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Die Bundeshauptstadt

Person - Christoph de Bach

Christoph de Bach (* 1768 in Mitau, Herzogtum Kurland und Semgallen; † 12. April 1834 in Wien) war Wiens erster Zirkusdirektor.

Nachdem aus den englischen Kunstreitergesellschaften 1772 in London durch Philip Astley der erste moderne Zirkus entstanden war, kam es auch in Kontinentaleuropa zu festen Zirkusbauten.

Einer der Pioniere auf diesem Gebiet war der aus Kurland stammende Christoph de Bach. Er ließ 1808 im Wiener Prater auf der noch heute so genannten Zirkuswiese von Joseph Kornhäusel ein entsprechendes Holzgebäude errichten. Bachs „Circus gymnasticus“ bot etwa 3000 Zuschauern Platz und war vor allem artistischen Pferdevorführungen gewidmet. Daneben traten Bazazzi auf, auch komische Verwandlungsszenen wurden gebracht. De Bach begann auch frühzeitig mit Pantomimen und Mimo-Dramen.

Christoph de Bach, k. k. privilegierter Kunst- und Schulbereiter, erhielt ein prunkvolles Begräbnis auf dem St. Marxer Friedhof, seine Witwe Laura de Bach führte das Zirkusunternehmen noch einige Jahre weiter.

Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 17.4.1834, Seite 4: Ehevorgestern am 14. Apr. wohnte Ref. einer rührenden Feierlichkeit bei. Christoph de Dach, k. k. priv. Kunst- und Schulbereiter, Ehrenstallmeister des herzoglichen Hauses von Parma, welcher am 12., Morgens um 10 Uhr, an einem Nervenfieber verschied, wurde nach protestantischem Ritus im Circus eingesegnet, und dann in sein eignes Grab auf den St. Marxer Friedhof geführt. Eine große Menschenmenge füllte die weiten Räume der Arena, in deren Mitte der Sarg aufgebahret stand, von vielen trauernden Freunden und Verwandten, und von den Mitgliedern seiner Gesellschaft, im Galla-Uniforme mit Flören an den Armen und Reitpeitschen, mit sichtbarem Leidwesen umstellt. Während der, von dem zweiten Prediger der reformirten Kirche, Hrn. Franz, am Sarge gehaltenen herzerhebenden Trauerrede, welche mit kräftigen Worten auch von den Verdiensten des Verblichenen in seinem Fache und als Mensch, so wie von seiner Sehnsucht nach unserer Kaiserstadt, die, kaum gestillt, auch seine letzte war, zweckgemäße Erwähnung machte, blieb kein Auge trocken, und es war ein ergreifender Anblick, und der hellste Beweis von der Liebe seiner Leute für ihn, auch sie alle recht bitterlich weinen zu sehen. Nach der Rede wurde der Sarg auf der Bahre durch das Hinterthor des Circus hinausgetragen, allwo denselben die Mitglieder der Gesellschaft, Herren Gärtner, Mancini, Crasselt, Price, Baptist, d'Abis, Dallot auf die Schultern luden, und mit vorschreitender Trauermusik den so innig und aufrichtig geliebten Herrn zu dem, mit sechs Rappen bespannten Galla-Leichenwagen trugen, in welchen er dann gehoben wurde. Darauf setzten sich die genannten Kunstreiter zu Pferde, und schlossen sich dem Leichenwagen an, welchem unmittelbar ein mit Flören geschmückter, schöner, zarter Schimmel, zweifelsohne sein Lieblingsroß, von zwei Reitknechten geführt, nachschritt. Den Mitgliedern der Gesellschaft folgten die Reitknechte zu Pferde mit Flören auf den Kappen, dann Verwandte, Freunde, die übrigen der Gesellschaft und viele Fremde in einer langen Reihe von Wagen bis auf den Friedhof. Ruhe seiner Asche! — Wie sehr Hr. de Bach allgemein geachtet und geliebt wurde, davon gibt die Theilnahme, welche Alle bei seinem Leichenbegängnisse zeigten, die Wehmuth, die dabei herrschte, das Bedauern, das man für seine trostlose Gattin, welche der Entbindung nahe ist, und für seine sechs unmündigen Kinder ausdrückte, so wie die allgemeine Rührung, womit man dem Zuge beiwohnte oder folgte, den klarsten Beweis. Allein der Verblichene verdiente auch diese Würdigung nach seinem Tode! Ein Kurländer von Geburt, und, wie Ref. von einem seiner Freunde vernahm, der Sohn eines Staatsdieners, bewog ihn die unwiderstehliche Lust und Liebe für sein nachmaliges Geschäft, schon im zehnten Jahre seines Alters das Vaterhaus zu verlassen und einer Kunstreitergesellschaft beizutreten. Wie weit er es in seinem Berufe brachte, weis Jedermann; daß er stets als Ehrenmann sich bewährte und lebte, ist eben so bekannt. Sein Ruf als Kunst- und Schulbereiter kann ein europäischer genannt werden. Er besaß eine eigene, glückliche Manier, jedes Roß, auch das unbändigste und starrköpfigste, nicht nur zur Raison zu bringen, sondern so lämmerfromm zu machen, daß es, so zu sagen, seinem Winke gehorchte. Bosheiten des Pferdes behandelte er eben so streng, als er die geringste Spur des guten Willens alsogleich belohnte. Diesen dem Rosse abzutrotzen, und zu nähren, war eines der größten Geheimnisse seiner Dressurkunst. Pferde, von seiner Hand und Schenkelkraft zugeritten, konnten stets als Musterschulpferde angesehen werden. Er brachte mit den tollsten, widerspänstigsten Thieren das unmöglich Scheinende zu Stande, so daß seine Bändigungsform beinahe zum Sprichworte geworden ist. Und jetzt noch in seinem vorgerückten Alter, über sechzig Jahre, ritt er junge Pferde mit einer Kraft zu, welche staunen machte, jetzt saß er noch, ein Musterbild für alle Reiter, zu Pferde, und flog — Ref. sah ihn am Ostermontage noch da - militärische Manoeuvre anführen — im Car­riére in schöner, kühner Haltung so dahin, als ob Jünglingskraft in seinen Adern glühte, und dennoch lauerte schon eine böse Krankheit in seinem Blute, die ihn nach einigen Tagen dergestalt ergriff, daß er bald, als ihre Beute, der Grabesnacht anheimfiel! - In seinem Fache bis zum höchsten Grade ausgezeichnet, und als Ehrenmann verdient de Bach, daß wir sein Andenken ehren, und diesem seyen auch die wenigen Zeilen von einem Freunde seiner Kunst gewidmet!

