Person - Alexander Adam Ehrenreich
Alexander Adam Ehrenreich (Adam Sandor Ehrenreich), akad. Kupferstecher und Kunsthändler, * 1778 in Bratislava, † 13.06.1852 in Wien, zuletzt wohnhaft: 2., Leopoldstadt Nr. 674.
Leben: Alexander Adam Ehrenreich war der Sohn eines Siegelgraveurs, welcher bereits einen Ruf besaß.
Er erlernte die Kunst des Vaters und erlangte darin solche Fertigkeit, daß er sich, kaum 19 Jahre alt geworden, seinen Lebensunterhalt erwerben konnte.
Bereits 1803 kam er nach Wien und besuchte die
Akademie der bildenden Künste,
wo er 1806 den ersten Preis im Zeichnen erhielt.
Er entschied sich nunmehr für die Kupferstecherkunst, und ging nach Ofen, wo er sich dauerhaft niederließ.
Durch einige seiner Arbeiten wurden die Kunstkenner auf ihn aufmerksam,
unter andern durch das Porträt von Canova und durch ein zweites des Landwirtschafts-Professors Mitterbacher.
1823 begann er ein größeres Kupferstichwerk mit 95 Blättern, welches die Porträts der in der Geschichte
Ungarns
denkwürdigen Personen enthalten sollte und dessen Widmung Se. kaiserl. Hoheit der Erzherzog Palatin annahm.
Dieses Werk konnte er 1835 vollenden.
1825 übersiedelte Ehrenreich nach Wien.
1838 schuf er das Bildnis Ihrer k. k. Hoheit der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Maria Dorothea,
gezeichnet von
Karl von Saar.
Auch in der von Perger herausgegebenen Bildergallerie des Belvedere wirkte Ehrenreich mit.
Seine Arbeiten sind zum größten Teil in Punktiermanier (alte manuelle lithographische Technik des Steindrucks) ausgeführt,
was besonders im 18. Jahrhundert gebräuchlich war.
Werke (unvollständig):
1938: Bildnis Ihrer k. k. Hoheit der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Maria Dorothea, gezeichnet von
Karl von Saar, gestochen von Ehrenreich.
1842-1844: Bilder aus
Ungarns Vergangenheit.
1843: "Geschichte Ungarns und Siebenbürgens", illustriert mit 17 Lithographien des
Peter Johann Nepomuk Geiger (Publikation).
1843: Ungarn-Schlacht bey Preßburg im Jahr 907. Dritte Lieferung.
Vereinigte Ofner-Pester Zeitung vom 20.9.1838, Seite 4:
In Ferdinand Tomala's Kunsthandlung in
Pesth
ist das Bildniß Ihrer k. k. Hoheit der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Maria
Dorothea in wohlgelungener Ausführung im ungarischen Costüm,
gezeichnet von
Karl v. Saar, gestochen von Adam Ehrenreich, in Groß-Folio
erschienen. Preis: 1 ft. 20 kr. C. M.
Wiener Zeitung vom 11.11.1840, Seite 1:
Se. Majestät der Kaiser von Rußland geruhten dem
Adam Ehrenreich, akademischen Kupferstecher in Wien
für das Höchstdemselben unterthänigst überreichte Werk
der berühmten Männer
Ungarns und Siebenbürgens
in einer Reihe von Porträten, dessen Widmung Se.
k.k. Hoheit der durchlauchtigste Erzherzog Reichspalatin
von
Ungarn anzunehmen geruhten, in allergnädigster
Anerkennung des hierbey bewiesenen Kunstsinnes eine
Belohnung von 100 Stück Silber-Rubel huldreichst
zustellen zu lassen.
Wiener Zeitung vom 5.3.1842, Seite 28:
Vorläufige Ankündigung eines artistisch-literarischen Werkes
über die
Ungarns und Siebenbürgens.
Der Unterzeichnete, welcher seit einer Reihe von Jahren eine, von den höchsten und hohen Herrschaften, und
dem verehrten Publicum der schmeichelhaftesten Aufnahme gewürdigte, nunmehr vollendete Gallerie von Bildnissen
berühmter lebender und verstorbener
Ungarn und Siebenbürqer herausgab,
macht hiermit die vorläufige Anzeige
von dem Erscheinen eines artistisch-literarischen Werkes über die Geschichte
Ungarns und Siebenbürgens.
Indem er sich vorbehält, das Nähere des Planes und der Ausführung in dem Programme mitzutheilen,
welches gleichzeitig mit dem ersten Hefte im Laufe des nächsten Monaths erscheinen wird, erlaubt er sich hier nur
die Grundidee der Unternehmung anzugeben.
Der unterfertigte Herausgeber glaubt seinen hohen Gönnern und dem geehrten Publicum, insbesondere dem
seines Vaterlandes
Ungarn
den lebhaftesten Dank für die gütige und beyfällige Aufnahme seines früheren Werkes
auf keine bessere Weise an den Tag legen zu können, als: indem er seine eifrigste Bemühung einem neuen Werke
zuwendet, welches das Ganze der Ungarisch-Siebenbürgischen Geschichte in einer Reihe von getreuen
Abbildungen ihrer vorzüglichsten Momente, verbunden mit einem quellenmäßig ausgearbeiteten,
und jede einzeln Abbildung geschichtlich erläuternden Texte in Ungarischer und Deutscher Sprache
enthalte.
