hatte es selbst in der Nacht des 11. mit Schrecken gehört, daß Napoleon Wien bombardieren ließ. Wien wurde vom Feind genommen, und nach Aspern kamen Truppen? Der Ausgang des Krieges war also noch nicht entschieden! Das verstand jeder im Dorf; unverstanden blieb, was das Regiment gerade zu Aspern sollte. Nur ein Teil hatte Order, nach Eßling und Groß-Enzersdorf weiterzumarschieren; ein Bataillon und der Stab blieben. Es war nichts Geringes in den hundert Häusern Asperns, das von kinderreichen Familien bewohnt und oft gar klein und eng und arm war, so viele Leute einzuquartieren und zu versorgen. Feitsinger schaffte es, obwohl die Asperner sehr zusammenrücken mußten und die Getreidespeicher schon ziemlich leer standen. Der manöverähnliche Zustand wahrte ein paar Tage, und man begann ihn bereits zu gewöhnen, auf einmal wiesen die Trompeten zum Sammeln und ließ der Oberst den Ortsrichter zu sich rufen. Feitsinger wurde die Evakuierung befohlen. Während die Truppen abzogen, auch die bisnun in Eßling und Groß-Enzersdorf stehenden, marschierten wieder durch, erlebte er seine bitterste Stunde. — Das Wasser hatte die Asperner niemals vertreiben können, und nun, dieser Feind... Aber er durfte über diesen fürchterlichen Befehl nicht grübeln, er mußte ihn austrommeln und ausführen lassen. Für die Asperner kamen mehrere Zufluchtsorte in Betracht — die Stadt Wien selbst, die Orte gegen den Spitz und die unterhalb Enzersdorfs. Nachdem sie den ersten Schreck überwunden, ihre unbesonnene Flucht eingestellt, vernünftig das Wichtigste aus ihrer transportablen Habe gewählt hatten, verließen sie gegen Westen und Osten das Dorf. Feitsinger schickte auch die Seinen weg, wollte ihnen folgen, bis die Säumigsten abgezogen waren. Nach etlichen Stunden wurden die Straßen still, und er ging durch sie aus Pflichtgefühl, und weil er sie, die lieben, vertrauten, noch einmal sehen mußte. In der Bodenzeile, der heutigen Lobaugasse, stieß er auf mehrere Familien, die ihre bepackten Wagen wieder abluden: Die Leute konnten nicht fort, wollten in der Nähe ihres Vaterhauses und ihrer gelb werdenden Kornfelder ausharren, in ihren Kellern Schutz suchen. In den großen Rübenkellern. Zwangsmittel fehlten Feitsinger. Hätte er sie denn gebraucht, wenn sie ihm zur Verfügung gestanden wären? Er hatte doch eben selbst schweren Herzens Abschied genommen, als er durch die Straßen ging. Er beriet sogleich in seiner umsichtigen Art die Dableibenden, erinnerte sie an alles Notwendige für ein sicherlich mehrtägiges Leben in der Erde. Damit hatte er auch über sich entschieden: nimmer durfte er jetzt Aspern verlassen! Aber er wollte in seinem eigenen Keller unterschlüpfen; die andern hatten genug für sich zu sorgen, es waren ja Greise und Kinder dabei. Auf dem Nachhauseweg, schon bald vor der Feldgasse, umstanden ihn plötzlich einige Soldaten, Franzosen. Der Korporal fragte ihn nach dem Ortsrichter und verhaftete ihn, als er sich zu erkennen gab. Feitsinger versuchte keinen Protest. Aus Klugheit, und dann war er voll Verwunderung über die schnellen Feinde und voll Gedanken, was nun in Aspern geschehen werde. Die Eskorte führte ihn in die Lobau. Tief hinein, wo die scheuen Reiher nisten. Auf einer Wiese lagerten Offiziere. Einen von ihnen hatte Feitsinger irgendwo gesehen. Aber wo? Auf einem Bild! Und er hob den Kopf vor Napoleon. Der Kaiser bestimmte den nächsten Offizier, den Ortsrichter von Aspern auszufragen, er wollte wissen, ob österreichische Truppen im Orte seien. Feitsinger konnte nicht lügen, aber schadete er nicht mit der Wahrheit? Er hatte mit Militärischem nie zu tun; schwer fiel ihm die Beurteilung, welche Folgen seine Aussage haben könnte. Er rang mit sich um die richtige Antwort — den Aspernern hatte die Wahrheit noch immer genützt und auch Oesterreich, so sagte er: „Nirgends steht nur ein Soldat." Napoleon genügte es, in und um Aspern keine „Kaiserliks" zu wissen, und die Korporalschaft nahm Feitsinger wieder in ihre Mitte und führte ihn ab. Zurück. Vor dem Dorfeingang verließen ihn die Grenadiere. Allein zog er in Aspern ein, bange um die Leute in der Bodenzeile, denn wie leicht konnten sie entdeckt worden sein; aber die hatten sich längst in ihre Keller versteckt. Wie still standen die leeren Häuser, wie merkwürdig dunkel sahen die Fenster in die Straße! Aus einem Dach brach ein Schein. Entsetzt starrte Feitsinger auf die züngelnden Flammen, und fassungslos sah er Gleiches auf einem anderm Haus. Wer hat zu Aspern Feuer gelegt? In ein Gassel huschten blaue Gestalten, mit hohen Tschakos und langen, roten Pinseln darauf! Er ballte