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Die Bundeshauptstadt

Person - Sepp Haberl-Calo

Sepp Haberl-Calo, eigentlich Josef Haberl-Calo (* 27.12.1888 in Graz, † 28.07.1955 in Wien) war ein österreichischer Bildhauer. Sein Werk umfasste Steinskulpturen und Bronzeplastiken im öffentlichen Raum, Bilder sowie Radierungen.

Von 1921 bis zu seinem Tod im Jahr 1955 lebte und arbeitete er im Hofpavillon Hietzing.

Werke (unvollständig):
Marienstatue am Hietzinger Friedhofs
Grabdenkmal "Zehetner" am Friedhof Penzing
Bildnis der Filmdiva Lucy Doraine
Porträtbüste aus Marmor des Publikumslieblings Hubert Marischka
1921: Pietágruppe "Christis Grablegung" (Rom-Preis)
1922: "Weiblicher Narziß" auf der Ausstellung der Genossenschaft bildender Künstler Steiermarks von Sepp Haberl (Grazer Tagblatt vom 18.5.1921, Seite 2)
1922: Kriegerdenkmal Mauer am Maurer Hauptplatz in Wien-Mauer
1923: Erinnerungsmedaille zum 50-Jahr-Jubiläum der Feuerwehr Mauer in Wien am 5.8.1923 (Vorderseite: Feuerwehrmann, der eine ohnmächtige Frau aus einem brennenden Haus trägt, Rückseite: Ortsgemeindewappen). Die Prägung erfolgte im Wiener Münzamt. (Illustrierte Kronen Zeitung vom 3.8.1923, Seite 6)
1924: Castrol-Wagenplakette in Bronze (Alföd-Alpenfahrt), Inschrift: "Mit Castrol punktelos in der Alföd-Alpenfahrt", Fa. Anton Karner, 8., Ledererg. 17, ausgeführt von Sepp Haberl-Calo (Der Tag vom 28.6.1924, Seite 10)
1926: Reliefs im Stadttheater von den Komponisten Franz Lehár, Bruno Granichstaedten, Leo Fall, Oscar Straus und Emmerich Kálmán (siehe auch Paula Kálmán) von Bildhauer Sepp Haberl (Neue Freie Presse vom 29.9.1926, Seite 10)
1929: Fassade der Piaristenkirche "Maria Treu" (Reichspost vom 20.10.1929, Seite 11)
1931: Kriegerdenkmal in der Graf-Radetzky-Kaserne
1931: Büste des Rennfahrers 'Charlie' Dodson, auf Anregung von Anton Karner, ausgeführt von Bildhauer Sepp Haberl-Calo (Das Motorrad vom 1.3.1931, S. 72)
1934: Bronzeplastik des Kriegerdenkmals Gaweinstal
1934: Dollfuß-Denkmal in Klosterneuburg, Entwurf und Ausführung (Salzburger Chronik für Stadt und Land vom 27.9.1934, Seite 6)
1934: Dollfuß-Denkmal in Pitten, Enthüllung 18.11.1934 (Wiener Neustädter Zeitung vom 24.11.1934, Seite 6 und 7)
1936: Kriegerdenkmal in der Penzinger Pfarrkirche (Neues Wiener Tagblatt, Tages-Ausgabe, vom 9.11.1936, Seite 13)
1937: Grabmal für Leutnant i. d. Reserve Viktor Schrammel († 1916), Isonzokämfer, Bestattungsdatum: 23.09.1937, am Zentralfriedhof, Gruppe: 34 A, Reihe: 7, Nummer: 3 (Das kleine Volksblatt vom 24.9.1937, Seite 8)
1937: Pinguinburg nach den Plänen von Haberl-Calo im Tiergarten Schönbrunn (Kleine Volks-Zeitung vom 20.1.1937, Seite 3)
vor 1938: Felsenanlage im Seelöwengehege im Tiergarten Schönbrunn
1938: Künstliche Felsgrotte für die Steinbockzucht im Tiergarten Schönbrunn (Das kleine Volksblatt vom 1.9.1938, Seite 9)
1949: Büste des Schulreformers Otto Glöckel in der gleichnamigen Otto-Glöckel-Schule in Hietzing
1954: Steinskulptur (Putto mit Seehund) im Tiergarten Schönbrunn

