Cookie Consent by Privacy Policies Generator website

Die Bundeshauptstadt

Person - Joseph Christ von Ehrenblüh

Joseph Christ von Ehrenblüh, Maria-Theresien-Ritter, k.k. Oberst des 3. Artillerie-Regiments, * 1770 in Wien, † 30.12.1841 in Wien im 72. LJ., Bestattungsdatum: 01.01.1842.

Verheiratet mit Anna Freiin Christ von Ehrenblüh, k.k. Obersten-Witwe, † 12.03.1862, 78 Jahre, Landstraße 481.

Verwandschaft: Sohn ? Alexander Christ von Ehrenblüh, Rittmeister, 1805-1873.

Joseph Christ Freiherr von Ehrenblüh trat am 24. April 1783 als Tambour in's zweite Feld-Artillerieregiment; im Mai 1790 zum Bombardiercorps übersetzt, rückte er bis zum Jahre 1797 zum Feuerwerker vor. Als im Golfo di Spezia – im August 1799 – die Stadt Venere, und mehrere benachbarte Forts bereits gefallen waren, blieb nur noch das Fort Sta. Maria übrig, welches Oberst Oraskowich beschießen ließ. Bei dieser Gelegenheit zeichnete sich der Feuerwerker Christ aus, der mit rastloser Thätigkeit nicht nur bei dem Batterienbaue auf felsigem Gebirge seltene Energie bewies, sondern bei dem Mangel brauchbaren Geschützes die vorgefundenen vernagelten Kanonen ausbohren, die zertrümmerten Lafetten zusammensetzen und repariren, und ein und das andere stückweise durch Menschen und Thiere auf die hohen Felsenrücken aufziehen ließ. Christ erhielt hierfür im April 1800 die goldene Militär-Tapferkeitsmedaille, rückte mit 11. Febr. 1803 zum Oberfeuerwerker vor, und ward mit 18. Sept. 1805 als Unterlieutenant zum ersten Feld-Artillerie-Regimente übersetzt. Im Jahre 1805 stand Christ bei der Armee in Italien, und zeichnete sich bei den Gärten jenseits der Brenta am 4. November aus. Er commandirte eine Cavalleriebatterie von vier sechsbändigen Kanonen und zwei siebenpfündigen Haubitzen. Die Stellung, die er erhalten hatte, nützte in der Situation wenig; ohne einen Befehl abzuwarten, rückte er selbst in das erste Treffen, wodurch er in den Stand gesetzt wurde, den Feind energisch zu beschießen und den Rückzug der Seinigen zu unterstützen. Als auch eine feindliche reitende Batterie mit neun Geschützen erschien, und durch ihr mörderisches Feuer die zum Abwerfen der Brücke in Bereitschaft stehenden Kroaten an der Ausführung dieses Vorhabens hindern wollte, da richtete Christ seine sechs Geschütze gegen die heftig eindringende feindliche Infanterie und beschoß dieselbe mit Kartätschen, feuerte seine Artillerie-Mannschaft, gegen welche der Feind sein Geschützfeuer richtete, zur größten Standhaftigkeit und Thätigkeit an, sprang dann vom Pferde und brachte die bereits wankend gewordenen Kroaten durch sein Beispiel und seine Ansprache zum Stehen, ließ alle Pfosten der Brücke abreißen und in den Fluß werfen, wodurch der Uebergang des Feindes über die Brenta vereitelt wurde. Christ wandte sich hierauf wieder zu seinen Geschützen, fand die nächst der Brücke stehende Haubitze durch das heftige Feuer des Feindes von Mannschaft entblößt, übernahm dabei die