Person - Sepp Haberl-Calo
Sepp Haberl-Calo, eigentlich Josef Haberl-Calo (* 27.12.1888 in Graz, † 28.07.1955 in Wien) war ein österreichischer Bildhauer.
Sein Werk umfasste Steinskulpturen und Bronzeplastiken im öffentlichen Raum, Bilder sowie Radierungen.
Von 1921 bis zu seinem Tod im Jahr 1955 lebte und arbeitete er im
Hofpavillon Hietzing.
Werke (unvollständig):
Marienstatue am
Hietzinger Friedhofs
Grabdenkmal "Zehetner" am
Friedhof Penzing
Bildnis der Filmdiva Lucy Doraine
Porträtbüste aus Marmor des Publikumslieblings Hubert Marischka
1921: Pietágruppe "Christis Grablegung" (Rom-Preis)
1922: "Weiblicher Narziß" auf der Ausstellung der Genossenschaft bildender Künstler
Steiermarks von Sepp Haberl (Grazer Tagblatt vom 18.5.1921, Seite 2)
1922:
Kriegerdenkmal Mauer am Maurer Hauptplatz in
Wien-Mauer
1923: Erinnerungsmedaille zum 50-Jahr-Jubiläum der Feuerwehr Mauer in Wien am 5.8.1923 (Vorderseite: Feuerwehrmann, der eine ohnmächtige Frau aus einem brennenden Haus trägt, Rückseite: Ortsgemeindewappen). Die Prägung erfolgte im Wiener Münzamt. (Illustrierte Kronen Zeitung vom 3.8.1923, Seite 6)
1924: Castrol-Wagenplakette in Bronze (Alföd-Alpenfahrt), Inschrift: "Mit Castrol punktelos in der Alföd-Alpenfahrt", Fa. Anton Karner, 8., Ledererg. 17, ausgeführt von Sepp Haberl-Calo (Der Tag vom 28.6.1924, Seite 10)
1926: Reliefs im Stadttheater von den Komponisten Franz Lehár, Bruno Granichstaedten, Leo Fall, Oscar Straus und Emmerich Kálmán (siehe auch
Paula Kálmán) von Bildhauer Sepp Haberl (Neue Freie Presse vom 29.9.1926, Seite 10)
1929: Fassade der
Piaristenkirche "Maria Treu" (Reichspost vom 20.10.1929, Seite 11)
1931: Kriegerdenkmal in der
Graf-Radetzky-Kaserne
1931: Büste des Rennfahrers 'Charlie' Dodson, auf Anregung von Anton Karner, ausgeführt von Bildhauer Sepp Haberl-Calo (Das Motorrad vom 1.3.1931, S. 72)
1934: Bronzeplastik des Kriegerdenkmals Gaweinstal
1934: Dollfuß-Denkmal in Klosterneuburg, Entwurf und Ausführung (Salzburger Chronik für Stadt und Land vom 27.9.1934, Seite 6)
1934: Dollfuß-Denkmal in Pitten, Enthüllung 18.11.1934 (Wiener Neustädter Zeitung vom 24.11.1934, Seite 6 und 7)
1936: Kriegerdenkmal in der
Penzinger Pfarrkirche (Neues Wiener Tagblatt, Tages-Ausgabe, vom 9.11.1936, Seite 13)
1937: Grabmal für Leutnant i. d. Reserve Viktor Schrammel († 1916), Isonzokämfer, Bestattungsdatum: 23.09.1937, am
Zentralfriedhof, Gruppe: 34 A, Reihe: 7, Nummer: 3 (Das kleine Volksblatt vom 24.9.1937, Seite 8)
1937: Pinguinburg nach den Plänen von Haberl-Calo im Tiergarten
Schönbrunn (Kleine Volks-Zeitung vom 20.1.1937, Seite 3)
vor 1938: Felsenanlage im Seelöwengehege im Tiergarten
Schönbrunn
1938: Künstliche Felsgrotte für die Steinbockzucht im Tiergarten
Schönbrunn (Das kleine Volksblatt vom 1.9.1938, Seite 9)
1949: Büste des Schulreformers Otto Glöckel in der gleichnamigen Otto-Glöckel-Schule in
Hietzing
1954: Steinskulptur (Putto mit Seehund) im Tiergarten
Schönbrunn
Neues Wiener Journal vom 13.6.1926, Seite 12:
Der
Hofpavillon als Werkstatt.