Neues Wiener Journal vom 13.6.1926, Seite 12: Der Hofpavillon als Werkstatt. Ein Besuch beim Bildhauer Sepp Haberl. Von Dr. Ludwig W. Abels. Es gibt im Großstadtleben Augenblicke, wo man der Wildwestromantik näher steht als in den Urwäldern und Prärien Amerikas. Solch ein Moment war's, als ich einige Monate nach dem unglücklichen Kriegsende, den Stationsbau wieder betrat, den der geniale Otto Wagner im Zuge der Stadtbahnanlagen nächst dem Schönbrunner Schloß für die private Benutzung des Kaisers Franz Josef und seiner Suite errichtet hatte. Während die weiß-grünen Pavillons am Karlsplatz ihrem Erbauer keine besondere Ehre eingebracht haben (der Volksmund benennt sie, nicht mit Unrecht, „Papageienhäuseln"), gehört der Hofpavillon an der Ostseite der Haltestelle Hietzing, der einst während der Sommermonate auch für Fernfahrten des Kaisers in Verwendung kommen sollte (Kaiser Wilhelm ist damals zum Besuche seines Freundes dort ausgestiegen), zu den reiz- und geschmackvollsten Leistungen des einst viel umstrittenen Architekten. Sowohl die Außenerscheinung mit dem dominierenden, ans Barock anklingenden Kuppelbau und der schön geschwungenen Anfahrt, wie auch die bis ins Kleinste gediegen ausgeführte Innenausstattung waren damals Musterstücke. Wagner hat jedes Detail, auch die Form und Ornamentik der Fenster, der Wandbespannungen, des Teppichs, der metallenen Appliquen selbst entworfen und sorgfältig durchgezeichnet; ich besitze, als Geschenk Otto Wagners einige dieser Entwürfe. Und für die technische Ausführung sind als Materialien Sammt und Seide, Palisanderholz und griechischer Marmor verwendet worden. Als nun im Herbst 1918 so plötzlich die frühere Staatsform zerschlagen wurde, stürzte sich der beutegierige Pöbel besonders auf dieses einsam gelegene und schwer zu bewachende Bauobjekt. Während das Schloß Schönbrunn, innerhalb der Parkmauern und Gitter gelegen, auch seine ausreichende Besatzung hatte, wäre dieser schmucke Hofpavillon, zwischen der offenen Straße und der Bahntrasse respektive dem Wienflußbett gelegen, nur durch ein stärkeres Polizeiaufgebot zu sichern gewesen; und das konnte man in jener Zeit (wohl auch heute) schwer zur Verfügung halten. Es wurden zwar die Tore des Pavillons geschlossen und das niedrige Gitter der Anfahrt sowie die Stiegenaufgänge vom Perron aus abgesperrt. Aber die Strolche, die sicher wertvolle Schätze in dem Häuschen vermuteten, kletterten an den Semaphoren der Stadtbahnstaiion bis zum Kuppeldach hinauf, schlugen die ovalen Oberlichten ein und ließen sich von da mit Stricken in den Wartesaal des Kaisers hinab. Alle Luster, Schnallen, elektrischen Birnen, Schnüre ec. wurden von den Dieben abgeschraubt, abgerissen, mitgenommen. Der Pavillon selbst avancierte bald zum beliebtesten Nachtquartier für Unterstandslose. Mehrmals hat die Polizei dort lang gesuchte Verbrecher erwischt. Da die Leute aber meist mit Gewehren, Revolvern, Messern bewaffnet waren und es oft zu blutigen Gefechten kam, bei denen sich die Eindringlinge leicht verschanzen und verteidigen konnten, entschloß sich der Bund in Uebereinstimmung mit der Bezirksleitung und der Bahnverwaliung, das Objekt zu vermieten: der neue Hausherr würde sich dann eben selbst zu verteidigen haben. Dieser neue Hausherr nun wurde und ist der bekannte Bildhauer Sepp Haberl, von dem zahlreiche schöne Grabdenkmäler aut dem Hietzinger und Zentralfriedhof stammen (davon wird noch die Rede sein) und der auch bei der jüngsten viel erörterten, durch die Schloßhauptmannschast äußerst sachgemäß durchgeführten Renovierung des Schönbrunner Schlosses die schwierige Wiederherstellung aller figuralen und ornamentalen Plastiken zu besorgen hatte. Haberl, ein geborner Grazer, der hier bei Professor Bitterlich studierte, hat bei der Ausschreibung des Bauwerks im Jahre 1921 unter vielen Bewerbern den Sieg errungen. Zunächst aus künstlerischen Gründen, denn er hatte kurz vorher für eine schön gedachte und edel durchgeführte Pietágruppe den Rom-Preis erhalten; dann aber auch wegen verschiedener praktischer Vorzüge: er war selbst „gelernter" Tischler und Maurer, verfügte über die erforderliche Courage, und da der Bund ja einen Bewohner suchte, der den Pavillon sowohl instand zu setzen wie auch zu erhalten und zu verteidigen verstände, so fiel die Wahl auf diesen tapferen Künstler. Nun lesen seit fünf Jahren die Spaziergänger beim Passieren des Pavillons die in grünen Buchstaben auf die Außenwand ausgetragene Inschrift „Sepp Haberl, akademischer Bildhauer". Wenn ich im folgenden einen Besuch in diesem „Hofatelier" und die Arbeiten des Künstlers schildere, so wird das hoffentlich nicht die wenig vergnügliche Wirkung haben, daß die Herren Strolche und Einbrecher von Anno dazumal sich dieses ihres Lieblingsstammquartiers erinnern und, von Sehnsucht gepackt, dahin zurückkehren. Haberl als gedienter Soldat hat zwar einen förmlichen Sicherungsdienst eingerichtet: gegen das Wienbett hat er Drahtverhaue angelegt, der Vorplatz und Garten werden