Vormeistersstelle, ließ durch die übrigen 5 Geschütze immer eine Kanone des Feindes beschießen, so daß der Feind zum Rückzuge gezwungen wurde; dann wurde die Brücke abgetragen. Mit Tagesanbruch ging er über die Piave, zerstörte dann die Pontonbrücke daselbst, übernahm die Zerstörung der Jochbrücke über den Tagliamento am 8. freiwillig, welche er bis an die Oberfläche des Wassers abbrannte. Den zweiten Tag erschien die mehrere tausend Mann starke feindliche Cavallerie, welche beim Uebersetzen durch den Fluß namhafte Verluste erlitt. Im Jahre 1809 beim Reservecorps des Generals der Cavallerie Fürst Liechtenstein, hatte er mit seiner Cavalleriebatterie in der Schlacht bei Aspern den Feind sieben Mal angegriffen und seiner Cavallerie so viel Schaden zugefügt, daß sie sich zurückziehen mußte. Als am 22. Eßlingen von allen Seiten mit Sturm angegriffen werden sollte, und die attaquirende Infanterie im Augenblicke des Sturmes nur drei Kanonen hatte, bot sich Christ freiwillig an, den Angriff der Infanterie zu unterstützen, führte seine 11/2 Batterien unter Jubelgeschrei der durch seine Ansprache entflammten Bedienungsmannschaft in die nächste Nähe des Ortes, und durch trefflich angebrachtes Kartätschenfeuer fügte er dem Feinde so großen Schaden zu, daß die Infanterie bereits theilweise in das Dorf einzudringen vermochte. Als diese vom übermächtigen Feinde wieder zurückgeworfen wurden, ließ Christ mitten im heftigsten feindlichen Feuer seine Batterie stehen, und vereitelte durch ein unausgesetztes Kartätschenfeuer dem Feinde das Verfolgen der österreichischen Infanterie. In den Tagen der Schlacht von Deutsch-Wagram (5.–6. Juli) befehligte Christ eine Cavalleriebatterie von 6 Geschützen bei dem Corps des FML. Grafen Bellegarde, und hatte am Vormittag des 6. schon 5 Mal mit dem besten Erfolge die feindliche Cavallerie angegriffen. Als durch das immer heftigere Andringen des Feindes am 6. Nachmittags der linke Flügel des I. Armeecorps wirklich schon zu weichen anfing, ließ Christ seine Batterie bis auf 400 Schritte an den Feind führen, und ein heftiges, gut angebrachtes Kartätschenfeuer vereitelte ein weiteres Vordringen des Gegners, und verschaffte den geworfenen Truppen Gelegenheit, sich zu sammeln, um in der größten Ordnung den Rückzug antreten zu können. Christ erhielt für seine Waffenthaten in der Folge (am 10. März 1810) das Ritterkreuz des Maria Theresienordens, rückte mit 11. Juli 1809 zum Oberlieutenant vor, und ward im August 1810 in den österreichischen Freiherrnstand mit dem Prädikate von Ehrenblüh erhoben. Nachdem er sich auch in den Feldzügen von 1813, 1814 u. 1815 hervorgethan, ward er im Febr. 1815 Kapitänlieutenant, im Mai 1816 wirkt. Hauptmann bei dem 4. Feld-Art.-Reg., am 26. Febr. 1826 Major im Regimente, am 31. März 1834 Oberstlieut. bei dem 5. Feld-Art.-Reg., und im Aug. 1835 Oberst und Regimentscommandant des 2. Feld-Artillerie-Reg., als welcher er im Alter von 67 Jahren starb.

