Person - Cölestin Keppler
Cölestin Keppler (auch Zölestin Karl Josef Keppler), Universitätsprofessor, O.S.B., Theologe,
08.09.1784 in Munderkingen (Baden-Württemberg), † 11.03.1858 in Wien,
Besitzer der großen goldenen Ehrenmedaille. Zuletzt wohnhaft: 3., Landstraße Nr. 358.
Leben: Cölestin Keppler wurde am 8. September 1784 in Munderkingen im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg geboren
und trat am 14. September 1802 in den Benedictiner-Orden im Kloster Wiblingen,
in welchem er am 8. September 1805 die Ordensprofeß (Bekenntnis) ablegte.
1806 erfolgte die Auswanderung nach Österreich. Im 1807 dann die Priesterweihe.
1810 übersiedelte er nach Aufhebung seines Klosters zunächst nach Tyniec (Galizien),
dann in die Abtei Admont und lehrte an der theologischen Hauslehranstalt Kirchenrecht und Dogmatik.
Hier erflogte 1810 die Ernennung zum Professor der Religionslehre an dem philosophischen Institut zu Admont.
1817 legte er für Admont die Profeß ab, war von 1819 - 1822 Professor für Religionswissenschaften am Lyzeum in Graz und
1822 – 1842 ordentlicher Professor für Religionswissenschaften an der philosophischen Fakalutät der
Universität Wien.
Im Jahre 1842 trat Keppler, um seine durch Augenleiden angegriffene Gesundheit zu schonen, in den wohlverdienten Ruhestand.
Zum gleichen Zeitpunkt erfolgte auch die Verleihung der großen goldenen Zivil-Ehrenmedaille (16.07.1842).
Keppler war 20 Jahre Mitglied der Bücherzensur in Wien.
Cölestin Keppler verstarb am 11. März 1858 in Wien an Altersschwäche.
Salzburger Zeitung vom 12.8.1842, Seite 1:
Se. k. k. Majestät haben, mit allerhöchster Entschließung
vom 16. Juli d. J., den Professor der Religionswissenschaft
an der
Wiener Universität, Cölestin Keppler,
von seinem Lehramte zu entheben, und in gnädiger
Erwägung eines würdigen und verdienstlichen Benehmens
die große goldene Civil-Ehren-Medaille zu verleihen geruht.
Wiener Zeitung vom 16.3.1858, Seite 9:
Der hochw. Herr P. Cölestin Keppler, Kapitular des Benediktiner-Stiftes
Admont, Jubilarpriester, emerit. Religions-Professor an der k.k.
Wiener Universität und
Besitzer der goldenen Verdienst-Medaille, alt 75 J., Landstraße Nr. 358.
Grazer Zeitung vom 21.3.1858, Seite 3: (Teil 1)
Aus Graz und aus der Provinz.
P. Cölestin Keppler †.
Nekrolog.
Kaum waren die Trauerklänge über den Tod des
P. Castian von Ziegelauer verklungen, als das Stift Admont durch
das Hinscheiden eines seiner verdientesten Mitglieder abermals in
tiefe Trauer versetzt wurde. Am 11. d. M. hatte P. Cölestin
Keppler, emeritirter Professor der Religionswissenschaft an der
Hochschule zu Wien, sein Leben beschlossen. Keppler war am
8. September 1784 zu Munterkingen in Schwaben geboren, und
trat am 14. September 1802 in den Benedictiner-Orden im benachbarten
Kloster Wiblingen, in welchem er am 8. September 1805
die Ordensprofeß ablegte. Als dieses,
in den ehemaligen österreichischen Vorlanden gelegene, Stift im Jahre 1806
aufgehoben wurde, wanderte er mit seinem Abt, Ulrich Keck,
Prior Gregor Ziegler und mehreren Capitularen nach Oesterreich,
wo denselben die Erzabtei Tiniez in Polen mit dem Auftrage
eingeräumt wurde, an der Krakauer Universität die theologischen
Lehrkanzeln zu besorgen. Am 27. September 1807 feierte Keppler
sein erstes heil. Meßopfer und wurde bald darauf zum Novizenmeister
in Tiniez ernannt. Als aber 1809, in jener für Oesterreich
so bedrängnißvollen Kriegsepoche, Krakau an Sachsen
abgetreten werden mußte, und die Glieder des Stiftes Wiblingen
Tiniez zu verlassen genöthigt waren, suchten und fanden
diese in Oestereich theils auf öffentlichen Lehrkanzeln, theils in
Klöstern freundliche Aufnahme.
Keppler wendete sich mit noch drei anderen seiner Mitbrüder,
welche aber alle vor ihm die Schwelle der Ewigkeit betreten
haben, an das Benedictinerstift Admont. Der damalige Abt
Gotthard ernannte ihn 1810 zum Professor der Religionslehre
an dem philosophischen Institute zu Admont, wozu ihn seine
gediegenen theologischen Kenntnisse vollkommen befähigten.
Ueberdieß tradirte er gleichzeitig im Jahre 1811 das Kirchenrecht,
und von 1812 bis 1817 die Dogmatik an der theologischen
Lehranstalt zu Admont mit einer so eindringenden Gelehrsamkeit
und scharfsinnigen Dialektik, daß im Jahre 1817 der ehrenvolle
Ruf an ihn erging, die Lehrkanzel der Religionswissenschaft
an der philosophischen Facultät in Graz zu übernehmen. Als
Religionsprofessor wirkte er daselbst mit Auszeichnung durch fünf
Jahre, bis die Gnade Seiner Majestät ihn im Jahre 1822
mit dem nämlichen Lehramte an der
Wiener Universität
betraute. Durch volle 20 Jahre stand er diesem
Schwierigen und wichtigen Lehrfache an der Hochschule zu Wien
vor, ward in dieser seiner Wirkungssphäre noch überdies mit dem
Vertrauen der Censurhofstelle beehrt und von ihr als Büchercensor
bestellt, und trat im Jahre 1842, um seine durch Augenleiden
angegriffene Gesundheit zu schonen, in den wohlverdienten
Ruhestand. Keppler war auch als theologischer Schriftsteller
thätig, und seine in diesem Fache gelieferten Aufsätze
zeugen von gründlichem Wissen und umfassenden Kenntnissen.