durch zwei scharfe Polizeihunde, Rolli und Liesl, bewacht, von denen der erstere einmal vertilgt werden sollte, weil er ein Gehöft in Mauer bewachend einen Eindringling beim Genick „gefangen" hatte. Haberl, der gerade zu der Zeit das Kriegerdenkmal in Mauer ausführte, hat den Hund dort kennen und schätzen gelernt. Trotzdem gibt es — noch immer! — bei Sepp Haberl kaum eine ruhige Nacht. Er hat sich den früheren Entreeraum als Schlafkammer eingerichtet; Revolver und Büchse liegen neben dem Bett, und wenn verdächtige Schritte, Stimmen, Geräusche von Feilen und Brechstangen vernehmbar werden, ist der Hausherr schon durchs Oberfenster draußen, gibt einen Alarmschuß für die im Schönbrunner Nebengebäude dislozierte Polizei ab und bedroht seine „Gäste" von außen, von der Straße her. Da Sepp Habeil im zugehörigen Gartengrundstück noch einen Holzbau, eine Werkstatt für die größeren Steinmetzarbeiten aufgeführt hat, um den schönen Hauptbau zu schonen, gelten die nächtlichen Besuche auch diesem Atelier und es sind ihm wiederholt Geräte und Werkzeuge von dort — auf Schubkarren und Streifwagerln! — weggeschleppt worden. Es gehören starke Nerven und „ein guter Magen" dazu, diese Existenz auf die Dauer zu führen. Aber bei Tag ist dieses Lokal eine so ideale Bildhauerwerkstätte und — da der Künstler vielfach für Hietzinger Besteller zu tun hat — so günstig gelegen, daß Herr Haberl gerne alles Ungemach trägt und alle Abenteuer mitmacht. Im übrigen hat er sich durch seine Gastfreundschaft und Jovialität unter den „Faßtipplern", Wasserern und Pennbrüdern viele Freunde und unbesoldete Aufpasser geschaffen. Sommer und Winter wird nämlich die durch Gitter abgeschlossene, gedeckte Auffahrt des Pavillons als Nachtasyl von Unterstandslosen und Freiluftfanatikern gern benutzt. Haberl liegt nebenan, drinnen natürlich. Und hört, wie sich die „Schlafkameraden" Zeitungspapier als Bettuch ausbreiten, wie sie im Winter den Schnee von ihrem Lager wegkehren, sich um die „besten Plätze" raufen, wie sie auf die Regierung schimpfen und die Gastwirte beschuldigen, heutzutag sogar den „Hansel" zu verkaufen, so daß für ihre durstigen Kehlen keine Neige mehr übrigbleibt. Morgens zwischen vier und fünf „verziehen" sich die Gäste meist, weil sie zur Klostersuppe in Mariahilf rechtzeitig eintreffen wollen. Wenn der Ateliergehilfe Haberls dann den Vorplatz auskehrt, findet er allerhand „Reste"; manchmal — wenn auch die holde Weiblichkeit an dem Nachtlager von Granada teilgenommen hatte — liegen ausgerissene Haarbüschel, Zähne, defekte Korsetts und Damenschuhe auf der Walstatt umher. Doch genug der „Romantik". Wir wollen die Arbeiten des Künstlers besichtigen. Ist doch die Energie der Lebensführung, so wichtig sie heute sein mag, nicht das entscheidende Kriterium der Künstlerschaft. Aber auch in den Werken Haberls, die ich bisher sah und in all dem was die Pavillonwerkstätte birgt, spricht uns eine unverbrauchte, unverkümmerte Kraft an. Die jungen Künstler fangen ja heute leider zumeist vor dem Spiegel an: wie steht mir diese Pose? — Sie „stilisieren" ohne innere Nötigung, nach allen exotischen Mustern. Nichts davon bei Haberl; er ist Naturmensch auch beim Schaffen, und doch atmen diese Dinge zumeist modernes Leben, sie haben Eigenart und jenes „je ne sais quoi". das andere durchs verfluchte Stilisieren nur Vortäuschen! Diese „Pietá", die den Rompreis erhielt, ist groß, einfach, voll Empfindung, schön in der Bewegung. Dabei nichts von Michelangelo, von Rodin, von Hanak Erborgtes. Oder ein Brunnenmodell mit zierlicher Mädchenfigur. Eine Seherin mit emphatischer Gebärde, die aber selbstverständlich und wahr ist. Die Grabmonumente, sonst zumeist Schablonenarbeit, wirken bei Haberl individuell. Da ist die so früh Hingeschiedene erste Frau des Sängers Marischka, — die Tochter Viktor Leons —; da ist ein Monument für den Komiker Eisenbach, für Professor Stanzl; wohl zwanzig an der Zahl, alles voll ernster Empfindung (Hietzinger Friedhofs). Auf dem Zentralfriedhof die beiden als Mädchen gestorbenen Töchter des Feldmarschalleutnans Gerstenberger-Reichsegg, die Frau des Ingenieurs Mandl und andere. Manches kann ich nur in Photographie sehen, so das Bildnis der Filmdiva Lucy Doraine usw. Als letzte Arbeit, eben beendet und noch nicht abgeliefert: die marmorne Porträtbüste des Publikumslieblings Hubert Marischka, ein seines Profil voll Leben und Temperament. Auch dieses Lieblings Liebling, den Knaben Georg, von den ungarischen Verwandten Gyurikam, in Wien Schurli genannt, hat Haberl porträtiert; eine mächtige Korkzieherlocke baumelt dem hübschen Knaben kokett in die Stirne hinein. — Die Mutter des Librettisten Reichert, eine Terrakottabüsie, ist gegenwärtig im Künstlerhaus zu sehen. Anderes ist noch im Stadium des Entstehens.— Rolli und Liesl kommen herbei, lieb und zutraulich, schleppen einen Stein, den man ihnen als „Apportel" weisen soll. Keine Spur von der nächtlichen Schneidigkeit! — Ich abschiede mich, um das häusliche Glück nicht zu stören.