Wappen: Ein quergetheilter Schild. In der oberen blauen Hälfte ein geharnischter Mann, in den oberen Winkeln rechts eine strahlende Sonne links ein linksgekehrter Mond. Auf der Sturmhaube eine rothe Feder, in der rechten Hand ein zum Streit gerichtetes Schwert, die Linke in die Seite gestützt. In der unteren silbernen Hälfte auf grünem Grunde drei blühende Kornähren, über ihnen ein Lorbeerkranz.

Wiener Zeitung vom 26.1.1811, Seite 1: Erhebung der Familie Christ in den Adelsstand Wien. Se. kaistrl. königl. apostol Majestät haben allergnadigst geruhet, den Marien Theresien Ordensritter, Joseph Christ, Rittmeister vom 3. Feld-Artillerie-Regimente, wegen seiner vorzüglichen Verdienste vor dem Feinde, in den erbländischen Freyherrenstand mit dem Prädicat: „von Ehrenblüh", für sich und seine eheliche Nachkommenschaft taxfrey zu erheben.

Wiener Zeitung vom 31.7.1839, Seite 6: Heute Mittwoch den 31 Julius 1839 wird in Lindenbauer's Casino in Simmering zum Besten der verunglückten Abgebrannten, daselbst auf Veranstaltung des Freyherrn Joseph Christ von Ehrenblüh, Oberst und Commandant des k. k. General-Major Mandl zweyten Feld-Artillerie-Regiments, eine große Nachmittags-Converstaion Statt finden, wobey das ganze Musik-Corps des obenangeführten Regiments, unter der Leitung seines Capellmeisters Herrn Joseph Dobihal, die vorzüglichsten Musikpiecen zur Aufführung bringen wird. Die edlen Bewohner Wiens, ihres Wohlthätigkeitssinnes wegen nur zu sehr bekannt, werden hiermit zu solchem gemeinnützig Zwecke freundlichst eingeladen, wie auch sämmtliche Mitwirkenden ihre Leistung, so wie Herr Lindenbauer die Bestreitung aller übrigen Auslagen bereitwilligst übernommen haben. Besondere Beyträge werden auf Verlangen quittirt. Eintritt 12 kr. C.M. Anfang um 5 Uhr. Freybillets sind ungültig. Bey ungünstiger Witterung findet die Conversation in beyden Sälen Statt. Andreas Lindenbauer.

Der Wanderer vom 6.1.1842, Seite 3: Wiener Ehreenspiegel. Am 30. December v. J. verschied in Folge längerer Leberleiden der verdienstvolle Herr Oberst und Commandant des hier garnisonirenden zweiten Feld-Artillerie-Regiments, Freiherr Christ von Ehrenblüh, im 72. Jahre seines Alters, und somit haben der Staat und die Armee abermals einen ausgezeichneten Mann verloren. - Schon in den untern Chargen hatte der Verblichene auf blutigem Schlachtfelde sich die goldene Tapferkeits-Medaille erworben; als Ober-Officier errang er durch ausgezeichneten Heldenmuth das Kreuz des militarischen Marien-Theresien-Ordens - die höchste Zierde dee Kriegers. An der Schwelle zur Beförderung zum Generalsrange entriß ihn der Tod den auf seinen Besitz stolzen Reihen. Geehrt und geachtet von seinen Vorgesetzten, geliebt von seinen Untergebenen, gab sich die tiefe Trauer um seinen Verlust bei dem am 1. d. M., als dem Neujahrstage, um 1 Uhr Nachmittags Statt gehabten feierlichen Leichenbegängnisse kund. Ihre Excellenzen der Herr Hofkriegsraths-Präsident Graf von Hardegg, und der commandirende Herr General Baron von Wimpffen, so wie fast alle in Wien anwesenden Herren Generale, eine sehr große Anzahl von Stabs- und Ober-Officieren der Besatzung, nebst den Stadt- und Ober-Officieren des Bürger-Militärs, den Herrn Bürgermeister und Obersten Czapka an der Spitze, begleiteten nebst dem reglementsmäßigen militärischen Leichenconducte den Sarg des abgeschiedenen Helden. Möge er sanft in seinem von Lorbeern beschatteten Grabe ruhen! F. C. Manussi.

Wiener Zeitung vom 16.3.1862, Seite 20: Den 12. März. Anna Freiin Christ v. Ehrenblüh, k. k. Obersten-Witwe, 78 Jahr, Landstraße 481, Lungenlähmung.

Die Grabstelle befindet sich am St. Marxer Friedhof (Position 89).

Quelle: Text: Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausg. von J. Hirtenfeld und Dr. Meynert (Wien 1851) I. Bd. S. 698., Wikisource und www.nikles.net, Bilder: www.nikles.net, Wiener Zeitung vom 26.1.1811, Seite 1, Wiener Zeitung vom 31.7.1839, Seite 6, Der Wanderer vom 6.1.1842, Seite 3, Wiener Zeitung vom 16.3.1862, Seite 20.



Willkommen

Danke, dass Sie unsere Webseite ausgewählt haben. Wir freuen uns, Sie hier zu haben und möchten unser Wissen mit Ihnen teilen. Sie können uns gerne zu verschiedenen Themen unter der Email office@nikles.net schreiben. Wir ant­worten in der Regel innerhalb eines Tages.
Die meisten Bilddateien sind aus eigener Quelle und können auf Anfrage kostenlos für eigene Webseiten verwendet werden. Auf Wunsch auch in höherer Auflösung.

Kontakt

Günter Nikles
Josef Reichl-Str. 17a/7
7540 Güssing
Austria

Email: office@nikles.net
Website: www.nikles.net