Person - Georg Pigall
Georg Pigall, Steirischer Musiker, Zitherspieler und "Natursänger", * 08.01.1818 (Taufe) in Ulrichskirchen 55 (
Niederösterreich),
† 25.11.1857, Bestattungsdatum: 27.11.1857, 39 Jahre, zuletzt wohnhaft 4., Wieden 961.
Georg Pigall war ein bekannter steirischer Kunst-Natursänger (Jodler) und Zitherspieler,
der vor allem als geschätzter Jodler und Volksmusiker wirkte. Er wurde europaweit für seine Darbietungen geschätzt.
In Antiquariaten oder Musikarchiven sind zuweilen Alben zu finden,
die Zeugnisse und auch Empfehlungsschreiben seiner künstlerischen Tätigkeit dokumentieren.
Ende 2024 konnte ein interessantes handschriftliches Album von
Georg Pigall, für das Archiv des Österreichischen Volksliedwerks erworben werden.
In den gesammelten 84 Empfehlungsschreiben sind in den Jahren
1839 bis 1857 seine Konzerttätigkeiten dokumentiert,
in denen er zahlreiche Höfe und Städte in Deutschland,
England, Frankreich, Belgien und Holland bereiste und
vor Königen (am Tuilerien-Palast vor Louis Philippe I.) und Fürsten, auf Hofbühnen und Theatern, musizierte.
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 9.3.1846, Seite 4:
Der Sänger Pigall, genannt die »Alpenflöte,"
eine merkwürdige Erscheinung im Gebiete des Alpengesanges, wird
dem nächst einige Productionen seiner Stimmbegabungen im
Theater in der Josephstadt geben. Pigall hat am Rhein, in England,
in Paris, in den Tuilerien vor Louis Philipp mit großem
Erfolge und glänzender Auszeichnung gesungen!
Wiener Zeitschrift vom 18.4.1846, Seite 3:
Konzert des Sängers Pigall.
Man sage noch, daß das Leben eines Musikkritikers monoton sei! Kann man
sich eine größere Abwechslung denken, als heute über „Don Juan," morgen über
„Ernani," eine Woche über ein Spirituel-Konzert, und die nächste über den Sänger
Pigall zu schreiben? Les extrêmes se touchent [
Die Extreme berühren sich, Aussage vom französischen Schriftstellers Louis Sebastian Mercier]. Wie sich nur Herr Pigall
aus den bescheideneren Lokalen, in denen er sonst gewirkt haben mag, in
einen Konzertsaal verirrte? Je nun, das Publikum und die Journalistik kennen
oft gar nicht die edlen Gründe, die derlei Individuen bewegen, sich der Oeffentlichkeit
Preis zu geben, zu riskiren, die Kosten zu bezahlen und hinterdrein von
den Zeitungen getadelt zu werden. Diese Art Konzertgeber sind weit entfernt, sich
mit irgend einem Künstler gleichen Faches in Vergleich zu stellen; sie wissen recht
gut, daß an ihnen nichts ist, und aus ihnen nie Etwas werden wird, allein sie kalkuliren
ungefähr so: Ich brauche Geld, und kann mir keines verschaffen, als indem
ich ein Konzert gebe, das Publikum, d. h. meine Bekannten, mögen dafür büßen,
daß Ebbe in meinem Beutel ist. — Steigt diesen Konzertgebern irgend ein leiser
Zweifel auf, ob sie auch die Fähigkeit besitzen, als Gesangs- oder Instrumentalvirtuosen
aufzutreten, so fallen ihnen gleich die Herren X, D und Z ein, die auch
Konzerte gaben, und an deren Kunst eben auch nicht viel ist. „Geben so Viele
Konzerte, warum soll ich nicht auch eines geben?„ so lautet das Raisonnement,
und Publikum sammt Journalisten sind die Gefoppten. Verliert man auf diese
Art Geld und Zeit, so ist es nicht zu wundern, wenn man die Geduld auch noch
dazu verliert. Wir haben die Ueberzeugnng gewonnen, daß solche Fistulanten, wie
der Lokalsänger Pigall, ohne musikalische, ja ohne sprachliche Bildung (wer
einmal Herrn Nestroy wienerisch-französisch sprechen hörte, der mag einen Begriff
von dem Accent unsers Konzertgebers haben) nicht in einen Konzertsaal gehören,
und also auch keine Kritik verdienen. Darum auch nicht ein Wort mehr über seine
Leistung, und nur einige Worte über den Verlauf dieses in jeder Beziehung
originellen Konzertes.