Ein Besuch beim Bildhauer Sepp Haberl.
Von Dr. Ludwig W. Abels.
Es gibt im Großstadtleben Augenblicke, wo man der
Wildwestromantik näher steht als in den Urwäldern und Prärien
Amerikas. Solch ein Moment war's, als ich einige Monate
nach dem unglücklichen Kriegsende, den Stationsbau wieder betrat,
den der geniale Otto Wagner im Zuge der Stadtbahnanlagen
nächst dem
Schönbrunner Schloß für die private Benutzung des
Kaisers Franz Josef und seiner Suite errichtet hatte. Während
die weiß-grünen
Pavillons am Karlsplatz ihrem Erbauer keine besondere
Ehre eingebracht haben (der Volksmund benennt sie, nicht
mit Unrecht, „Papageienhäuseln"), gehört der
Hofpavillon an der
Ostseite der Haltestelle Hietzing, der einst während der Sommermonate
auch für Fernfahrten des Kaisers in Verwendung kommen sollte
(Kaiser Wilhelm ist damals zum Besuche seines Freundes dort
ausgestiegen), zu den reiz- und geschmackvollsten Leistungen des
einst viel umstrittenen Architekten. Sowohl die Außenerscheinung
mit dem dominierenden, ans Barock anklingenden Kuppelbau und
der schön geschwungenen Anfahrt, wie auch die bis ins Kleinste
gediegen ausgeführte Innenausstattung waren damals Musterstücke.
Wagner hat jedes Detail, auch die Form und Ornamentik
der Fenster, der Wandbespannungen, des Teppichs, der metallenen
Appliquen selbst entworfen und sorgfältig durchgezeichnet; ich
besitze, als Geschenk Otto Wagners einige dieser Entwürfe. Und
für die technische Ausführung sind als Materialien Sammt und
Seide, Palisanderholz und griechischer Marmor verwendet worden.
Als nun im Herbst 1918 so plötzlich die frühere Staatsform
zerschlagen wurde, stürzte sich der beutegierige Pöbel besonders
auf dieses einsam gelegene und schwer zu bewachende
Bauobjekt. Während das
Schloß Schönbrunn, innerhalb der
Parkmauern und Gitter gelegen, auch seine ausreichende Besatzung
hatte, wäre dieser schmucke
Hofpavillon, zwischen der offenen
Straße und der Bahntrasse respektive dem
Wienflußbett gelegen,
nur durch ein stärkeres Polizeiaufgebot zu sichern gewesen; und
das konnte man in jener Zeit (wohl auch heute) schwer zur Verfügung
halten. Es wurden zwar die Tore des Pavillons geschlossen
und das niedrige Gitter der Anfahrt sowie die Stiegenaufgänge
vom Perron aus abgesperrt. Aber die Strolche,
die sicher wertvolle Schätze in dem Häuschen vermuteten,
kletterten an den Semaphoren der Stadtbahnstaiion
bis zum Kuppeldach hinauf, schlugen die ovalen Oberlichten ein
und ließen sich von da mit Stricken in den Wartesaal des Kaisers
hinab. Alle Luster, Schnallen, elektrischen Birnen, Schnüre ec.
wurden von den Dieben abgeschraubt, abgerissen, mitgenommen.
Der Pavillon selbst avancierte bald zum beliebtesten Nachtquartier
für Unterstandslose. Mehrmals hat die Polizei dort lang gesuchte
Verbrecher erwischt. Da die Leute aber meist mit Gewehren,
Revolvern, Messern bewaffnet waren und es oft zu blutigen
Gefechten kam, bei denen sich die Eindringlinge leicht verschanzen
und verteidigen konnten, entschloß sich der Bund in Uebereinstimmung
mit der Bezirksleitung und der Bahnverwaliung, das
Objekt zu vermieten: der neue Hausherr würde sich dann eben
selbst zu verteidigen haben.
