Person - Elise von Szathmáry
Elise von Szathmáry, geb. Zöllner, Schauspielerin, Sängerin, Mitglied des Treumann-Theaters, * 1810 in Pest, † 11.11.1862 in Lemberg, eher in Wien, Bestattungsdatum: 13.11.1862.
Leben: Elisabeth Szathmáry war eine Tochter des seinerzeit beliebten Komikers, Schauspielers und späteren Direktor des städt. Theaters in Ofen,
Philipp Zöllner (* 07.09.1785 in Pest, † nach 1852 in Wien).
Bereits 1828, also mit 18 Jahren, spielt sie in dem gern gesehenen Theaterstück
"Entführung der Prinzessin Europa" und in der "Schwarzen Frau" am Theater in
Pest (
Ungarn).
Sie zeichnete sich in besonderer Weise vor ihren übrigen Geschwistern, Zöllner, Haller und Raab,
welche zuletzt gemeinsam mit ihr am Quai-Theater, (auch Treumann-Theater, Theater am Franz-Josefs-Kai) engagiert waren, aus.
Sie begann ihre Karriere als Lokalsängerin, spielte auf verschiedenen Provinztheatern, wie z.B. in Preßburg, Lemberg, Graz,
kam später nach Wien, wo sie zuerst im
Theater an der Wien auftrat.
Im Jahr 1857 wurde sie für das
Carltheater engagiert, an welchem sie bis 1860 verblieb,
worauf sie gemeinsam mit dem Direktor Treumann in das neue Quai-Theater (1., Franz-Josefs-Quai 19, ab 1888: Morzinplatz 4) überging.
In früheren Jahren gefiel sie durch ihr munteres Wesen und ihren für das komische Fach gut geschulten Gesang;
später spielte sie die Rollen der komischen Alten und war in stark überzeichneten Rollen sehr wirksam und beliebt.
Nach Beginn ihrer Krankheit konnte die gern gesehene Darstellerin ihren Beruf nicht mehr ausüben und starb in jungen Jahren.
Eine Unterscheidung, welche der Geschwister gemeint war, ist nicht leicht,
da meistens das "Frl. Zöllner" in den Mitteilungen und Inseraten steht.
Geschwister:
Emma Zöllner, * 30.11.1827 in
Budapest, † 11.11.1910 in Wien, österreichische Lokalsängerin und Soubrette.
Katharina (Friederike) Zöllner, wieder verh. Schnitzer ?, Witwe des Schauspieler Melchior, Schauspielerin, älteste Tochter.
Marie Raab, geb. Zöllner, Lokalsängerin in Prag, k. k. Hoftanzlehrers-Gattin, † 20.06.1886, 74 Jahre, 4. Mayerhofgasse 16.
Christine Ebell, geb. Zöllner, Gattin des Kapellmeisters Ebell in Ulm.
Josephine Haller, geb. Zöllner, Gattin des Komikers Haller, † 04.07.1864, 46 Jahre, 2., Praterstraße 25.
Ferdinand Zöllner, Schauspieler (Privatier, † 28.03.1917, 94 Jahre, 17., Pallfygasse 19 ?????).
Friedrich Zöllner, Schauspieler, Inspizient (technischer Dirigent).
Ein weiterer Bruder, Doktor der Medizin, Name nicht bekannt.
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 13.3.1828, Seite 3:
Aus
Pesth (Beschluß.)
»Regulus« und »Julius Cäsar« ward ebenfalls neu in die Scene
gesetzt. Der Collinischen Dichtung konnte man eine gerunderte
Darstellung nachsagen *) als dem brittischen Trauerspiele.
»Antonina della Roccinz,« Benefize-Vorstellung der Mad. Deny
versammelte ein zahlreiches Publikum; mehr läßt sich von dieser Rinaldiniade
nicht sagen. In der gern gesehenen »Entführung der
Prinzessinn Europa« und in der »schwarzen Frau« war Dem.
