Person - Carl Isenflamm
Franz Carl Isenflamm, Kaufmann, Großhandlungs-Associe (Teilhaber, Gesellschafter), * 1775 oder 1776; † 10.05.1833 in Wien.
Zuletzt wohnhaft: 1., Köllnerhofgasse Nr. 737.
Onkel von
Marie Piquot, * 02.1798 in Wien, † 17.03.1822 in Wien, einer Verehrerin von
Franz Grillparzer.
Carl Isenflamm war Miteigentümer des Großhandlungshauses J. G. Schuller & Co. und 1819/20 Aktionär-Mitglied des Bankausschusses,
1820–1825 Mitgl. des zensurierenden Eskomptekomitees bei der Nationalbank,
1827–1832 Zensor der 1. österr. Brandversicherungs-Gesellschaft in Wien I.
Carl Isenflamm galt als Atheist, Hypochonder und Misanthrop, der u.a. in ständiger Angst vor Verfolgungen durch die Polizei lebte.
Er versuchte sich am Anfang des 18. Jahrhunderts auch als Schriftsteller und zählte zu den Freunden Ferdinand Raimunds,
der ihn als Rappelkopf in "Alpenkönig und Menschenfeind" verewigte.
Mit im Grab befindet sich seine Nichte
Marie Piquot, † 1822, 24 Jahre, Tochter des preußischen Legationsrates Peter Piquot.
Marie Piquot, laut Zeitungen ein geistreiches Mädchen von wundervollem Wuchs,
hegte eine tiefe Liebe zu
Grillparzer, die aber nicht erwidert wurde.
Franz Grillparzer setzte dem Mädchen mit dem Tagebuchblatt "Ein Erlebnis" ein unvergängliches Denkmal.
Publikationen:
1801: Roman "Amalie Wanner oder die Gefahren der Empfindsamkeit; bei Christoph-Peter Rehm, Familiengeschichte, 303 Seiten".
Der Roman thematisiert kritisch die übersteigerte Gefühlskultur (Empfindsamkeit) der Epoche
und deren negative Konsequenzen für das familiäre und persönliche Leben.
Wiener Zeitung vom 25.1.1822, Seite 2:
Alphabetisches Nahmen-Verzeichniß
der Herren Censoren der Escompten-Comite der privil. Oesterreichischen National-Bank:
Isenflamm, Carl, Firma-Führer der k. k. priv. Großhandlung Schulter und Comp.
...
Wiener Zeitung vom 17.5.1822, Seite 3:
Hr. Carl Isenflamm, Großhandlungs-Associe, alt 58 Jahr,
in der Köllnerhofgasse Nr. 737, an der Lungenlähmung.
Wiener Zeitung vom 21.3.1822, Seite 4:
Den. 17. März [1822].
Dem Hrn. Petr Piquot, königl. Preußischen Legations Rath
und goßherzoglich Sachsen-Weimar'schen Geschäftsträger
f. Frle. T.
Maria, alt 24 J. in der Wollzeile Nr. 772, am
schleichenden Nevenfieber.
Tagespost Graz vom 21.1.1922, Seite 2:
Wie bei allen Poeten spielte im Leben des Dichters
die Liebe eine große Rolle, deren Wirkung sich freilich
nicht auffällig nach außen richtete. Er wurde viel verehrt
von Frauen. 1822 lebte in Wien der preußische
Legationsrat P. [Peter] Piquot,
Marie Piquot, dessen Tochter, ein geistreiches
Mädchen von wundervollem Wuchs, liebte und
verehrte den Dichter, ohne daß Grillparzer davon eine
Ahnung hatte. Das Mädchen starb jung. Im Testament
legte die Verstorbene eine Beichte ab. Die Eltern baten
Grillparzer zu sich und übergaben ihm folgenden Brief
von der Hand der Verstorbenen:
" ...... da muß in meinem Herzen die unglückselige,
unerwiderte Neigung zu
Grillparzer entstehen.
Ja, ich habe ihn wahrhaft geliebt, und obwohl er meine
Liebe nicht erwidert, ja nicht einmal geahnt hatte, so
wird er nicht leicht ein Weib finden, das ihn so heiß,
so unaussprechlich liebt. Sagt ihm oder laßt es ihm
wenigstens erraten, daß ich ihn geliebt, denn dann wird
er mir doch vielleicht eine Träne des Mitleids, des
Schmerzes nachweinen, und diese Idee hat für mich etwas!
unendlich Tröstendes, sowie mir im Gegenteil der Gedanke,
ganz unbeweint von ihm zu sterben, schrecklich
ist ..... Sage (
Marie Piquot schrieb diesen Brief
an ihren Bruder) meiner geliebten Mutter, daß ich ihr
sterbend meinen Tasso empfehle, sie soll ihn als ein
teures Vermächtnis von mir ansehen und ihn nie verlassen,
sie soll als mütterliche Freundin für ihn sorgen, der
doch so gut wie allein steht in der Welt, und der gewiß
viele Bewunderer, aber vielleicht nicht einen einzigen wahren
sorgenden Freund hat. Es wäre sehr schön, wenn ihr
ihn ins Quartier nähmet, um ganz für seine Gesundheit
und seine Stimmung zu sorgen. Die Welt kann
nichts dawider einwenden, da ich tot bin. Noch einmal,
sorgt mir für meinen
Grillparzer."
Die Grabstelle befindet sich am
St. Marxer Friedhof (
Position 191b).
1958 wurde an Stelle des verwitterten Grabsteines ein Kreuz auf einem erhöhten Sockel errichtet.
Quelle: Text: www.nikles.net,
Hans Pemmer, Der Friedhof zu St. Marx in Wien, 1951, Seite 70,
Bilder: Google Books, Wiener Zeitung vom 17.5.1822, Seite 3, Wiener Zeitung vom 25.1.1822, Seite 2,
Wiener Zeitung vom 21.3.1822, Seite 4,
Tagespost Graz vom 21.1.1922, Seite 2.