Person - Josef von Benczur
Josef von Benczur, Offizier, FML., † 26.04.1846, Bestattungsdatum: 28.04.1846 im 87. LJ., zuletzt wohnhaft: 1., Singerstraße Nr. 898.
Militär-Laufbahn:
29.11.1812: Generalmajor
08.02.1823: Feldmarschalleutnant
Wiener Zeitung vom 30.4.1846, Seite 5:
Den 26. April.
Der wohlgeborne Herr Joseph v. Benczur, k. k.
Feldmarschall-Lieutenant in Pension, Großkreuz des königl.
Sardin. St. Mauritz- und Lazarus-, und Commandeur
des Civil-Verdienst-Ordens der königl. Bayer. Krone
zweyter Classe, dann zweyter Inhaber des Inf- Reg.
Nr. 34 und Honorar-Gerichtstafel-Beysitzer des Borsoder
Comitats, alt 87 J., in der Singerstraße Nr. 898,
an der Lungenlähmung.
Der Humorist vom 1.5.1846, Seite 3:
Kleine Stadtpost.
Den 28. April 1846, Nachmittag 5 Uhr, fand die
Beerdigung des im 87. Lebensjahre im Pensionsstande
verstorbenen k. k. Feldmarschall-Lieutenants Herrn
Joseph von Benczur Statt. Durch selben verlor die k. k.
Armee, in welcher er durch 53 Jahre in Aktivität mit
unermüdeter Thätigkeit im Kriege und im Frieden
diente, einen der verdienstvollsten Veteranen. Zu Käsmark in Ungarn [heute Slowakei] geboren, der Sohn des berühmten
ungarischen Gelehrten und Historiographen Joseph von
Benczur, erhielt Benczur seine erste militärische
Bildung in der k. k. Ingenieur-Akademie zu Wien,
trat sehr frühzeitig in k. k. Kriegsdienste, und wohnte
im Türkenkriege schon damals als Oberlieutenant im
k. k. Ingenieur-Korps der Belagerung von Belgrad
bei, wobei er sich, so wie in 15 von ihm mitgemachten
Feldzügen stets durch militärische Talente und persönliche
Tapferkeit ausgezeichnet hat. Benczurs, streng
rechtlicher und schlichter Charakter, seine angeborne
Herzensgüte und freundliche Bereitwilligkeit, Jedermann
nach Kräften zu nützen, erwarben ihm die allgemeine
Hochachtung und innige Verehrung aller seiner
Untergebenen, daher auch sein Verlust von seinem eigenen
ungarischen Linien-Infanterie-Regimente Prinz
von Preußen Nr. 34, welches ihm von Se. Majestät
dem Höchstseligen Kaiser Franz in allergnädigster Anerkennung
seiner vielen Verdienste als erster Inhaber
im Jahre 1827 huldreichst verliehen wurde, auf das
Tiefste betrauert wird. Stets auf seine wissenschaftliche
Ausbildung bedacht, beschäftigte sich Benczur noch in
seinem hohem Alter fortwährend mit gelehrten Studien
in verschiedenen wissenschaftlichen Zweigen, und besas
somit einen wahren Schatz von Kenntnissen, welche noch
durch sein reiches Gemüth, durch seine Bescheidenheit
und Anspruchslosigkeit im Umgange geziert wurden. Die
Anerkennung aller dieser seltenen und vorzüglichen
Eigenschaften Benczurs zeigte sich auch bei seinem
Begräbniß, welchem Se. k. k. Hoheit der durchlauchtigste
Erzherzog Albrecht, kommandirender General in
Nieder-Oesterreich, Se. königl. Hoheit der Hr.
Feldmarschall-Lientenant Prinz Wasa, eine große Anzahl
der hier befindlichen hohen Generalität, unter welchen
mehrere der alten Kriegsgefährten Benczurs aus
dem Türkenkriege, nebst Stabs- und Oberoffizieren
aller Waffengattungen, und viele seiner Verehrer aus
allen Ständen zahlreich beiwohnten. Den Kondukt führte
der Herr Feldmarschall-Lieutenant Graf Gyulay unter
dessen Kommando der Herr General-Major Ritter
von Hayek das Grenadier-Bataillon Richter, ein
Bataillon Hrabovszky Infanterie, die Grenadier-Division
des dem Verstorbenen eigenen ungarischen
Infanterie-Regiments Prinz von Preußen Nr. 34, eine
Division von Kaiser Nikolas Husaren mit 4 sechspfündigen
Kanonen ausrückten. Die den Verstorbenen gebührenden
Ehrensalven wurden auf der Esplanade nächst dem
Verbrennhause abgefeuert, der Leichenwagen jedoch von
einer Eskadron Nikolaus Husaren auf dem
St. Marxer Friedhof begleitet.
Die Grabstelle befindet sich am
St. Marxer Friedhof (
Position 113b).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: www.nikles.net, Wiener Zeitung vom 30.4.1846, Seite 5, Der Humorist vom 1.5.1846, Seite 3.