Elise
Zöllner, außer Mad. Raimund und Hrn. Zöllner, eine
freundliche Erscheinung. In der jungen Anfängerinn ruht Talent
und die Komik des Vaters. Nächstens soll die Darstellung des
»Hann-Sachs« zum Benefize der liebenswürdigen Künstlerinn, Dem.
Kondorussi, und die Oper »der Taucher« Statt finden. ...
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 8.6.1846, Seite 3:
Theater- Beobachter.
(Der Name Zöllner und dessen Geltung
in der Theaterwelt.) Selten wird ein Name in der Theaterwelt
so verbreitet sein, als der Name Zöllner, und seltener
noch wird eine Familie so viele wackere Kunstjünger aufzuweisen
haben, als ebendieselbe. Der neueste Wolfsche Theater-Almanach
weiset im Register eine namhafte Anzahl Zöllner aus, von denen
die meisten sich eines sehr ehrenvollen Rufes in der Theaterwelt
erfreuen. Der Aelteste dieses Namens ist Philipp Zöllner,
der dermalige Regisseur des
Theater an der Wien. Seine Leistungen
als erster Komiker durch eine lange Reihe von Jahren stehen
bei den Theaterfreunden Wiens,
Pesths und anderer Provinzial-Hauptstädte
im besten Andenken. Als Regisseur hat Ph. Zöllner
sich eben so trefflich erwiesen; denn er brachte zu diesem Geschäfte
Sachkenntniß, Geschmack, Ruhe und Besonnenheit mit. Seine
Leistungen in dieser Sphäre tragen alle den Stempel des wahren
Berufes an sich, und wenn wir je einen Kunstjünger kennen lernten,
der so zu sagen mit Leib und Seele seinem Berufe anhing, so
war es Ph. Zöllner. Sein umsichtiges Wirken gibt sich nicht
durch Geschrei, unnützes Lärmen und Charlatanerie kund, sondern
die Ordnung, in welcher er auch das größte Ensemble zu erhalten
weis, bezeichnet ihn als tüchtigen Regisseur. Seine zahlreiche Familie,
mit Ausnahme eines einzigen Sohnes, der Doctor der Medicin ist,
gehört der Bühne an, und viele bekannte und beliebte
Bühnenjünger sind darunter. Dessen älteste Tochter Katharina
Zöllner (Witwe des Shauspielers Melchior) ist als tragische
Schauspielerin bekannt, und erfreute sich in Preßburg, Wien u.
s. w. einer allgemeinen Beliebtheit. - Elise Zöllner (verehelichte v. Szathmary)
ist Localsängerin in Lemberg, in welcher
Stadt sie sehr beliebt ist. Den Wiener Theaterfreunden ist sie von
ihrem dreijährigen Engagement beim
Theater an der Wien bekannt,
in welchem sie neben Scholz und Nestroy wirkte. - “Marie
Zöllner (nunmehr Gattin des ständ. Tanzmeisters Raab) war
sieben Jahre in Prag als erste Localsängerin engagirt. Christine
Zöllner (Gattin des Capellmeisters Ebell in Ulm) ist Local-Sängerin,
und durch ihre Engagements bei verschiedenen Provinzialbühnen
bekannt, Josephine Zöllner (Gattin des Komikers
Haller) ist Schauspielerin. Emma Zöllner ist Localsängerin
am ständischen Theatter in Linz. Dessen Söhne Ferdinand und
Fridrich Zöllner sind als Schauspieler zu
Pesth und im Wiener
Josephstädter Theater engagirt. Letzterer ist zugleich Inspicient. -
Ein Bruder Philipp Zöllners ist der durch seine Engagements
zu Brünn, Ofen und Gratz als erster Komiker und Regisseur bekannte
und beliebte Anton Zöllner. - Wie lange der Name
Zöllner in der Theaterwelt schon bekannt sei, mag daraus abgenommen
werden, daß der Vater Anton und Philipp Zöllners,
nämlich Fridr. Zöllner, nachdem er die Direction des
Preßburger Theaters einige Zeit geführt hatte, sich nach
Pesth begab,
und daselbst bis zu seinem Tode volle 45 Jahre engagirt
war. Diese Familie hat sonach gewiß das Ihrige für die Theaterwelt
gethan, und verdient gewiß die Beliebtheit, deren sie sich erfreut.