Neue Freie Presse vom 29.9.1926, Seite 10: Wiedereröffnung zweier Wiener Theater. Gestern wurde das Wiener Stadttheater und heute werden die Wiener Kammerspiele nach längerer Pause unter neuen Direktionen wieder eröffnet. Das Stadttheater, das im Innern vollständig umgebaut ist, bietet ein elegantes und mondaines Bild. Das Foyer im Parterre hat eine zweite Kasse erhalten und darf als Rauchsalon benützt werden. Türen mit aparter Handbemalung führen in den Zuschauerraum, der in Rot und Gold gehalten ist. Ein geblumter Laufteppich bedeckt den Mittelgang. Die vordersten vier Orchestersitzreihen sind entfernt worden, um das Orchester vergrößern zu können. Ein Tanzsteg zieht sich zwischen dem Orchesterraum und der ersten Sitzreihe hin. Ein Stehparterre, Parterrelogen und ein Promenoir im ersten Rang wurden neu geschaffen. An der ersten Rangbrüstung sieht man die von Professor Sepp Haberl geschaffenen Reliefs von Lehar, Granichstaedten, Fall, Oskar Straus und Kalman. ...

Reichspost vom 20.10.1929, Seite 11: Die Piaristenkirche Maria Treu in neuem Gewande. Seit kurzer Zeit zeigt sich die Basilika Maria-Treu, eine der schönsten Kirchen Wiens, in funkelnagelneuem Gewande, das alle architektonischen Schönheiten dieses Bauwerkes erst recht zur Geltung kommen läßt. ... Der figurale Schmuck der Fassade erfuhr durch den jungen akademischen Bildhauer Sepp Haberl Calo' stil- und materialgerechte Restaurierung. Die Gesamtleitung der Renovierungsarbeiten, unter denen die prächtigen Vergolderarbeiten Franz Mayers besondere Hervorhebung verdienen, hatte der Josefstädter Architekt Rudolf Göd inne.