Zu diesem Behufe ist es ihm gelungen in Veibindungen zu treten, vermöge deren er für die Abbildungen neben
einer gediegenen Ausführung alle jene historische Genauigkeit zu versprechen vermag, welche man von bildlichen
Darstellungen aus der Ungarisch-Siebenbürgischen Geschichte nur irgend wünschen kann; während er auch im
Text ein Werk zu liefern im Stande seyn wird, das keineswegs ein dürrer Commentar der Abbildungen, vielmehr
neben beständigem Festhalten des, das Ganze durchziehenden historischen Fadens, stets in gedrängter lebendiger
Schilderung eine Skizze der Epoche gibt, aus welcher der Künstler zu seiner Darstellung einen anziehenden
Hauptmoment heraushob. Bild und Text nach einem gemeinsamen Plan, und stets im Einklänge erscheinend,
werden sich wechselseitig unterstützen und ergänzen, und so ein Cyclus in einander greifender Ereignisse aus der
Ungarisch-Siebenbürgischen Geschichte entstehen, der sich, zu einem lebensvollen, Geist und Herz ansprechenden Ganzen,
zu einem in seiner Art bis jetzt in
Ungarn uud Siebenbürgen noch nicht vorhandenen
historisch-artistischen Nationalwerke gestalte; für dessen dem Inhalte und der Würde des Gegenstandes entsprechende,
gleich ausgezeichnete äußere Ausstattung zu sorgen, das eifrigste Bestreben des Herausgebers seyn wird.
Der Unterzeichnete schmeichelt sich mit der Hoffnung, daß das verehrte Publicum dieses Werk, welches den
Ungarn und Siebenbürgern besonders interessant,
aber auch den übrigen Bewohnern des Oesterreichischen Kaiserstaates und dem Auslande in mancher Beziehung anziehend seyn dürfte,
um so günstiger aufnehmen, und durch zahlreichen
Zuspruch unterstützen wird, als in dieser Unterstützung die sicherste Bürgschaft für den raschen Fortschritt und
das Gedeihen desselben, wie auch die Bedingung der Möglichkeit enthalten seyn wird, es durch Festsetzung des
billigsten Preises einem ausgedehnteren Kreise von Lesern und Vaterlandsfreunden zugänglich zu machen.
Wien am Januar 1842.
Der Unternehmer
Adam Ehrenreich, akademischer Kupferstecher und Kunsthändler in
Pesth.
Wiener Zeitung vom 9.4.1843, Seite 3:
Wissenschaftliche und Kunstnachrichten.
Die Ungarn-Schlacht bey Preßburg im
Jahr 907. Dritte Lieferung. In allen Kunsthandlungen.
Wir haben bereits in Nr. 316 vom 15. Nov. v. J. die
Idee des von Hrn. Adam Ehrenreich herausgegebenen
interessanten historisch-artistischen Werkes über die
Ungarische Geschichte besprochen, und zugleich die beyden
ersten Blätter als einzelne Kunsterscheinungen und zumahl
in Bezug auf dieses Werk, dessen Glieder sie
bilden, in Gedanken und Ausführung gewürdigt. Es
liegt uns nunmehr die dritte Lieferung vor und da wir
uns im Wesentlichen auf das bey Beginn der Unternehmung
Gesagte beziehen können, so bleibt uns für
diesesmal nur die Aufgabe zu prüfen, wie fern sich
die jüngste Lieferung den vorangegangenen in Geist und
Inhalt entsprechend anschließe und das günstige Urtheil
rechtfertige, welches damahls in diesen Blättern gefällt wurde.
Das vorliegende Blatt stellt die Schlacht bey Preßburg
zwischen den Deutschen unter dem Herzog
Luitpold von Bayern und den
Ungarn unter ihrem jugendlichen
Herzoge Zoltan im Jahre 907 dar. Nach Arpads
Tode bestieg nähmlich dessen dreyzehnjähriger Sohn
Zoltan den Ungarischen Thron und diesen günstigen
Zeitpunct wollte Ludwig, der damahlige König der
Deutschen, benutzen, um die
Ungarn, die als ein
Orientalisch-nomadisches Volk einen fremdartigen
Bestandtheil im Europäischen Staaten-Complex bildeten
und als gefährliche Nachbarn betrachtet wurden,
denen man kein Vertrauen schenken wollte, nach Asien
zurückzuwerfen und aus den schönen Ländern der untern
Donau zu vertreiben. Die Schlacht bey Preßburg 907
entschied das Schicksal der Ungarischen Nationalität
und bewirkte die bleibende Aufnahme des magyarischen
Elements in die Europäische Völkergemeinde; wenn
Arpad das Land in Besitz genommen, so hat es Zoltan
gegen fremden Angriff behauptet, das Erworbene
zum Erbgut gemacht. Der Sieg bey Preßburg gab den
Ungarn fortan für Deutschland eine furchtbare Bedeutung,
die erst durch König Heinrich den Finkler wieder verloren ging.