Wiener Zeitung vom 11.11.1862, Seite 6:
Wegen Unpäßlichkeit des Frl. Zöllner wird die beliebte Operette
„Zehn Mädchen und kein Mann" im Treumanntheater während der nächsten
Tage ausgesetzt, und dafür Operetten von Offenbach gegeben werden. Als Frl.
Zöllner, deren Schwester Fr. v. Szathmary lebensgefährlich erkrankt ist, gestern
Abends in der bekannten Produktionsszene ihr Gedicht deklamiren sollte, ward
sie plötzlich von einem so heftigen Weinkrampf befallen, daß sie die Bühne
verlassen mußte.
Wiener Zeitung vom 13.11.1862, Seite 13:
Elisabeth Szathmary, Schauspielerin, Stadt, Hohen Markt 544, am 11. November um 1/2 5 Uhr Rachmittags.
Fremden-Blatt vom 13.11.1862, Seite 5:
Frau Elise Szathmary, Tochter des renommirten Komikers Philipp
Zöllner, welche vorgestern hier gestorben, war früher eine der beliebtesten Lokalsängerinen,
debutirte in Preßburg, Lemberg, Graz, am Wiedner Theater,
kam 1857 in das Engagement am
Carltheater, wo sie die komischen Mütter
und chargirten Rollen mit vielem Erfolge spielte; 1860 ging sie mit Treumann
in das Quai-Theater über. Das Leichenbegängniß findet heute statt. Die
Leiche wird um halb 2 Uhr Nachmittags in der Peterskirche eingesegnet und
dann auf dem
St. Marxer Friedhofe beerdigt.
Fremden-Blatt vom 14.11.1862, Seite 9:
Frau Elise Szathmary, schon längere Zeit durch Krankheit ihrem Berufe entfremdet,
ist vorgestern gestorben. Sie war die Tochter des
bekannten Komikers Philipp Zöllner, also Mitglied einer
reichbegabten Künstlerfamilie. Sie hegann ihre Laufbahn
als Lokalsängerin, spielte auf verschiedenen Provinztheatern,
wurde 1857 für das
Carl Theater engagirt
und ging 1860 mit dem Director Treumann in das
neue Quai Theater hinüber. Hier in Wien hatte sie das
Fach der komischen Alten übernommen und war besonders
in stark chargirten Partien beliebt. Ihre letzte größere
Rolle dürfte die Juno in Offenbachs "Orpheus"
gewesen sein. — Drei Schwestern der Verstorbenen, die
Damen Zöllner, Haller und Raab, sind ebenfalls an
der genannten Bühne engagirt.
Wiener Zeitung vom 7.7.1864, Seite 10:
Den 4. Juli.
Haller Josephine, Schauspielersgattin, 46 J.,
Leopoldstadt, Praterstraße 26, Entartung der Unterleibsorgane.
Wiener Zeitung vom 29.6.1886, Seite 12:
Raab Marie, k. k. Hoftanzlehrers-Gattin, 74 J., IV., Mayerhofg. 16, Schlagfluß.
Die Grabstelle befindet sich am
St. Marxer Friedhof (
Position 10).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 13.3.1828, Seite 3,
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 8.6.1846, Seite 3,
Wiener Zeitung vom 11.11.1862, Seite 6,
Wiener Zeitung vom 13.11.1862, Seite 13,
Fremden-Blatt vom 13.11.1862, Seite 5,
Wiener Zeitung vom 7.7.1864, Seite 10,
Wiener Zeitung vom 29.6.1886, Seite 12.