Person - Theodor Friedl
Theodor Friedl (* 13. Februar 1842 in Wien; † 5. September 1900 in Kirchau, Bestattungsdatum: 14.07.1936,
Niederösterreich) war ein österreichischer Bildhauer.
Leben: Friedl studierte an der Wiener
Akademie der bildenden Künste
bei
Anton Dominik Fernkorn.
Sein Atelier befand sich in der ehemaligen Fürstlich-Dietrichsteinschen Reitschule in der Liechtensteinstraße 37 in Wien.
Nach seinem Tode erhielt er auf dem
Wiener Zentralfriedhof (Gruppe: 0, Reihe: 1, Nummer: 71) ein Ehrengrab.
Das Porträtrelief stammt von Leopold Kosig.
Leistung: Friedl schuf hauptsächlich Skulpturen und Bauplastik für Gebäude der
Ringstraßenzeit.
Außerhalb Wiens war er in Zusammenarbeit mit den Architekten Fellner und Helmer bei zahlreichen Theaterbauten in der Monarchie tätig.
Werke (Auswahl):
Bauplastik (Wien,
Börse), 1877
Bauplastik (Wien, Arkadenhäuser Reichsratsstraße 9–11), 1880–1883
Amor und Psyche (Wien, Österreichische Galerie
Belvedere), um 1881–1882, Marmor, 192 cm
Rossebändigergruppe (Wien,
Maria-Theresien-Platz)
Fassadendekor und Figurengruppe Kybele mit Löwen (Wien,
Börse für landwirtschaftliche Produkte), 1888–1890
Giebelrelief am Theater Unter den Linden (heute Komische Oper) in Berlin, 1891/1892
Wiener Allgemeine Zeitung vom 8.9.1900, Seite 2:
Gestern starb in Kirchau der Bildhauer Theodor
Friedl im Alter von 59 Jahren. Friedl war unter den
Wiener Bildhauern einer der Begabtesten und eine Persönlichkeit
von ganz besonderer Art. Er war ein Kraftmensch,
der nach der Erzählung seiner Fachgenossen an die Künstler
der italienischen Renaissance erinnerte. Ohne eigentliche
akademische Bildung hatte er es aus Eigenem zu hoher
technischer Vollendung gebracht. Er verrichtete alle Atelierarbeiten
selbst oder konnte sie wenigstens selbst verrichten,
so viele Gehilfen er zeitweise auch beschäftigte. Er construirte
seine Gerüste und bog zolldicke Gestelleisen mit freier
Hand. Er arbeitete in jedem Material und übergab
seine in Stein ausgeführten Werke selten dem Punctirer.
Friedl hat für zahlreiche Bauten den Fasadenschmuck,
Decken- und Pfeilerplastik für Theater und
allerhand Vergnügungs-Etablissements besorgt. Seine Erfindungsgabe
war enorm. Er hatte einen nie versiegenden Reichthum
von Einfällen, und der Schwung seiner Linien, die
Grazie seiner Gestalten konnten sich mit
Tilgner's besten Arbeiten
messen. Bewunderungswerth war die Verve, die er in jeder seiner
Compositionen an den Tag legte, die flotte, unfehlbar sichere
Technik, die Zartheit seiner Körper, die bei aller temperamentvollen
Lebendigkeit doch immer etwas Monumentales hatten.
Friedl war der Mann, der das Zeug in sich gehabt hätte, ein Künstler
allerersten Ranges zu werden. Daß er es nicht geworden,
hat andere Ursachen. Von Theodor Friedl sind die beiden
Rossebändiger beim Eingang zum Garten der Hofmuseen,
die figurale Ausschmückung des Saales im Deutschen Volkstheater,
die Giebelgruppe auf dem Philipp-Hof [ehem. Zinshaus auf dem heutigen Helmut-Zilk-Platz] und vieles Andere.
