08. Bezirk - Piaristengymnasium
Das Bundesgymnasium Wien 8 (auch: BG8 und Piaristengymnasium) ist ein öffentliches, staatliches Gymnasium
im 8. Wiener Gemeindebezirk
Josefstadt.
Der Haupteingang liegt am Jodok-Fink-Platz, der von der
Piaristenkirche (Pfarre Maria Treu) dominiert wird.
Ein weiterer Eingang befindet sich auf der anderen Seite der Schule an der Lederergasse.
Gebäude: Die Schule ist im Gebäude des Piaristenordens angesiedelt.
Die Räumlichkeiten sind bis heute nur angemietet und nicht staatliches Eigentum.
Die Schule verfügt über einen eigenen Innenhof und den der Lederergasse zugewandten Ledererhof,
auf dem ein Kinderspielplatz und ein Sporthartplatz zu finden sind.
Zudem verfügt die Schule über einen modernen und großen unterirdischen Turnsaal und eine prunkvolle alte Bibliothek.
Das vor kurzem renovierte Gebäude bietet auch ein kleines Buffet, eine neue Bibliothek,
zwei Informatiksäle und moderne Klassenzimmer mit Computern und Internetzugang.
Die wissenschaftlichen und kreativen Gegenstände haben jeweils eigene Räume mit großzügig ausgestatteten Sammlungen.
Die ursprüngliche Adresse war an der Piaristengasse.
1929 wurde der Platz vor der
Piaristenkirche in Jodok-Fink-Platz umbenannt.
Geschichte: Die zweitälteste höhere Schule in Wien wurde durch ein Dekret Kaiser Leopolds I. 1697 gegründet und am 16. November 1701 eröffnet.
Das Motto der Schule ist noch heute „Pietati et litteris“, im heutigen Deutsch:
„für die Frömmigkeit und die Wissenschaft (gegründet)“ und ist über dem barocken Eingangsportal der Schule, eingerahmt von zwei Engeln, zu lesen.
Der Piaristenorden führte die Schule, die damals noch ausschließlich für Knaben zugänglich war, bis 1870.
Dann wurde sie dem Staat übergeben, weil die Kosten für seine Erhaltung nicht mehr aufgebracht werden konnten.
Die Zahl der Ordensleute als Lehrkräfte in der Schule wurde stets geringer
und mittlerweile sind überhaupt keine Geistlichen mehr als Lehrer an dem Gymnasium beschäftigt.
Die 200-Jahr-Feier der Traditionsschule fand eine Würdigung in der Neuen Freien Presse vom 17. November 1901.
Durch einen Erlass des Reichsministeriums für Innere und kulturelle Angelegenheiten wurde nach dem Anschluss Österreichs
an das Deutsche Reich 1938 die Schule nicht mehr als Gymnasium, sondern als „Oberschule für Jungen“ geführt.
Wie in anderen Schulen auch wurde ein Nationalsozialist neuer Direktor und am 28. April 1938 mussten alle jüdischen Schüler die Schule verlassen.
1944 wurde die Schule geschlossen und die verbliebenen Schüler auf andere Standorte in Wien aufgeteilt.
1945 im Herbst unter dem alten Direktor Werner Tschulik mit fünf Klassen als Bundesgymnasium Wien VIII wiedereröffnet,
wurde das Piaristengymnasium 1948 auch für Schülerinnen zugänglich gemacht.
Schulprofil: Das Piaristengymnasium ist die älteste noch auf ihrem ursprünglichen Platz befindliche gymnasiale Schule in Wien,
ein Gymnasium, das auf eine traditionsreiche Geschichte zurückblicken kann und daher besonders nicht nur auf den Erhalt und die Weitergabe von Wissen Wert legt,
sondern auch auf entsprechende Einstellungen und Haltungen.
Im Zentrum des Unterrichts stehen der einzelne Schüler und die Entwicklung seiner Persönlichkeit.
Über die Schulung kognitiver Fähigkeiten und Fertigkeiten hinaus sollen auch die emotionalen und sozialen Aspekte des Lernens gefördert werden.
Speziell interessierten und begabten Schülern wird die Möglichkeit geboten, ihre Interessen entsprechend zu vertiefen.