Dieser vom Herrn Professor Wenzel mit tiefer historischer
Scharfsicht ausgewählte Moment, der auch
von seiner Feder in Deutscher und Ungarischer Sprache
lichtvoll und bündig erläutert worden, hat in der
Auffassung des Darstellers, Herrn
Geigers, eine markige
Gestaltung gewonnen, wie er den wilden kriegerischen
Sitten zweyer tapferer Völker in dem heißen Kampf
einer dreytägigen Schlacht angemessen ist. Die Erbitterung
des Streites wird durch einige drastisch gedachte
Gruppen im Vordergrunde recht anschaulich hingestellt
und nicht minder verdient die Consequenz der nationalen
Physiognomie, wie man sie in den Gesichtern der
Streiter trotz aller leidenschaftlichen Verzerrungen und
individueller Verschiedenheit mit Strenge durchgeführt
sieht, ein aufrichtiges Lob, da diese Beobachtung
ohnehin nur einem aufmerksameren Prüferauge zugänglich
ist, und sich demnach hier eine lockende Gelegenheit
gebothen hätte, sich die Aufgabe leichter zu stellen.
Der Humorist vom 11.11.1843, Seite 4:
Literarisches.
"Geschichte Ungarn's und Siebenbürgen's." In Abbildungen nebst Text.
Herausgegeben von Adam Ehrenreich.
Die sogenannten Ehrenspiegel eines Volkes dürften fast so alt sein,
wie der Nationalstolz selbst, und haben von Cornelius Nepos an bis zu
Hormayer's trefflichem österreichischen "Plutarch" stets und immer einen
segensreichen Einfluß auf die heimische Jugend ausgeübt. Sie wirkten auf
dieselbe so begeisternd und erhebend, wie die Klänge des Tyrtäus auf die
entmuthigten Spartaner. Man hat daher zu allen Zeiten und bei allen
Völkern, namentlich in wirren und bedrängten Tagen, den Ehrenspiegel
vaterländischer Größe und Kühnheit enthüllt, die Jugend sah darin ein
Musterbild zur Nachahmung, der Sänger pries dasselbe in jauchzenden Liedern,
so verbanden sich Leier und Schwert, und darüber brach so mancher eisengewappnete
Riese mit thönernen Füßen zusammen, wie der letzte Goliath vor
Leipzig und Watterloo. Unter den Editionen von der derlei Werken in neuester
Zeit nimmt diese illustrirte Geschichte des Magyarenplatzes einen Ehrenplatz
ein. Die Bilder stammen von den rühmlich bekannten akademischen
Maler
Peter Geiger, und das ist schon an und für sich Lob genug. Ebenso
musterhaft muß der Text in deutscher und ungarischer Sprache, von Gustav
Wenzel, Professor an der k. k. Therestanischen Ritterakademie, genannt
werden. Druck und Papier sind anständig. Der geschätzte Herausgeber selbst
hat für seinen ungarischen Theuerdank Allem entsprochen, was man an Anforderungen
an illustrirten "Plutarchs" billiger Weise stellen kann. Sollten
die fernern Hefte, wie es gar nicht anders zu erwarten steht, dem Vorliegenden
gleichen, so dürfte dem Gesammtwerke ein höchst günstiges Prognostikon
gestellt werden können. Es wird dann nicht bloß ein gesuchtes Buch für die
vaterländische Jugend, für Schulen und angekauft werden, sondern
auch als Zierde in jeder Bibliothek prangen. Glück auf!
Wiener Zeitung vom 22.6.1852, Seite 10:
Herr Alexander Ehrenreich, akadem. Kupferstecher, alt 73 J., in der Leopoldstadt Nr. 674, an der Lungenlähmung.
Die Grabstelle befindet sich am
St. Marxer Friedhof (
Position 99).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: Adam Sandor Ehrenreich (Kupferstecher), "Justus Hausknecht, K. K. Consistorial Rath Oesterr. Superintendent und erster Prediger der evangel. reformirten Kirche zu Wien.", vor 1834, Wien Museum Inv.-Nr. W 2886, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/386950/),
Adam Sandor Ehrenreich (Künstler), "CHRISTIAN HEYSER, Superintendent A. C. in Inner- und Niederösterreich und im Königreiche Illyrien und Venedig, und erster Prediger A. C. in Wien.", vor 1839, Wien Museum Inv.-Nr. W 3004, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/389766/),
Vereinigte Ofner-Pester Zeitung vom 20.9.1838, Seite 4,
Wiener Zeitung vom 11.11.1840, Seite 1,
Wiener Zeitung vom 5.3.1842, Seite 28,
Wiener Zeitung vom 9.4.1843, Seite 3,
Der Humorist vom 11.11.1843, Seite 4,
Wiener Zeitung vom 22.6.1852, Seite 10.