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Die Bundeshauptstadt

Person - Franz Vogl

Franz Vogl (* 04.04.1861 in Wien; † 23.12.1921 ebenda, Bestattungsdatum: 27.12.1921) war ein österreichischer Bildhauer.

Leben: Vogl studierte von 1879 bis 1882 an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sein bekanntestes Werk ist das Ferdinand Raimund-Denkmal vor dem Deutschen Volkstheater. Dieses Denkmal wurde am 1. Juni 1898 in Anwesenheit von Erzherzog Otto von Österreich enthüllt, heute steht es im Weghuberpark neben dem Theater. Vogl schuf auch den Bacchuszug am Giebelfeld des Volkstheaters, dieser Fries wurde 1938 entfernt. Außerdem schuf er Grabdenkmäler für den Wiener Zentralfriedhof und den Hietzinger Friedhof, sowie Figurenschmuck für Theaterbauten außerhalb Wiens (Berlin, Odessa, Prag, Zürich). Im Schlosspark Laxenburg bei Wien restaurierte er die drei zur Anlage gehörenden Delphinskulpturen.

Ein vorgeschlagener Auftrag für die ornamentalen Bildhauerarbeiten des neuen Hochaltars der Michaelerkirche an Vogl wurde vom Klosterkollegium der Barnabiten im März 1881 abgelehnt und ein Kollege Vogls, Benedikt Henrici, damit betraut.

Franz Vogl liegt auf dem Gersthofer Friedhof in einem ehrenhalber gewidmeten Grab (Gruppe: 1, Reihe: 11, Nummer: 3).

Werke (Auswahl):
Grabdenkmal für den Komponisten Anton Rückauf, Wien, Zentralfriedhof (32A,12)
Ferdinand Raimund-Denkmal im Wiener Weghuberpark
Lutherdenkmal in Bielsko-Biala (Bielitz, 1900)
Bacchuszug am Giebelfeld des Wiener Volkstheaters (1938 entfernt)
Plastiken mit der Darstellung von Engeln an den Türmen der Borromäuskirche am Wienerwald