Das Motorrad vom 1.3.1931, Seite 72: Diese wohlgelungene Porträtbüste wurde anläßlich der Anwesenheit des berühmten Rennfahrers „Charlie“ Dodson, des mehrfachen. T. T.-Siegers, auf Anregung durch Herrn Anton Karner von dem bekannten Wiener Bildhauer Sepp Haberl-Calo ausgefünrt.

Salzburger Chronik für Stadt und Land vom 27.9.1934, Seite 6: Dollfuß-Denkmal in Klosterneuburg. Wien, 26. September. Am kommenden Sonntag wird in der altehrwürdigen Babenbergerstadt Klosterneuburg ein dem Andenken des großen Märtyrerkanzlers Dr. Engel­ bert Dollfuß gewidmetes Denkmal enthüllt und eingeweiht. Dieses Denkmal wurde am Dr. Dollfußplatz vor dem Rathause, von dessen Rampe der verewigte Kanzler am 25. März 1934 zum letzen Male zu den Klosterneuburgern gesprochen hat, errichtet. Entwurf und Ausführung stammen von der Meisterhand des Wiener akad. Bildhauers Sepp Haberl-Calo. Das Denkmal ist in der Mitte der Rathausrampe in einer mit Marmor ausgekleideten Nische aufgestellt. Es stellt den Kanzler im Hochrelief in der Uniform eines Kaiserschützenoberleutnants dar.

Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) vom 9.11.1936, Seite 13: (Kriegerdenkmalweihe in der Penzinger Pfarrkirche.) In der Pfarrkirche zu St. Jakob in Penzing wurde gestern die von den Vereinen der Pfarre Penzing mit dem Hilfs- und Schutzverein in Penzing an der Spitze gestiftete Gedenktafel für die im Weltkrieg gefallenen Soldaten der Pfarre Penzing enthüllt. Zur Feier waren eine Ehrenkompagnie des Infanterieregiments Nr. 4 sowie die Vereine und Kameradschafts- und Kriegerverbände der Pfarre Penzing ausgerückt. Nach der von Franziskanerpater Klemens Kinninger zelebrierten Messe begrüßte der Obmann des Kriegerdenkmalkomitees der Pfarre Penzing Verwalter Bauer die Festgäste. Altkanzler G. d. I. Vaugoin als Protektor der Feier schilderte in seiner Ansprache das Wiedererstehen des vaterländischen Gedankens und die Wertschätzung der Soldaten. Er forderte auf, den toten Helden die Treue zu bewahren und dankte denen, die sich um die Errichtung der Gedenktafel verdient gemacht haben. Unter den Klängen des „Guten Kameraden" sank die Hülle des Denkmales, eines Werkes des Bildhauers Sepp Haberl-Calo, das in Goldbuchstaben die Namen der gefallenen Söhne Penzings eingraviert trägt. Pfarrer geistlicher Rat Selinka nahm das Ehrenmal in die Obhut der Gemeinde. Mit einer Defilierung der ausgerückten Formationen vor den Ehrengästen schloß die Feier.