Dieser neue Hausherr nun wurde und ist der bekannte
Bildhauer
Sepp Haberl, von dem zahlreiche schöne Grabdenkmäler
aut dem
Hietzinger und
Zentralfriedhof stammen (davon wird noch
die Rede sein) und der auch bei der jüngsten viel erörterten, durch
die Schloßhauptmannschast äußerst sachgemäß durchgeführten
Renovierung des
Schönbrunner Schlosses die schwierige Wiederherstellung
aller figuralen und ornamentalen Plastiken zu besorgen
hatte. Haberl, ein geborner Grazer, der hier bei Professor
Bitterlich studierte, hat bei der Ausschreibung des Bauwerks im
Jahre 1921 unter vielen Bewerbern den Sieg errungen.
Zunächst aus künstlerischen Gründen, denn er hatte kurz vorher
für eine schön gedachte und edel durchgeführte
Pietágruppe den Rom-Preis erhalten; dann aber auch
wegen verschiedener praktischer Vorzüge: er war selbst
„gelernter" Tischler und Maurer, verfügte über die erforderliche
Courage, und da der Bund ja einen Bewohner suchte, der den
Pavillon sowohl instand zu setzen wie auch zu erhalten und zu
verteidigen verstände, so fiel die Wahl auf diesen tapferen Künstler.
Nun lesen seit fünf Jahren die Spaziergänger beim Passieren
des Pavillons die in grünen Buchstaben auf die Außenwand
ausgetragene Inschrift „Sepp Haberl, akademischer Bildhauer".
Wenn ich im folgenden einen Besuch in diesem „Hofatelier"
und die Arbeiten des Künstlers schildere, so wird das hoffentlich
nicht die wenig vergnügliche Wirkung haben, daß die Herren
Strolche und Einbrecher von Anno dazumal sich dieses ihres
Lieblingsstammquartiers erinnern und, von Sehnsucht gepackt,
dahin zurückkehren. Haberl als gedienter Soldat hat zwar
einen förmlichen Sicherungsdienst eingerichtet: gegen das
Wienbett hat er Drahtverhaue angelegt, der Vorplatz und Garten
werden durch zwei scharfe Polizeihunde, Rolli und Liesl, bewacht,
von denen der erstere einmal vertilgt werden sollte,
weil er ein Gehöft in Mauer bewachend einen Eindringling
beim Genick „gefangen" hatte. Haberl, der gerade zu der Zeit
das
Kriegerdenkmal in Mauer ausführte, hat den Hund dort
kennen und schätzen gelernt. Trotzdem gibt es — noch immer! —
bei Sepp Haberl kaum eine ruhige Nacht. Er hat sich den
früheren Entreeraum als Schlafkammer eingerichtet; Revolver und
Büchse liegen neben dem Bett, und wenn verdächtige Schritte,
Stimmen, Geräusche von Feilen und Brechstangen vernehmbar
werden, ist der Hausherr schon durchs Oberfenster draußen, gibt
einen Alarmschuß für die im Schönbrunner Nebengebäude dislozierte
Polizei ab und bedroht seine „Gäste" von außen, von der Straße
her. Da Sepp Habeil im zugehörigen Gartengrundstück noch einen
Holzbau, eine Werkstatt für die größeren Steinmetzarbeiten aufgeführt
hat, um den schönen Hauptbau zu schonen, gelten die
nächtlichen Besuche auch diesem Atelier und es sind ihm wiederholt
Geräte und Werkzeuge von dort — auf Schubkarren und Streifwagerln! —
weggeschleppt worden. Es gehören starke Nerven und
„ein guter Magen" dazu, diese Existenz auf die Dauer zu führen.