Arbeiter Zeitung vom 10.9.1900, Seite 4:
Das Leichenbegängniß des Bildhauers Theodor
Friedl. Gestem Nachmittags um 4 Uhr fand von der Leichenhalle
des
Zentralfriedhofes aus die Bestattung des Künstlers
Th. Friedl statt. Nicht mit Pomp wurde er zu Grabe getragen,
sondern einfach, proletarisch. Außer den Angehörigen und Verwandten
waren nur einige Freunde erschienen. Aus Künstlerkreisen
sah man nur Pendl und [Johann] Rathausky. die sogenannten
priviiegirirn Künstler fehlten ganz. Es wird dies damit entschuldigt,
daß diese Herrschaften in ihren Sommerfrischen weilten
und keine Zeit hatten. Freilich, es war ja nur der arme Theodor
Friedl der es nicht verstanden hatte, Beziehungen zu unterhalten
und aus sich etwas zu machen. Dafür waren Zentral- und Gesanqverein
der Bildhauer durch viele Mitglieder vertreten, die dem
Meister den sie verehrten und dessen Werke sie hoch schätzten, das
Geleite zum Grabe gaben. Mit rührender und aufrichtiger Trauer
folgten diese Kunstgenossen dem Sarge, welcher nur mit Kranzspenden
von Verwandten und Freunden geschmückt war. Der
Bildhauergesangverein sang Suppé's „Ruhe, müder Wand'rer,
ruhe!" als letzten Gruß. und kein Auge blieb bei dem ergreifenden
Liede trocken. Die hehre, feierliche und weihevolle Stimmung ent
schädigte vollkommen für allen unnützen Pomp, denn die,
welche dem Todten die letzte Ehre gaben, waren von wahrhaft aufrichtiger und tiefer Trauer erfüllt.
- Um den gottbegnadeten Künstler, der uns mit Friedl verloren
ging, zu charakterisieren, theilt einer seiner Freunde, der Bildhauer
Pendl, einige Einzelheiten aus dem Werdegange des Verstorbenen
mit. Friedl hat schon mit zwölf Jahren eine
Gruppe eigner Kompositionen modellirt. Durch
sie wurde
Fernkorn auf ihn aufmerksam und nahm ihn, den Sohn
armer Eltern zu sich in die Lehre. Schon mit 16 Jahren leistete
Friedl Derartiges, daß ihm sein Meister 100 fl. Monatsgehalt
zahlte. Unzertrennlich blieb Friedl seinem Lehrer verbunden
als Schüler und als Freund, bis schwere Krankheit
Fernkorn
von der Seite seines Gehilfen und Schülers riß. Friedl war
geistig und körperlich eine Hünennatur. Bis in die allerletzte
Zeit arbeitete er, der niemals der Genossenschaft angehörte,
schaffensfroh. Seine letzten Arbeiten waren zwei flott modellirte
Brunnengruppen. In ihnen prägt sich des Künstlers Eigenart
trefflich aus, und sie geben auch Zeugniß davon, daß Friedl bis
in die letzten Tage nichts von seinem Künstlerthum eingebüßt hat.
Ein schwerer Fall von der Leiter, an der
während der Arbeit eine Sprosse brach, war der Anfang von
Friedl's Todeskrankheit. Er kränkelte seitdem, fühlte sich ab
wechselnd besser und schlechter, bis eine Lungenentzündung dazutrat
und den Tod des begabten Mannes vor der Zeit herbeiführte.
Reichspost vom 26.6.1937, Seite 6:
Ein Denkmal für Bildhauer Friedl. Auf dem
Zentralfriedhof
wurde kürzlich ein Denkmal für den 1900
verstorbenen Wiener Bildhauer Theodor Friedl enthüllt.
Zur Feier hatten sich die Angehörigen und eine
große Anzahl von Verehrern und Freunden des verstorbenen
Künstlers eingefunden, in Vertretung des
Bundeskanzlers nahm Ministerialrat Dr. Schönsteiner
und für die VF. Landestreuhänder Roman
Chmel teil. Nach einer kurzen Ansprache des Präsidenten
der Genossenschaft der bildenden Künster, Bundeskulturrat
Professor Ranzoni, würdigte Bildhauer
[Ernst] Hegenbarth Wesen und Wirken seines toten
Freundes. Vizebürgermeister Lahr schilderte Bildhauer
Friedl als die Verkörperung des schönen Geistes echten
Wienertums und Künstlertums; die Leistungen, der
Ruhm und die Verdienste des Verstorbenen seien unvergeßlich.
Abschließend betonte Professor Dr. Hermann
Heller die künstlerische Bedeutung Theodor Friedls
für unsere Stadt. Das neue Denkmal auf dem Ehrengrab
der Gemeinde Wien wurde nach dem Entwurf des
akademischen Bildhauers Leopold Kosig von Bildhauer
Fritz Hänlein in Marmor ausgeführt. Es zeigt die
Reliefbüste des Toten im Halbprofil.
Weiters im Grab bestattet:
Arnold Friedl, Bestattungsdatum: 15.11.1958
Anna Friedl, Bestattungsdatum: 14.07.1936
Emilie Friedl, Bestattungsdatum: 14.07.1936
Quelle: Dieser Text basiert auf dem Artikel
Theodor_Friedl aus der freien Enzyklopädie
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Bilder: www.nikles.net, Wiener Allgemeine Zeitung vom 8.9.1900, Seite 2, Arbeiter Zeitung vom 10.9.1900, Seite 4, Reichspost vom 26.6.1937, Seite 6.