Das kleine Volksblatt vom 24.9.1937, Seite 8: Beisetzung eines Isonzokäpfers. Gestern nachmittag ereignete sich der seltene Fall, daß ein im Weltkrieg gefallener Offizier von seinen ehemaligen Kameraden heimgeholt und unter militärischen Ehren in der Heimaterde beigesetzt wurde. Leutnant i. d. Reserve Viktor Schrammel des ehemaligen Schützenregiments Nr. 1 war im Jahre 1916 in der 6. Isonzoschlacht im Kampf um die Podgora bei Görz gefallen und wurde in der Nähe seines Todesortes begraben. Die Offizierskameradschaft des ehemaligen Schützenregiments Nr. 1 ließ den gefallenen Kameraden enterdigen und brachte die sterblichen Ueberreste nach Wien. Hier wurde der Sarg in der Lueger-Kirche aufgebahrt. Die Kriegsflagge S. M. S. Novara", der Stahlhelm und der Säbel des Gefallenen bedeckten den Sarg, der von sechs Offizieren der Kameradschaft als Ehrenwache flankiert war. Zum Begräbnis hatten sich die Schwestern des Gefallenen, Divisionär Generalmajor Stümpfl in Vertretung des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg und des Staatssekretärs Generalmajor Bornemann für den Militärkommandanten, Direktor. Rat der Stadt Wien Dr. Weiland, in Vertretung des Bürgermeisters, Oberst Reitermann vom Platzkommando, General Kainz für die Soldatenfront, Präsident Major Fey, General Schuschnigg, Oberst Kalliany als ehemaliger Regimentskommandant, Oberstleutnant Grill für die Polizeidirektion, Regierungsoberkommissär Scharnitzer für die niederösterreichische Landesregierung, für die Heimatgemeinde Gänserndorf Direktor Schmid, Karner und Dutsch, sowie zahlreiche Abordnungen von Kameradschaftsverbänden und Offiziersabordnungen des Bundesheeres eingefunden. Das JR. Nr. 2 hatte eine Ehrenkompanie mit Musik gestellt. Feldkurat Professor Brandmayer nahm in der Lueger-Kirche die feierliche Einsegnung vor, worauf sich der Kondukt zum Grabe bewegte. Nach neuerlicher Einsegnung hielten Professor Brandmayer, Oberleutnant Baszista als Vorstand der Offiziersvereinigung ehemaliger Einserschützen, und ein Vertreter der Ortsgemeinde Gänserndorf dem toten Helden herzliche Nachrufe. Mit den Klängen des Liedes vom guten Kameraden und der Generaldecharge fielen die ersten Schollen in das Grab, das in Kürze mit einem vom akademischen Bildhauer Sepp Haberl-Calo seinem einstigen Kameraden gespendeten Grabmal geschmückt werden wird.

Das kleine Volksblatt vom 1.9.1938, Seite 9: Neuerungen im Schönbrunner Tiergarten. Die Schönbrunner Steinbockzucht ist seit jeher weltberühmt. Um den Tieren, die besonders felsige Wiesen für ihre Kletterkünste bevorzugen, noch mehr als bisher Gelegenheit zu gehen, die natürliche Umwelt wie in der Freiheit nicht zu vermissen, ist man eben daran, gegenüber dem neuen Ententeich ein neues Gehege für die Steinböcke zu schaffen. Es umfaßt rund 1500 Quadratmeter. Auf dieser Flüche befindet sich ein kleines Wäldchen, weiter eine künstliche Felsgrotte und auf den Wiesenflächen zahlreiche Felsblöcke, auf denen sich die Tiere mit ihren Sprüngen ergötzen können. Die ganze Anlage wurde vom akademischen Bildhauer Sepp Haberl Calo ausgeführt, der auch schon die Felsenanlage im Seelöwenbehälter durchführte. Dieser Behälter erhält übrigens derzeit eine neue Betongrundfläche, die mehr als bisher gegen die Mitte geneigt ist, um eine bessere Reinigung zu ermöglichen. Im Anschluß an das Seelöwengehege ist auch die Schaffung einer neuen Pinguinenanlage und eines Fischotterbehälters geplant. Bild: Schöftal-Sturm.