Seine größeren Arbeiten sind folgende: „Zergliederung des Tridentinischen
Decretes von der Rechtfertigungslehre.“ Dr. Frints
theolog. Zeitschrift 8. Jahrg. 1. Band S. 94 bis 161 und 2.
Band S. 18 bis 51. „Geschichtlich dogmatischer Aufsatz über
den Glauben der Kirche an die göttliche Dreieinigkeit.“ Dr.
Frint's theolog. Zeitschrift 9. Jahrgang, 1. Band S. 3 – 80.
„Bemerkungen über die Frage: Wie offenbart die Kirche ihren
Glauben.“ Dr. Frint's theol. Zeitschrift, 9. Jahrgang 1. Band.
„Einiges über die zwei ersten Capitel des heil. Matthäus.“ In
Dr. Frints theol. Zeitschrift, 11. Jahrgang 2. Band, S. 321
bis 371.– „Ueber die Einigung der christlichen Kirchen mit
der Kirche zu Rom.“ Neue theol. Zeitschrift von Pletz, IV. Jahrgang, 1. Heft.
In huldvoller Anerkennung der Verdienste, die sich Keppler
sowohl in fruchtbarer Lehrthätigkeit, als in schriftstellerischen Arbeiten
erworben hatte, wurde daher auch dessen Brust von Seiner
Majestät Kaiser Ferdinand I. mit der großen goldenen
Ehrenmedaille geziert. (Schluß folgt)
Grazer Zeitung vom 24.3.1858, Seite 3 (Teil 2):
Aus Graz und aus der Provinz.
P. Cölestin Keppler †.
Nekrolog. (Schluß)
Kepplers Persönlichkeit war edel und liebenswürdig, seine
Lehrvorträge und sein Benehmen trugen den Character ruhiger
Würde, und trotz seiner Entschiedenheit war er gegen Alle voll
Milde. Mit einer vielseitigen gründlichen Gelehrsamkeit verband
er eine hohe Klarheit und Schärfe des Gedankens, eine tiefe Innigkeit
des Gemüthes. Alle seine trefflichen Eigenschaften hatten
die höhere Weihe der Religion einer echt christlichen Demuth, der
lautersten Reinheit der Seele, und einer ungeheuchelten, aufrichtigen
Frömmigkeit empfangen. Sein höchstes Streben war, das
Ideal des Priesterthums, wie er es in seinem Geiste trug auch in
seinem Leben zu verwirklichen. – Nach einem vieljährigen thatenreichen
Leben war ihm von der göttlichen Vorsehung noch die
Freude beschieden, im verflossenen Jahre sein fünfzigjähriges
Priesterjubiläum feiern zu können, und er entschlief, hochgeschätzt
von seinem Abt und geehrt von seinen Mitbrüdern und
Collegen, in seinem 74. Lebensjahre eines sanften Todes.
Mit ihm starb der letzte der aus Wiblingen nach
Oesterreich eingewanderten Benedictiner. Es waren deren 14, eine ehrwürdige
Schaar wissenschaftlich gebildeter und frommer Männer.
Zwei von ihnen wurden hohe kirchliche Würdenträger, nämlich
Gregorius Ziegler, Bischof zu Linz, gestorben 1852, und
Roman Zängerle, Fürstbischof zu Seckau, gest. 1848; die
meisten der übrigen aber wirkten als Professoren an Gymnasien
oder höheren Lehranstalten auf das verdienstvollste. So war der
letzte Abt von Wiblingen und Tiniez, Ulrich IV. Keck, Präses
der Benedictiner-Universität zu Salzburg, und starb 1815 als
Canonicus zu Großwardein. Bernard Ganther wurde
1823 Canonicus an dem neuerrichteten Bisthume Tiniez und
starb 1830. Pius Rieger bewirkte als Stadtpfarrer zu
Bochnia die Errichtung eines Gymnasiums und war früher selbst
Gymnasiallehrer zu Salzburg († 1830). Heinrich Enderle
ward Novizenmeister und Subprior im
Schottenstifte zu Wien,
und starb als Probst und Pfarrer zu
St. Ulrich. Columban
Daigele war Administrator der dem
Schottenstifte einverleibten
Titular-Abtei Telky in
Ungarn. Martin Altegger wurde
Professor des Bibelstudiums zu Olmütz. Conrad Luttinger
wirkte im
Schottenstifte zu Wien als Gymnasial-Professor
und Director († 1857). Ulrich Maisterle war Gymnasiallehrer
bei den
Schotten († 1815). Sigismund Lohr,
Theologie Professor und Novizenmeister zu Admont, später Superior
der Minoriten zu Graz, starb 1851 als Subprior zu
Admont. Adrian Huber, Gymnasialprofessor in Admont,
Präfect in Judenburg, starb als solcher 1829.
Admont den 15. März 1858.
Die Grabstelle befindet sich am
St. Marxer Friedhof (
Position 12c).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder:
Salzburger Zeitung vom 12.8.1842, Seite 1,
Wiener Zeitung vom 16.3.1858, Seite 9,
Grazer Zeitung vom 21.3.1858, Seite 3,
Grazer Zeitung vom 24.3.1858, Seite 3.