Curriculum: Das BG8 hat einen neusprachlichen und einen humanistischen Zweig, bietet einige Fremdsprachen,
wie Englisch, Französisch, sowie Latein, die nach den alten Lernformen vermittelt werden.
Informatikunterricht für einige Stufen wird angeboten; es finden jedes Jahr außerdem diverse Bildungsaufenthalte
und Sportwochen im Ausland und im Inland, z.B. in England, in Frankreich,
in Salzburg, sowie in
Niederösterreich statt.
Neues Wiener Journal vom 17.11.1901, Seite 5 und 6:
(Die 200 Jahr-Feier des Plaristengymnasimus.) Das Hochamt, mit dem gestern die Schulfeier im
Piaristengymnasium eröffnet wurde, celebrirte der ehemalige
Professor und Exhortator des Piaristengymnasiums, Propst
Landsteiner von Nikolsburg, unter großer geistlicher
Assistenz. Nach dem Gottesdienste begann im Turnsaale der
Anstalt die eigentliche Feier. Im Fond des Saales leuchtete aus
einem bis an die Decke reichenden Arrangement von Blattpflanzen
und Blumen die Büste des Kaisers. Die Wände schmückten Bilder
der Kaiserin Maria Theresia und des Kaisers Josef II. Dem
Festacte wohnten außer den von uns schon genannten officiellen
Persönlichkeiten uud hervorragenden Schülern der Anstalt noch bei:
In Vertretung der Landesschulbehörde Landtagsabgeordneter
Dr. Geßmann, der Director der Hofbibliothek Hofrath
Karabacek, der Director der Lehrerbildungsanstalt Doctor
Gugler, Abt Rost vom
Schottenstift, Probst Landsteiner,
die Hofräthe Maresch, Wretschko und Huemer, die
Universitätsprofessoren Gegenbauer und Hirn, Landesschulinspector
Dr. Scheindler, Vertreter des Piaristencollegiums und des Löwenburg’schen
Convictes und Andere. Der greise ehemalige Director
des Piaristengymnasiums Johann Czermak war durch
Unwohlsein verhindert. Unterrichtsminister Dr. Ritter v. Hartel
hielt eine Ansprache, in welcher er der Gründung der Piaristenschulen
und des selbstlosen gemeinnützigen Strebens der Ordenspriester
gedachte, die durch das Gelübde verpflichtet sind, in der Gottesfurcht
und in den Wissenschaften unentgeltlich zu unterrichten.
Welche Wohlthat die Gründung dieser Schule für die Stadt Wien
bedeutete, das wird klar, wenn man sich die Verhältnisse vergegenwärtigt,
unter denen sie eröffnet wurde. Sie folgte der
Türkenbelagerung von Wien und die schreckliche Pest wirkte noch
nach. Die Mitglieder des Lehrkörpers haben bald ihr wissenschaftliches
Streben über die classischen Sprachen hinaus bethätigt.
Viele haben sich in der oder jener Disciplin hervorgethan
und in verständnißvoller Weise sorgten die Brüder für die
pädagogische Ausbildung dadurch, daß die Candidaten der
Piaristen für das Lehrfach schon während ihrer Vorbereitung für
das Lehramt in den Normalschulen des Ordens zu unterrichten
hatten und so als Lehrer selbst unterrichtet wurden. So ist die
Lehrmethode des Piaristenordens ein Zeugniß für dessen fortschrittlichen
Sinn und für uns heute noch eine
Quelle der Belehrung. Der erste Reformator des Schulwesens
im vorigen Jahrhundert, der größte Reformator zur Zeit
der Kaiserin Maria Theresia, P. Marx, ist ein Mitglied dieses
Ordens. Und wieder ein Piarist, der Studiendireetor Lang
ist es, welcher durch seine Rathschläge von bedeutendem Einfluß
geworden ist für die Ausgestaltung der Gymnasialreform, die wir
heute noch besitzen. So hat denn auch die Huld unseres Kaiserhauses,
schloß der Minister, "in besonderer Weise dieser Anstalt
geleuchtet, so wie die Eröffnung der Schule durch die Anwesenheit
des Kaisers Leopold I. und seines erlauchten Sohnes, des Königs
Josef I., in seltener Weise ausgezeichnet wurde, so hat unser
allgeliebter Kaiser die Anstalt auszeichnen wollen an dem heutigen
Wiegenfeste, indem er dem verdienten Director
der Anstalt, Regierungsrath Pius Knöll den Orden
der Eisernen Krone dritter Classe und dem Professor
Steiner den Titel eines Schulrathes
verliehen hat." Der Minister überreichte nach diesen Worten
dem Direktor die Auszeichnung und schloß seine mit Beifall
aufgenommene Rede mit den Worten: "So möge denn die
Anstalt wie bisher eine Bildungsstätte bleiben für so viele
bedeutende Männer, ein weihevolles Haus dieser Vorstadt, eine
Zierde unserer geliebten »Mutter andobona«!" Regierungsrath
Knöll und Schulrath Steiner dankten dem Minister für
die Ueberbringung der kaiserlichen Auszeichnung. Die Festrede des
Regiermigsrathes Knöll schilderte die Entwicklung des Piaristengymnasiums.