Wiener Zeitung vom 17.4.1835, Seite 6: Circus gymnasticus im Prater. Laura de Bach, Witwe des Christoph de Bach, kehrte im gegenwärtigen Frühlinge mit ihrer Kunstreiter- Gesellschaft in diese Haupt- und Residenzstadt zurück, um die edlen Bewohner derselben mit ihren Kunstleistungen zu vergnügen. Der ausgezeichneten Kunstbezeigungen, welche ihr in Wien zu Theil wurden, dankbar eingedenk, kehrt sie muthig mit dem Vertrauen wieder, daß ihre Leistungen mit allgemeinem Beyfalle werden aufgenommen werden. Die achtungsvoll Gefertigte glaubt bemerken zu müssen, daß ihre Gesellschaft aus den vorzüglichsten Künstlern im Fache der höheren Reitkunst besteht, wovon die erste Vorstellung, welche sie in ihrem neu ausgeschmückten Circus, im Prater Montag den 20. April d. J. zu geben die Ehre haben wird, einen unwiderruflichen Beweis liefern soll. Ihr so angenehm gelegener rühmlich bekannter Circus, die Schönheit der Pferde, die Eleganz des Costüms, der Wetteifer und die Vortrefflichkeit ihrer Künstler vereint mit ihrem eigenen Streben als Vorsteherinn, lassen sie der Hoffnung Raum geben, daß die Bemühungen ihrer Gesellschaft mit dem glänzendsten Erfolge werden gekrönt werden.

Der Humorist vom 24.4.1846, Seite 4: Kleine Stadtpost. Im Cirkus-Gymnastikus der Laura de Bach im Prater findet heute die Vorstellung in der höheren Reitkunst für zwei wohlthätige Zwecke Statt. Die edelmüthige Eigenthümerin überläßt drei Viertel Theile der Einnahme dem unter dem höchsten Schutze Ihrer kaiserlichen Hoheit der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Sophie stehenden allgemeinen, nur für Kinder armer Eltern bestimmten Kinderspitale zum heil. Joseph, und ein Viertel Theil des Erträgnisses dem Kinderkranken-Institute des Dr. Hügel auf der Wieden. Möge ein zahlreicher Zuspruch dieser menschenfreundlichen Widmung lohnend entsprechen! K.

Quelle: Dieser Text basiert auf dem Artikel Christoph_de_Bach aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 4.0 (Text erweitert). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Bilder: Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 17.4.1834, Seite 4, Wiener Zeitung vom 17.4.1835, Seite 6, Der Humorist vom 24.4.1846, Seite 4.



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