Aber bei Tag ist dieses Lokal eine so ideale Bildhauerwerkstätte
und — da der Künstler vielfach für Hietzinger Besteller
zu tun hat — so günstig gelegen, daß Herr Haberl gerne
alles Ungemach trägt und alle Abenteuer mitmacht. Im
übrigen hat er sich durch seine Gastfreundschaft und
Jovialität unter den „Faßtipplern", Wasserern und Pennbrüdern
viele Freunde und unbesoldete Aufpasser geschaffen. Sommer und
Winter wird nämlich die durch Gitter abgeschlossene, gedeckte Auffahrt
des Pavillons als Nachtasyl von Unterstandslosen und Freiluftfanatikern
gern benutzt. Haberl liegt nebenan, drinnen natürlich.
Und hört, wie sich die „Schlafkameraden" Zeitungspapier als
Bettuch ausbreiten, wie sie im Winter den Schnee von ihrem
Lager wegkehren, sich um die „besten Plätze" raufen, wie sie auf
die Regierung schimpfen und die Gastwirte beschuldigen, heutzutag
sogar den „Hansel" zu verkaufen, so daß für ihre durstigen Kehlen
keine Neige mehr übrigbleibt. Morgens zwischen vier und
fünf „verziehen" sich die Gäste meist, weil sie zur
Klostersuppe in
Mariahilf rechtzeitig eintreffen wollen.
Wenn der Ateliergehilfe Haberls dann den Vorplatz
auskehrt, findet er allerhand „Reste"; manchmal — wenn auch
die holde Weiblichkeit an dem Nachtlager von Granada teilgenommen
hatte — liegen ausgerissene Haarbüschel, Zähne,
defekte Korsetts und Damenschuhe auf der Walstatt umher.
Doch genug der „Romantik". Wir wollen die Arbeiten des
Künstlers besichtigen. Ist doch die Energie der Lebensführung, so
wichtig sie heute sein mag, nicht das entscheidende Kriterium der
Künstlerschaft. Aber auch in den Werken Haberls, die ich bisher
sah und in all dem was die Pavillonwerkstätte birgt, spricht uns
eine unverbrauchte, unverkümmerte Kraft an. Die jungen Künstler
fangen ja heute leider zumeist vor dem Spiegel an: wie steht mir
diese Pose? — Sie „stilisieren" ohne innere Nötigung, nach allen
exotischen Mustern. Nichts davon bei Haberl; er ist Naturmensch
auch beim Schaffen, und doch atmen diese Dinge zumeist modernes
Leben, sie haben Eigenart und jenes „je ne sais quoi".
das andere durchs verfluchte Stilisieren nur Vortäuschen! Diese
„Pietá", die den Rompreis erhielt, ist groß, einfach, voll
Empfindung, schön in der Bewegung. Dabei nichts von Michelangelo,
von Rodin, von Hanak Erborgtes. Oder ein
Brunnenmodell mit zierlicher Mädchenfigur. Eine Seherin mit emphatischer
Gebärde, die aber selbstverständlich und wahr ist. Die Grabmonumente,
sonst zumeist Schablonenarbeit, wirken bei Haberl
individuell. Da ist die so früh Hingeschiedene erste Frau des
Sängers Marischka, — die Tochter Viktor Leons —; da ist ein
Monument für den Komiker Eisenbach, für Professor Stanzl;
wohl zwanzig an der Zahl, alles voll ernster Empfindung
(
Hietzinger Friedhofs).
Auf dem
Zentralfriedhof die beiden als
Mädchen gestorbenen Töchter des Feldmarschalleutnans Gerstenberger-Reichsegg,
die Frau des Ingenieurs Mandl und andere.
Manches kann ich nur in Photographie sehen, so das Bildnis der
Filmdiva Lucy Doraine usw.