Das kleine Volksblatt vom 7.8.1940, Seite 7: Die Muse im verwunschenen Schlössel. Ein Künstlerheim im Stadtbahnviadukt Schönbrunn — Eine Station, an der der Zug nur ein- oder zweimal gehalten hat. Mitten im Grünen liegt der kleine Barockpavillon, wie ein verwunschenes Schlössel. Unterhalb flitzen wohl die Stadtbahnzüge stadt- und hütteldorfwärts, aber rundum grünt es. Die gelbe Mauer des Schönbrunner Parkes, die hohen alten Bäume jenseits der Schönbrunner Schloßstraße und drüben die Bäume vom Hadikpark geben dem originellen Künstlerheim ein heimliches, molliges Gepräge. Die Stadtbahn-Einsteigstelle Kaiser Franz Josefs, die für ihn erbaut und nur ein- oder zweimal benützt worden ist, findet eine wunderbare Verwendung. Günstig gelegen an der Hietzinger Brücke, trocken, gesund, im Winter wohl etwas „kühl", wie der Besitzer dieser Märchenpavillonwohnung, Sepp Haberl-Calo, versichert, aber sonst ideal. Ein großer, wunderschöner Wolfshund, Haberls Kamerad und sein einziger Mitbewohner, bellt den Besucher erst sehr mißtrauisch, dann freundlich genehmigend an. Zu sehen gibt es ein kleines, schmales Gärtchen, sogar einen netten, peinlich sauber gehaltenen Gemüsegarten, einen Schuppen mit Geräten aller Art und einen größeren Holzbau, den Haberl-Calo selbst aufstellen ließ und in dem seine Bildhauerwerkzeuge, Plastiken, großen Figuren, Ton- und Steinklumpen kunterbunt durcheinander stehen. Und dann die Wohnung! Durch eine große, eisenbeschlagene Glastür kommt man in einen hohen, großen, runden Raum mit einer holzverschalten, gewölbten Zimmerdecke. Alte Möbel sind da, tickende alte Uhren und da­ zwischen die wunderbaren Plastiken und Werke des begabten Bildhauers. „Wie ich zu der Wohnung gekommen bin? Sehen Sie dort..." Haberl führt die Besucher zu einer wunderbaren überlebensgroßen Gruppe „Christis Grablegung". Dafür bekam ich den Rompreis, und später wird es in Marmor ausgeführt. 1921 bewarben sich 78 Leute um die Kaiser-Franz-Josef-Einsteigstelle. Mir wurde sie, sicher a conto des Staatspreises, zugesprochen. Ich wohne nun 18 Jahre da." Es gibt natürlich kein Gas und keine Oefen. „Aber ich habe mir schon geholfen. Dort, sehen Sie, wohne ich." Haberl zeigt ein nettes, kleines Nebenzimmerl, in dem ein Baldachinbett, eine gemütliche Sitzgarnitur und ein Petroleumöferl stehen „Und hier" — wieder öffnet Haberl eine Tür zu einem kleinen Kammerl — „habe ich mir erst einen Spiritusherd und nun einen richtigen Herd aufgestellt. Um 11 Uhr kommt jemand, der mir und meinem Rolli kocht."

„Mein Pferdl aus dem Weltkrieg" Und nun sieht man gebannt und begeistert die wunderbaren Fresken, Bilder, Radierungen, entzückenden Holzschnitzereien, die hier oder in einer größeren Werkstatt, nahe der Wohnung Haberls, geschaffen worden sind, zwei Kasten, in dem eine ganze Bauernszene, „Werbung" und „Hochzeit", dargestellt sind, und viele, kleine Figuren, die in Bewegung und Form einfach wundervoll sind. „Und das ist mein Stolz," sagt Haberl lächelnd und nimmt behutsam ein holzgeschnitztes Tragtier, mit Maschinengewehr und Tornister beladen, von einem Regal... „Das war mein Pferdl im Weltkrieg, das habe ich verewigt, es steht in Bronze im Heeresmuseum." Wir bewundern noch eine ausgezeichnete Führerbüste, die, aus Holz geschnitzt, in Graz ausgestellt ist, und schließlich eine neue Arbeit Haberls, eine in ihrer Bewegung, Kraft und Ausdrucksfähigkeit ausgezeichnete Soldatenfigur, einen Granatenwerfer in Lebensgröße, der nun in Gawenstal bei Wolkersdorf [Gaweinstal] aufgestellt und feierlich enthüllt wurde. Wirklich, es lohnt sich, den Künstler und sein originelles Heim aufzusuchen. M. B. R.

Die Grabstelle (auf Friedhofsdauer) befindet sich am Hietzinger Friedhof (Gruppe: 4, Nummer: 46).

Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: www.nikles.net, GuentherZ unter der Lizenz CC BY-SA 3.0., Neues Wiener Journal vom 13.6.1926, Seite 12, Neue Freie Presse vom 29.9.1926, Seite 10, Reichspost vom 20.10.1929, Seite 11, Das Motorrad vom 1.3.1931, Seite 72, Salzburger Chronik für Stadt und Land vom 27.9.1934, Seite 6, Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) vom 9.11.1936, Seite 13, Das kleine Volksblatt vom 24.9.1937, Seite 8, Das kleine Volksblatt vom 1.9.1938, Seite 9, Das kleine Volksblatt vom 7.8.1940, Seite 7.



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