Das Vaterland vom 2.6.1898, Seite 1: Die Enthüllung des Raimund-Denkmales. Wien ist wieder um ein Standbild reicher geworden. Vor dem Deutschen Volkstheater — merkwürdigerweise gerade vor jenem Wiener Theater, welches Raimund bisher stark vernachlässigt und fast ausschließlich Anzengruber's und anderer, auch fremdländischer Autoren Stücke aufgeführt hat — erhebt sich seit heute ein Denkmal für Ferdinand Raimund. .. Beim Raimund-Theater, das sich die Pflege der Raimund'schen Stücke zur besonderen Aufgabe gestellt hat, ist kein Platz für das Denkmal, die zahlreichen Verehrer Raimund's sind daher froh, daß sie für das Denkmal das hübsche Plätzchen vor dem Deutschen Volkstheater erobert haben und sie hegen auch noch die stille Hoffnung, daß die Direction des Deutschen Volkstheaters jetzt, wo Raimund sozusagen mahnend vor ihrer Thüre sitzt, sich öfter als bisher seiner Werke erinnern wird. Die Enthüllungsfeier vollzog sich ohne viel festlichen Prunk, aber unter großer Theilnahme der Wiener Bevölkerung, die den Platz vor dem Theater im weiten Umkreise dicht besetzt hielt. Selbst ein starker Sprühregen, der gerade bei Beginn der Feier niederging, vermochte die Menge nicht zum Weichen zu bringen. Der Festplatz war mit bunten Wimpeln und Reisiggewinden geschmückt; auch das Theater und die großen, fünf Stockwerke hohen Häuser ringsum trugen Fahnen- und Blumenschmuck. Vor dem mit weißen Tüchern verhängten Denkmal erhob sich ein Festzelt; links stand der Männergesangverein, rechts die Deutschmeistercapelle. Einer der Ersten am Platze war der Präsident des Denkmalcomites, Herrenhausmitglied Nikolaus Dumba: dann kamen in rascher Aufeinanderfolge der Herr Statthalter Graf Kielmansegg, Generalintendant Frhr. v. Plappart, Landmarschall Frhr. v. Gudenus, Polizeipräsident Habrda, Bürgermeister Dr. Lueger, zahlreiche Schriftsteller und Künstler, Abordnungen der Wiener Bühnen ec. Punct 3 Uhr fuhr Se. k. Hoheit der Herr Erzherzog Otto in Begleitung des Obersthofmeisters GM. Frhrn. v. Dlauhowesky vor und begab sich unter den Klängen der Volkshymne in das Festzelt, wo ihn Herr Dumba ehrfurchtsvoll begrüßte. In demselben Augenblicke wurden die Hüllen des Denkmals langsam niedergelassen und der Männergesangverein intonirte unter Leitung des Componisten Perger's „Festgesang". Das in weißem Marmor aufgebaute Denkmal zeigt uns Raimund in nachlässiger Haltung und vor sich hinträumend auf einer Bank sitzend; hinter der Bank erhebt sich ein Felsen, über den eine in weite Gewänder gehüllte Frauengestalt, einen goldenen Zauberstab in der Hand, einen funkelnden Stern über der Stirne — die Phantasie — auf den Dichter herabsieht. An der Figur Raimund's fällt wohl zuerst eine gewisse Aehnlichkeit mit Girardi auf; nur die Füße scheinen selbst für Herrn Girardi doch etwas zu lang ausgefallen zu sein. Die Gestält der Raimund'schen Phantasie haben sich Viele vielleicht auch nicht so stark, sondern anmuthiger vorgestellt — etwa wie vor Jahren Fräulein Leuthold im Raimund-Theater oder wie Fräulein Retty jetzt im Volkstheater in dieser Rolle. Doch diese kleinen Mängel verschwinden, wenn man den Gesammteindruck des Denkmales auf sich wirken läßt, der in jeder Hinsicht ein überaus freundlicher, gemüthvoller ist. Ausdrücklich sei noch die decente Darstellung der „Phantasie" hervorgehoben, die für ähnliche öffentliche Denkmäler als Muster gelten könnte. Vor dem enthüllten Denkmal stellte Herr Dumba dem Erzherzog Otto die Mitglieder des Denkmalcomites und den Schöpfer des schönen Denkmals, Bildhauer Franz Vogl, vor und hielt dann eine Ansprache, in welcher er in erster Linie Sr. Majestät dem Kaiser und Allen, welche an dem Zustandekommen des Denkmals mitgewirkt haben, dankte und das Monument der Obsorge der Gemeinde Wien empfahl. Bürgermeister Dr. Lueger versicherte, daß jeder Wiener dieses Denkmal stets in Ehren halten werde und ihm als Bürgermeister mache es eine besondere Freude, das Denkmal in die Obhut nehmen zu können. Sodann ergriff Herr Dumba abermals das Wort, um dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Otto im Namen des Comites den ehrerbietigen Dank für seine Anwesenheit auszusprechen. Der Erzherzog begab sich dann, gefolgt von den Festgästen, zu dem Denkmal, an dessen Stufen Hofschauspieler Lewinsky mit weithin tönender Stimme Raimund's Gedicht „An Gutenstein" vortrug. Lauter Beifall lohnte den ausgezeichneten Sprecher, den der Herr Erzherzog mit einer Ansprache beehrte. Nachdem der Herr Erzherzog noch andere Persönlichkeiten, darunter Dr. Lueger, die Schauspieler Sonnenthal und Girardi und Concertdirector v. Perger ins Gespräch gezogen, verließ er unter den Klängen der Volkshymne den Festplatz. Die Abordnungen der Wiener Bühnen, der Gemeinde Gutenstein, ec. schmückten das Denkmal mit prächtigen Kränzen, womit die Feier ihr Ende fand.

Neues Wiener Journal vom 28.12.1921, Seite 6: (Der Schöpfer des Raimund-Denkmals gestorben.) Im 61. Lebensjahr ist am Freitag den 23. d. M. Bildhauer Franz Vogl, der Schöpfer des Raimund-Denkmals, nach schwerem Leiden gestorben. Vogl war ein Künstler von bodenständigem Wiener Stil. Alles was er schuf trug den Charakter anmutiger musikalischer Linie und harmonischer Formgebung. Er ging aus der Schule Hellmers und Weyers hervor und nie verleugnete er die künstlerische Kultur, die er von den beiden Meistern empfing. Im Raimund-Denkmal gelang es ihm ganz, das Sinnreiche in der Poesie des genialen Volksdichters zum Ausdruck zu bringen. Auch der schwungvolle Bocchuszug im Giebelfeld der Volkstheaterfassade rührt von ihm her. Weitere künstlerische Arbeiten lieferte er für das Züricher Stadttheater und das Berliner Theater unter den Linden.

Weiters im Grab bestattet:
Therese Vogl, * 22.07.1860, † 20.12.1934, Bestattungsdatum: 22.12.1934

Quelle: Dieser Text basiert auf dem Artikel Franz_Vogl_(Bildhauer,_1861) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 4.0 (Text erweitert). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Bilder: www.nikles.net, Das Vaterland vom 2.6.1898, Seite 1, Neues Wiener Journal vom 28.12.1921, Seite 6.



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