07. Bezirk - Ferdinand-Raimund-Denkmal
Das Ferdinand-Raimund-Denkmal befindet sich im Weghuberpark, vor dem
Palais Trautson, im 7. Bezirk
Neubau.
Die Fotos zeigen das im digitalen Kulturgüterverzeichnis der Gemeinde Wien (Österreich) unter der Nummer 43384 aufgeführte Objekt.
Ferdinand Raimund eigentlich Ferdinand Jakob Raimann (* 1. Juni 1790 in Wien-Mariahilf; † 5. September 1836 in Pottenstein) war ein österreichischer Schauspieler und Dramatiker. Gemeinsam mit Johann Nestroy war er Hauptvertreter des Alt-Wiener Volkstheaters.
Das Denkmal wurde vom österreichischen Bildhauer
Franz Vogl (* 4. April 1861 in Wien; † 23. Dezember 1921 ebenda) geschaffen. Die Enthüllung erfolgte am 1. Juni 1898.
Das Vaterland vom 2.6.1898, Seite 1:
Die Enthüllung des Raimund-Denkmales.
Wien ist wieder um ein Standbild reicher geworden.
Vor dem Deutschen
Volkstheater - merkwürdigerweise
gerade vor jenem Wiener Theater, welches Raimund
bisher stark vernachlässigt und fast ausschließlich
Anzengruber's
und anderer, auch fremdländischer Autoren Stücke
aufgeführt hat - erhebt sich seit heute ein Denkmal für
Ferdinand Raimund. .. Beim
Raimund-Theater, das sich
die Pflege der Raimund'schen Stücke zur besonderen Aufgabe
gestellt hat, ist kein Platz für das Denkmal, die
zahlreichen Verehrer Raimund's sind daher froh, daß sie
für das Denkmal das hübsche Plätzchen vor dem Deutschen
Volkstheater erobert haben und sie hegen auch noch die
stille Hoffnung, daß die Direction des Deutschen Volkstheaters
jetzt, wo
Raimund sozusagen mahnend vor ihrer
Thüre sitzt, sich öfter als bisher seiner Werke erinnern wird.
Die Enthüllungsfeier vollzog sich ohne viel festlichen
Prunk, aber unter großer Theilnahme der Wiener Bevölkerung,
die den Platz vor dem Theater im weiten
Umkreise dicht besetzt hielt. Selbst ein starker Sprühregen,
der gerade bei Beginn der Feier niederging, vermochte
die Menge nicht zum Weichen zu bringen. Der Festplatz
war mit bunten Wimpeln und Reisiggewinden geschmückt;
auch das Theater und die großen, fünf Stockwerke
hohen Häuser ringsum trugen Fahnen- und Blumenschmuck.
Vor dem mit weißen Tüchern verhängten
Denkmal erhob sich ein Festzelt; links stand der Männergesangverein,
rechts die Deutschmeistercapelle. Einer der
Ersten am Platze war der Präsident des Denkmalcomites,
Herrenhausmitglied Nikolaus Dumba: dann kamen in
rascher Aufeinanderfolge der Herr Statthalter Graf
Kielmansegg, Generalintendant Frhr. v. Plappart,
Landmarschall Frhr. v. Gudenus, Polizeipräsident Habrda,
Bürgermeister
Dr. Lueger, zahlreiche Schriftsteller und
Künstler, Abordnungen der Wiener Bühnen ec. Punct
3 Uhr fuhr Se. k. Hoheit der Herr Erzherzog Otto in
Begleitung des Obersthofmeisters GM. Frhrn. v. Dlauhowesky
vor und begab sich unter den Klängen der Volkshymne
in das Festzelt, wo ihn Herr Dumba ehrfurchtsvoll
begrüßte. In demselben Augenblicke wurden die Hüllen
des Denkmals langsam niedergelassen und der Männergesangverein
intonirte unter Leitung des Componisten
Perger's „Festgesang".
Das in weißem Marmor aufgebaute Denkmal zeigt
uns
Raimund in nachlässiger Haltung und vor sich hinträumend
auf einer Bank sitzend; hinter der Bank erhebt
sich ein Felsen, über den eine in weite Gewänder gehüllte
Frauengestalt, einen goldenen Zauberstab in der Hand,
einen funkelnden Stern über der Stirne - die Phantasie -
auf den Dichter herabsieht. An der Figur
Raimund's fällt wohl zuerst eine gewisse Aehnlichkeit mit
Girardi auf; nur die Füße scheinen selbst für Herrn
Girardi doch etwas zu lang ausgefallen zu sein. Die
Gestält der Raimund'schen Phantasie haben sich Viele
vielleicht auch nicht so stark, sondern anmuthiger vorgestellt
- etwa wie vor Jahren Fräulein Leuthold im
Raimund-Theater oder wie Fräulein Retty jetzt im
Volkstheater
in dieser Rolle. Doch diese kleinen Mängel verschwinden,
wenn man den Gesammteindruck des Denkmales
auf sich wirken läßt, der in jeder Hinsicht ein überaus
freundlicher, gemüthvoller ist. Ausdrücklich sei noch die
decente Darstellung der „Phantasie" hervorgehoben, die
für ähnliche öffentliche Denkmäler als Muster gelten könnte.
Vor dem enthüllten Denkmal stellte Herr Dumba
dem Erzherzog Otto die Mitglieder des Denkmalcomites
und den Schöpfer des schönen Denkmals, Bildhauer
Franz Vogl, vor und hielt dann eine Ansprache, in
welcher er in erster Linie Sr. Majestät dem Kaiser
und Allen, welche an dem Zustandekommen des Denkmals
mitgewirkt haben, dankte und das Monument der Obsorge
der Gemeinde Wien empfahl. Bürgermeister
Dr. Lueger
versicherte, daß jeder Wiener dieses Denkmal stets in
Ehren halten werde und ihm als Bürgermeister mache es
eine besondere Freude, das Denkmal in die Obhut nehmen
zu können. Sodann ergriff Herr Dumba abermals das
Wort, um dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Otto
im Namen des Comites den ehrerbietigen Dank für seine
Anwesenheit auszusprechen. Der Erzherzog begab sich
dann, gefolgt von den Festgästen, zu dem Denkmal, an
dessen Stufen Hofschauspieler Lewinsky mit weithin
tönender Stimme Raimund's Gedicht „An Gutenstein" vortrug.
Lauter Beifall lohnte den ausgezeichneten Sprecher, den
der Herr Erzherzog mit einer Ansprache beehrte. Nachdem der
Herr Erzherzog noch andere Persönlichkeiten, darunter
Dr. Lueger, die Schauspieler Sonnenthal und Girardi
und Concertdirector v. Perger ins Gespräch gezogen,
verließ er unter den Klängen der Volkshymne den Festplatz.
Die Abordnungen der Wiener Bühnen, der Gemeinde
Gutenstein, ec. schmückten das Denkmal mit prächtigen
Kränzen, womit die Feier ihr Ende fand.
Quelle: Dieser Text basiert auf dem Artikel
Ferdinand_Raimund aus der freien Enzyklopädie
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Bilder: www.nikles.net,
Das Vaterland vom 2.6.1898, Seite 1,
Neues Wiener Journal vom 28.12.1921, Seite 6.