Als letzte Arbeit, eben beendet und noch nicht abgeliefert:
die marmorne Porträtbüste des Publikumslieblings Hubert Marischka,
ein seines Profil voll Leben und Temperament. Auch
dieses Lieblings Liebling, den Knaben Georg, von den ungarischen
Verwandten Gyurikam, in Wien Schurli genannt, hat Haberl
porträtiert; eine mächtige Korkzieherlocke baumelt dem hübschen
Knaben kokett in die Stirne hinein. — Die Mutter des Librettisten
Reichert, eine Terrakottabüsie, ist gegenwärtig im Künstlerhaus zu
sehen. Anderes ist noch im Stadium des Entstehens.—
Rolli und Liesl kommen herbei, lieb und zutraulich,
schleppen einen Stein, den man ihnen als „Apportel" weisen
soll. Keine Spur von der nächtlichen Schneidigkeit! — Ich
abschiede mich, um das häusliche Glück nicht zu stören.
Neue Freie Presse vom 29.9.1926, Seite 10:
Wiedereröffnung zweier Wiener Theater.
Gestern wurde das Wiener Stadttheater und heute
werden die Wiener Kammerspiele nach längerer Pause
unter neuen Direktionen wieder eröffnet.
Das Stadttheater, das im Innern vollständig umgebaut
ist, bietet ein elegantes und mondaines Bild. Das Foyer
im Parterre hat eine zweite Kasse erhalten und darf als Rauchsalon
benützt werden. Türen mit aparter Handbemalung führen
in den Zuschauerraum, der in Rot und Gold gehalten ist. Ein
geblumter Laufteppich bedeckt den Mittelgang. Die vordersten
vier Orchestersitzreihen sind entfernt worden, um das Orchester
vergrößern zu können. Ein Tanzsteg zieht sich zwischen dem
Orchesterraum und der ersten Sitzreihe hin. Ein Stehparterre,
Parterrelogen und ein Promenoir im ersten Rang wurden neu
geschaffen. An der ersten Rangbrüstung sieht man die von Professor
Sepp Haberl geschaffenen Reliefs von Lehar,
Granichstaedten, Fall, Oskar Straus und Kalman. ...
Reichspost vom 20.10.1929, Seite 11:
Die
Piaristenkirche Maria Treu in neuem Gewande.
Seit kurzer Zeit zeigt sich die Basilika Maria-Treu,
eine der schönsten Kirchen Wiens, in funkelnagelneuem
Gewande, das alle architektonischen Schönheiten dieses
Bauwerkes erst recht zur Geltung kommen läßt.
... Der figurale Schmuck der Fassade erfuhr durch
den jungen akademischen Bildhauer
Sepp Haberl Calo' stil- und materialgerechte Restaurierung. Die
Gesamtleitung der Renovierungsarbeiten, unter denen
die prächtigen Vergolderarbeiten Franz Mayers besondere
Hervorhebung verdienen, hatte der
Josefstädter
Architekt Rudolf Göd inne.
Das Motorrad vom 1.3.1931, Seite 72:
Diese wohlgelungene Porträtbüste
wurde anläßlich der Anwesenheit des berühmten Rennfahrers „Charlie“
Dodson, des mehrfachen. T. T.-Siegers, auf Anregung durch Herrn
Anton Karner von dem bekannten Wiener Bildhauer
Sepp Haberl-Calo ausgefünrt.
Salzburger Chronik für Stadt und Land vom 27.9.1934, Seite 6:
Dollfuß-Denkmal in Klosterneuburg.
Wien, 26. September. Am kommenden Sonntag wird
in der altehrwürdigen Babenbergerstadt Klosterneuburg
ein dem Andenken des großen Märtyrerkanzlers Dr. Engel
bert Dollfuß gewidmetes Denkmal enthüllt und eingeweiht.
Dieses Denkmal wurde am Dr. Dollfußplatz vor
dem Rathause, von dessen Rampe der verewigte Kanzler
am 25. März 1934 zum letzen Male zu den Klosterneuburgern
gesprochen hat, errichtet. Entwurf und Ausführung
stammen von der Meisterhand des Wiener akad.
