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Die Bundeshauptstadt

19. Bezirk - Grinzinger Brauhaus

In Grinzing hinter dem Trummelhof (19, Cobenzlgasse 30) errichtete im Jahr 1814 Reichsgraf Franz Simon Pfaff von Pfaffenhofen neben einer schon bestehenden Branntweinbrennerei eine „englische Bierbrauerey“. Er setzte auf für Wien völlig neue englische Produktionstechniken und kaufte sämtliche Maschinen und Werkzeuge in London. Es gab eiserne Weichstöcke, Maischbottiche und Kühlen (diese waren oval und an beiden Enden kielförmig geformt, woher auch der Name „Kühlschiff“ stammt). Man ließ die Würze, ehe sie in den Gärbottich kam, durch metallene mit Wasser gekühlte Rohre laufen.

Da die Wiener vom Geschmack des neuen Bieres nicht begeistert waren, musste er die Brauerei 1820 an Ludwig Jetter verpachten und 1835 verkaufen. Dieses Jahr steht noch heute als Gründungsjahr über dem Eingang des Trummel-Hofes. 1852 starb Jetter und seine Gemahlin führte den Betrieb unter dem Namen „Ludwig Jetter’s sel. Witwe“ weiter. Die Brauerei hatte nur kurz ihre Produktion eingestellt und ging 1855 an Franz Richter und danach auf seinen gleichnamigen Sohn über, der im Brauherrenverein ein anerkannter Mann war und von 1869 bis 1872 an seiner Spitze stand. 1873 wurden 46.633 Hektoliter Bier erzeugt. Von da an ging die Produktion ständig zurück. 1875 starb Franz Richter und seine Witwe Josephine erbte die Anteile. 1882 wurde die Firma unter Leitung von seinem Sohn Rudolf in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt.

1897 erwarb der 1848 in Mähren geborene Produktenhändler Josef Bratmann (1848-1924) den Betrieb. Er steigerte den Ausstoß wieder auf bis zu 40.000 Hektoliter (1908). Außerdem wurden dort ein sehr bekanntes Kracherl und Sodawasser produziert. Während des Ersten Weltkriegs ging die Produktion stark zurück und danach litt auch sein Brauhaus St. Leopold unter der Schwäche des Brauereigewerbes und der starken Konkurrenz der Vereinigten Brauereien.

1924 erbte seine Tochter Margaretha Budil (1888-1981) und deren Mann Eduard Budil (1894-1947) das Brauhaus. Sie modernisierten die Anlage nach dem Nathan-Verfahren und setzten vor allem auf Flaschenbiererzeugung unter dem Namen „Drei-Stern-Bräu“. Das dunkle Bier war zwar bekannt und begehrt, doch 1930/31 brachten wirtschaftliche Probleme das endgültige Aus für das Grinzinger Brauhaus. Am 31. Oktober 1951 erlosch die Konzession ungenützt. Es wurde dort einige Jahre nur mehr Bier anderer Erzeuger, hauptsächlich vom Stadtbräu in Rannersdorf, abgefüllt.

Das Gelände wurde bereits in den 1930er-Jahren von der Sascha-Film Verleih- und Vertriebs GmbH (Atelier Grinzing) – ab 1938 Wien-Film – erworben und 1953 um 5,8 Millionen Schilling eine Synchronisationshalle und ein Film-Kopierwerk eingerichtet. Mitte der 1980er-Jahre wurden auch diese Aktivitäten eingestellt, danach lagen die Gebäude brach und verfielen. Teile der noch bestehenden Gemäuer wurden um 2004 zu einem modernen Wohn- und Geschäftshaus ausgebaut. Der ehemalige Braugasthof mit dem schönen schattigen Garten und dem einst 3.000 Personen fassenden "Bertasaal" befand sich schräg gegenüber dem Trummelhof und ist heute in veränderter Form als Restaurant erhalten geblieben.

Quelle: Text: geschichtewiki.wien.gv.at, Bilder: Michael Kranewitter, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0 und AKON/ÖNB, Sperlings Postkartenverlag.



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