Herr Baron Klesheim war mit 2 Nummern (Lesungen österreichischer
Gedichte) annoncirt. Die beiden Piecen blieben aus. Weshalb? Wir wissen des
nicht, sondern nur, daß, wenn man eine öffentliche Verpflichtuug übernimmt, man
dieselbe erfüllen solle, ob das Auditorium aus 500 oder aus 50 Personen bestehe.
Eben so wenig, als über diese Vorträge, wurde das Publikum über die Weglassung
zweier Vokalquartette in Keuntniß gesetzt. Wir sahen nach dem Konzerte einen
uns bekannten Choristen eines Vorstadttheaters, der wahrscheinlich mitsingen sollte.
Recht so, Stolz ziemt dem Künstler, und wäre er auch nur Chorist. In dieser
Verlegenheit entschloß sich der Akkompagnateur Herrn Pigall's, ein junger, uns
onbekannter Mensch, ans Klavier zu treten, und eine Hugenotten-Phantasie (wahrscheinlich
eigener Arbeit) zu spielen. Der junge Mann verdient sehr viel Aufmunterung,
besonders als Spieler (als Komponist ist er sklavischer Nachtreter Thalbergs)
und wir wünschen ihn bei Gelegenheit unter günstigeren Umständen auftreten
zu sehen. Der Saal war sehr leer.
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 28.10.1857, Seite 7:
K.K. priv.
Josephstädter-Theater.
(Am 1. Mai.)- Production des Natursängers Hrn. Pigall.
--Dieser Mann im Tiroler-Costüm, dessen Dialekt
aber durchaus nicht mit demselben harmonirt, ließ bereits
einmal (wir glauben im Jahre 1845) seinen Naturgesang
innerhalb den Mauern Wiens erschallen. Der Erfolg, den
Hr. Pigall, der sich damals zum Uiberfluße die „Alpenflöte"
oder „österreichische Nachtigall" benamsete, errang,
war nicht nur ein zweifelhafter, sondern beinahe ein
in das Gegentheil von umschlagender. Der Natursänger,
der deutsch und französisch unnatürlich sang, ist im
Laufe der zwölf Jahre nicht besser geworden. Mit dem Beifalle
war er jedoch diesmal glücklicher; ein Beweis, daß das
Haus-Publikum eines Theaters stets harmloser werden kann.
Hr. Pigall producirte sich in den Zwischenacten; die Acte
bildete das Hahnreiter-Effectstück: „Geheimnisse von Wien."
Fremden-Blatt vom 28.10.1857, Seite 7:
3 Engeln,
Wieden Nr. 546. Morgen Donnerstag:
Gemüthliche Concert-Soirée
des steirischen Kunst-Natursängers und Zitherspielers
Georg Pigall,
welcher die Ehre hatte, sich an allen Höfen und bedeutendsten
Theatern Europa's produziren zu dürfen.
Anfang 1/2 8 Uhr. Eintritt 15 kr.
NB. Alles Nähere besagt das Programm.
Wiener Zeitung vom 29.11.1857, Seite 13:
Pigall Georg, Sänger, alt 39 J., Wieden Nr. 961, an Typhus.
Die Grabstelle befindet sich, laut
Hans Pemmer,
"links von
Diabelli,
am
St. Marxer Friedhof (
Position 205a).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: Matricula Online, Pfarre Ulrichskirchen, Taufbuch 01-07, 1810-1828, Seite 0029
->
Matricula Online,
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 9.3.1846, Seite 4,
Wiener Zeitschrift vom 18.4.1846, Seite 3,
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 28.10.1857, Seite 7,
Femden-Blatt vom 28.10.1857, Seite 7,
Wiener Zeitung vom 29.11.1857, Seite 13,
Matricula Online, Pfarre St. Karl Borromaeus, Sterbebuch 03-10, 1851-1859, Seite 0256 ->
Matricula Online.