Bildhauers Sepp Haberl-Calo. Das Denkmal ist in
der Mitte der Rathausrampe in einer mit Marmor ausgekleideten
Nische aufgestellt. Es stellt den Kanzler im
Hochrelief in der Uniform eines Kaiserschützenoberleutnants dar.
Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) vom 9.11.1936, Seite 13:
(Kriegerdenkmalweihe in der
Penzinger Pfarrkirche.) In
der
Pfarrkirche zu St. Jakob in
Penzing wurde gestern die
von den Vereinen der Pfarre Penzing mit dem Hilfs- und
Schutzverein in
Penzing an der Spitze gestiftete Gedenktafel
für die im Weltkrieg gefallenen Soldaten der Pfarre Penzing
enthüllt. Zur Feier waren eine Ehrenkompagnie des
Infanterieregiments Nr. 4 sowie die Vereine und Kameradschafts-
und Kriegerverbände der Pfarre Penzing ausgerückt.
Nach der von Franziskanerpater Klemens Kinninger
zelebrierten Messe begrüßte der Obmann des Kriegerdenkmalkomitees
der Pfarre Penzing Verwalter Bauer die Festgäste.
Altkanzler G. d. I. Vaugoin als Protektor der
Feier schilderte in seiner Ansprache das Wiedererstehen des
vaterländischen Gedankens und die Wertschätzung der
Soldaten. Er forderte auf, den toten Helden die Treue zu
bewahren und dankte denen, die sich um die Errichtung der
Gedenktafel verdient gemacht haben. Unter den Klängen des
„Guten Kameraden" sank die Hülle des Denkmales, eines
Werkes des Bildhauers
Sepp Haberl-Calo, das in
Goldbuchstaben die Namen der gefallenen Söhne
Penzings
eingraviert trägt. Pfarrer geistlicher Rat Selinka nahm
das Ehrenmal in die Obhut der Gemeinde. Mit einer
Defilierung der ausgerückten Formationen vor den Ehrengästen schloß die Feier.
Das kleine Volksblatt vom 24.9.1937, Seite 8:
Beisetzung eines Isonzokäpfers.
Gestern nachmittag ereignete sich der seltene
Fall, daß ein im Weltkrieg gefallener Offizier
von seinen ehemaligen Kameraden heimgeholt
und unter militärischen Ehren in der Heimaterde beigesetzt wurde.
Leutnant i. d. Reserve Viktor Schrammel
des ehemaligen Schützenregiments Nr. 1
war im Jahre 1916 in der 6. Isonzoschlacht
im Kampf um die Podgora bei Görz gefallen
und wurde in der Nähe seines Todesortes begraben.
Die Offizierskameradschaft des ehemaligen
Schützenregiments Nr. 1 ließ den gefallenen
Kameraden enterdigen und brachte
die sterblichen Ueberreste nach Wien. Hier
wurde der Sarg in der Lueger-Kirche aufgebahrt.
Die Kriegsflagge S. M. S. Novara",
der Stahlhelm und der Säbel des Gefallenen
bedeckten den Sarg, der von sechs Offizieren
der Kameradschaft als Ehrenwache flankiert war.
Zum Begräbnis hatten sich die Schwestern
des Gefallenen, Divisionär Generalmajor
Stümpfl in Vertretung des Bundeskanzlers
Dr. Schuschnigg und des Staatssekretärs
Generalmajor Bornemann
für den Militärkommandanten, Direktor.
Rat der Stadt Wien Dr. Weiland, in
Vertretung des Bürgermeisters, Oberst Reitermann
vom Platzkommando, General
Kainz für die Soldatenfront, Präsident
Major Fey, General Schuschnigg, Oberst
Kalliany als ehemaliger Regimentskommandant,
Oberstleutnant Grill für die Polizeidirektion,
Regierungsoberkommissär Scharnitzer für die niederösterreichische
Landesregierung, für die Heimatgemeinde
Gänserndorf Direktor Schmid, Karner
und Dutsch, sowie zahlreiche Abordnungen
von Kameradschaftsverbänden und Offiziersabordnungen
des Bundesheeres eingefunden. Das JR. Nr. 2 hatte eine Ehrenkompanie mit Musik gestellt.