Der Redner betonte, daß die Geschichte des Gymnasiums
mit jener der humanistischen Mittelschule überhaupt identisch
sei. — Der Lehrkörper des Gymnasiums hat auf Anregung des Regierungsrathes
Knöll beschlossen, aus den von der Anstalt selbst ausgebrachten
Mitteln der »Schülerlade« einen Betrag von zehntausend
Kronen für eine Jubiläumsstiftung
zu widmen. Nach den Intentionen des Dirertors sollen schon am
16. November 1902 arme und würdige Schüler mit den Interessen bedacht werden.
Neues Österreich vom 7.10.1951, Seite 2:
Bekenntnis zum
humanistischen Gymnasium.
Das Piaristengymnasium feierte gestern seinen
250jährigen Bestand mit einem Gottesdienst
in der
Basilika Maria Treu und einer
Veranstaltung auf dem Jodok-Fink-Platz. Unterrichtsminister
Dr. Hurdes benützte diesen
Anlaß dazu, ein Bekenntnis zum humanistischen Gymnasium abzulegen.
Es habe eine Zeit gegeben, sagte der Minister,
in der man das Gymnasium mit scheelen
Augen angesehen habe. Diese Strömung sei
jedoch wieder abgeflaut, und auch die Eltern
hätten erkannt, daß ihre Vorurteile gegen
diese Type der mittleren Lehranstalten unberechtigt gewesen seien.
Das Unterrichtsministerium, führte Dr. Hurdes
weiter aus, habe stets Wert darauf gelegt,
die Stätten der humanistischen Bildung zu erhalten,
weil sie den Schülern ein universelles
Weltbild vermittelten.
Dr. Hurdes teilte mit, daß das Unterrichtsministerium
dem Piaristengymnasium anläßlich
seines Jubiläums die modernsten Mittel zur
Unterrichtsgetaltung zur Verfügung stellen
werde. An den Schülern und Lehrern liege es
dann, mit Hilfe dieser Mittel die ruhmreiche
Tradition Ihrer Vorgänger fortzusetzen. Der
Minister gab schließlich bekannt, daß Bundespräsident
Dr. Körner über seinen Antrag
den Direktor der Anstalt, Prof. Dr. Werner
Tschulik, zum Hofrat ernannt habe.
Der Präsident des Stadtschulrates, Abg.
Dr. Zechner, bezeichnete eine gute Mittelschule
als die beste Grundlage für die geistige
Bildung. Die Gymnasien hätten dazu beigetragen,
das geistige Antlitz Österreichs zu
formen, da eie ein geschlossenes Bildungsideal,
das auf Antike und Christentum beruhe,
vermitteln. (APA.)
Quelle: Dieser Text basiert auf dem Artikel
Bundesgymnasium_Wien_8 aus der freien Enzyklopädie
Wikipedia und steht unter der Lizenz
Creative Commons CC-BY-SA 4.0 (Text erweitert). In der Wikipedia ist eine
Liste der Autoren verfügbar.
Bilder: www.nikles.net, Neues Wiener Journal vom 17.11.1901, Seite 5 und 6,
Neues Österreich vom 7.10.1951, Seite 2.