den sengenden Feinden die Faust nach, wankte beim nächsten Schritt, weil er wie ein Gefesselter dem allen zuschauen mußte. Wie er in seinen Keller gekommen, wußte er sich später nicht zu erinnern. Bei einem armseligen Oellicht tatenlos zu sitzen, regt zum Sinnen an, auch wenn man nicht unmittelbar vorher Dinge erlebte, die einem ganz und gar unklar sind und nahe gehen; Feitsinger wußte, was die Evakuierung bedeutete, er kannte nun auch den Feind, doch die Zusammenhänge wollten ihm nicht einleuchten Auch nicht, als ober ihm die ersten Schüsse fielen. So erlebte er die Schlacht besonders furchtbar, denn er mußte erst an sie glauben. Zwei Tage währte der Kampf. Mehrmals wollte die Hölle da oben den Keller durchbrechen. Als die Kanonaden aufhörten, es still blieb und Feitsinger sich überzeugt hatte, daß es nicht Nacht, sondern sonniger Tag sei, wagte er sich herauf. Aber er stürmte nicht in diese helle Ruhe, er kam sich zu beschenkt vor. Erst der Anblick der Verwüstungen ringsum, der brandschwarzen, geborstenen Baulichkeiten jagte ihn auf die Gasse. Sie sah noch schrecklicher aus als sein Hof. Tränen traten in seine Augen — er sah nicht nur das zerschlagene Aspern, er dachte an die zerstampften Felder und Wiesen, an die vernichtete Ernte. Aber Feitsinger war ein rechter Bauersmann; gleich dachte er ans Aufbauen, aus Wiederbesserwerden. Und die zurückgebliebenen Leute von der Bodenzeile unterschieden sich in dem nicht vom Gemeindehaupt, ganz und gar nicht trostlos traten sie diesem entgegen. So erfuhren sie mit starker Seele den Sieg und konnten jubeln, nicht wie Obdachlose. Schon am nächsten Tage kamen die Flüchtlinge zurück, die in der Umgegend geblieben waren, ihnen folgten rasch jene wenigen aus Wien und den Dörfern am Bisamberg. Wer sollte das voreilig gefunden haben, war ihnen allen nicht gleich bange um die Heimat? Natürlich wollten die Leute unter ihr Dach kommen. Die Schwächsten dachten nicht an die Plage. Wenige hatten aber überlegt, welch schweres, augenblicklich aussichtsloses Beginnen das Wiederaufbauen wäre, mangelte es doch an jedem Werkzeug und Material. Feitsinger wies die Asperner an, Notbauten, Baracken, aufzuführen. Und die zur Beobachtung des in die Lobau retirierenden Feindes gebliebene kleine Infanterietruppe half dabei wacker mit. Dann war Feitsingers Sorge das Brot. Eine fremde Sorge war das — bauten, vermahlten und gaben sie es doch seit je den andern. Auch den Hunger half er schließlich mit Hilfe Rechtschaffener stillen. Eines Nachmittags, Feitsinger stand gerade auf der Straße, denn noch befand sich draußen alles, meldete ihm ein Feldwebel, daß man ihn im Hauptquartier verlange. Erzherzog Karl hatte es nach Breitenlee verlegt. Unverzüglich machte sich Feitsinger auf den Weg in das etwa eine halbe Stunde entfernte, nördlich gelegene Dorf. Während dieses Ganges mußte er sich ja auch fragen, weshalb man ihn zitiere, aber er tat ihn gern, er dachte: das Kommende kann nur besser werden, der Prinz Karl ist schon mehr als ein Kriegsherr .... Nun, der Ortsrichter von Aspern wurde vor einen Generalmajor geführt. Der sprach ihn rauh an wegen der nicht exakt durchgeführten Evakuierung, wegen der Aufnahme der zurückgekehrten Flüchtlinge, wegen des kindischen Bauens vor den feindlichen Kanonenrohren. Feitsinger spürte eine Anklage. Er leugnete nicht, blieb der einzig Verantwortungsvolle und erklärte dem hohen Offizier, wie die Asperner einmal sind, redete recht eindringlich von ihrer Liebe zum Dorf und ihrem unerschütterlichen Gottvertrauen. Der General, der eine neue, durch militärische Assistenz bewerkstelligte Evakuierung beschlossen hatte, ließ sich umstimmen, gab sich mit dem vorhandenen Kellerschutz zufrieden. Es kam wirklich zu keiner Schlacht mehr. Als sie die Kanonen noch einmal tödlich erschreckten, ging es um Wagram. Das mannhafte Auftreten Feitsingers im erzherzoglichen Hauptquartier sowie seine weiteren Verdienste um den Wiederaufbau Asperns bestimmten den Kaiser, ihn mit der goldenen Ehrenmedaille auszuzeichnen. Der bescheidene Mann trug die gar nicht so häufige Dekoration nur einmal. An dem Tag, an dem er sie erhielt. Aspern stand ja wieder schmuck da inmitten von goldenem Korn....

Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: www.nikles.net, Sammlung A. Rother, Wiener Zeitung vom 12.12.1848, Seite 1, Wiener Zeitung vom 23.12.1849, Seite 15, Die Neue Zeitung vom 20.5.1909, Seite 10, Wiener Zeitung vom 13.8.1911, Seite 7, Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) vom 22.5.1938, Seite 25.



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