Feldkurat Professor Brandmayer nahm in der Lueger-Kirche die feierliche Einsegnung
vor, worauf sich der Kondukt zum Grabe bewegte.
Nach neuerlicher Einsegnung hielten
Professor Brandmayer, Oberleutnant Baszista als Vorstand der
Offiziersvereinigung ehemaliger Einserschützen, und ein
Vertreter der Ortsgemeinde Gänserndorf dem
toten Helden herzliche Nachrufe. Mit den
Klängen des Liedes vom guten Kameraden
und der Generaldecharge fielen die ersten
Schollen in das Grab, das in Kürze mit einem
vom akademischen Bildhauer
Sepp Haberl-Calo
seinem einstigen Kameraden gespendeten Grabmal geschmückt werden wird.
Das kleine Volksblatt vom 1.9.1938, Seite 9:
Neuerungen im Schönbrunner Tiergarten.
Die Schönbrunner Steinbockzucht ist seit jeher weltberühmt.
Um den Tieren, die besonders felsige Wiesen
für ihre Kletterkünste bevorzugen, noch mehr als bisher
Gelegenheit zu gehen, die natürliche Umwelt wie
in der Freiheit nicht zu vermissen, ist man eben daran,
gegenüber dem neuen Ententeich ein neues Gehege für
die Steinböcke zu schaffen. Es umfaßt rund 1500 Quadratmeter.
Auf dieser Flüche befindet sich ein kleines
Wäldchen, weiter eine künstliche Felsgrotte und auf den
Wiesenflächen zahlreiche Felsblöcke, auf denen sich die
Tiere mit ihren Sprüngen ergötzen können. Die ganze
Anlage wurde vom akademischen Bildhauer
Sepp Haberl
Calo ausgeführt, der auch schon die Felsenanlage im
Seelöwenbehälter durchführte. Dieser Behälter erhält
übrigens derzeit eine neue Betongrundfläche, die mehr
als bisher gegen die Mitte geneigt ist, um eine bessere
Reinigung zu ermöglichen. Im Anschluß an das Seelöwengehege
ist auch die Schaffung einer neuen Pinguinenanlage
und eines Fischotterbehälters geplant.
Bild: Schöftal-Sturm.
Das kleine Volksblatt vom 7.8.1940, Seite 7:
Die Muse im verwunschenen Schlössel.
Ein Künstlerheim im Stadtbahnviadukt
Schönbrunn — Eine Station,
an der der Zug nur ein- oder zweimal gehalten hat.
Mitten im Grünen liegt der kleine Barockpavillon,
wie ein verwunschenes Schlössel.
Unterhalb flitzen wohl die Stadtbahnzüge
stadt- und hütteldorfwärts, aber rundum grünt
es. Die gelbe Mauer des Schönbrunner Parkes,
die hohen alten Bäume jenseits der Schönbrunner
Schloßstraße und drüben die Bäume
vom Hadikpark geben dem originellen
Künstlerheim ein heimliches, molliges Gepräge.
Die Stadtbahn-Einsteigstelle Kaiser Franz
Josefs, die für ihn erbaut und nur ein- oder
zweimal benützt worden ist, findet eine wunderbare
Verwendung. Günstig gelegen an der
Hietzinger Brücke, trocken, gesund, im Winter
wohl etwas „kühl", wie der Besitzer dieser
Märchenpavillonwohnung,
Sepp Haberl-Calo,
versichert, aber sonst ideal.
Ein großer, wunderschöner Wolfshund,
Haberls Kamerad und sein einziger Mitbewohner,
bellt den Besucher erst sehr mißtrauisch,
dann freundlich genehmigend an. Zu
sehen gibt es ein kleines, schmales Gärtchen,
sogar einen netten, peinlich sauber gehaltenen
Gemüsegarten, einen Schuppen mit Geräten
aller Art und einen größeren Holzbau, den
Haberl-Calo selbst aufstellen ließ und in dem
seine Bildhauerwerkzeuge, Plastiken, großen
Figuren, Ton- und Steinklumpen kunterbunt
durcheinander stehen.
Und dann die Wohnung! Durch eine große,
eisenbeschlagene Glastür kommt man in einen
hohen, großen, runden Raum mit einer holzverschalten,
gewölbten Zimmerdecke. Alte
Möbel sind da, tickende alte Uhren und da
zwischen die wunderbaren Plastiken und Werke
des begabten Bildhauers.
„Wie ich zu der Wohnung gekommen bin?
Sehen Sie dort..." Haberl führt die Besucher
zu einer wunderbaren überlebensgroßen
Gruppe „Christis Grablegung". Dafür bekam
ich den Rompreis, und später wird es in
Marmor ausgeführt. 1921 bewarben sich 78 Leute
um die Kaiser-Franz-Josef-Einsteigstelle. Mir
wurde sie, sicher a conto des Staatspreises, zugesprochen.
Ich wohne nun 18 Jahre da."
Es gibt natürlich kein Gas und keine Oefen.
„Aber ich habe mir schon geholfen. Dort,
sehen Sie, wohne ich."
Haberl zeigt ein nettes, kleines Nebenzimmerl,
in dem ein Baldachinbett, eine gemütliche
Sitzgarnitur und ein Petroleumöferl
stehen „Und hier" — wieder öffnet Haberl eine
Tür zu einem kleinen Kammerl — „habe ich
mir erst einen Spiritusherd und nun einen
richtigen Herd aufgestellt. Um 11 Uhr kommt
jemand, der mir und meinem Rolli kocht."
„Mein Pferdl aus dem Weltkrieg"
Und nun sieht man gebannt und begeistert
die wunderbaren Fresken, Bilder, Radierungen,
entzückenden Holzschnitzereien, die hier
oder in einer größeren Werkstatt, nahe der
Wohnung Haberls, geschaffen worden sind, zwei
Kasten, in dem eine ganze Bauernszene,
„Werbung" und „Hochzeit", dargestellt sind, und viele,
kleine Figuren, die in Bewegung und Form
einfach wundervoll sind.
„Und das ist mein Stolz," sagt Haberl
lächelnd und nimmt behutsam ein holzgeschnitztes
Tragtier, mit Maschinengewehr und
Tornister beladen, von einem Regal... „Das
war mein Pferdl im Weltkrieg, das habe ich
verewigt, es steht in Bronze im Heeresmuseum."
Wir bewundern noch eine ausgezeichnete
Führerbüste, die, aus Holz geschnitzt, in Graz
ausgestellt ist, und schließlich eine neue Arbeit
Haberls, eine in ihrer Bewegung, Kraft und
Ausdrucksfähigkeit ausgezeichnete Soldatenfigur,
einen Granatenwerfer in Lebensgröße,
der nun in Gawenstal bei Wolkersdorf [Gaweinstal] aufgestellt
und feierlich enthüllt wurde.
Wirklich, es lohnt sich, den Künstler und sein
originelles Heim aufzusuchen. M. B. R.
Die Grabstelle (auf Friedhofsdauer) befindet sich am
Hietzinger Friedhof (Gruppe: 4, Nummer: 46).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: www.nikles.net, GuentherZ unter der Lizenz CC BY-SA 3.0.,
Neues Wiener Journal vom 13.6.1926, Seite 12,
Neue Freie Presse vom 29.9.1926, Seite 10,
Reichspost vom 20.10.1929, Seite 11,
Das Motorrad vom 1.3.1931, Seite 72,
Salzburger Chronik für Stadt und Land vom 27.9.1934, Seite 6,
Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) vom 9.11.1936, Seite 13,
Das kleine Volksblatt vom 24.9.1937, Seite 8,
Das kleine Volksblatt vom 1.9.1938, Seite 9,
Das kleine Volksblatt vom 7.8.1940, Seite 7.