Die Bundeshauptstadt

01. Bezirk - Irene-Harand-Hof

Der Irene-Harand-Hof befindet sich 1. Wiener Gemeindebzirk Innere Stadt und zwar in der Judengasse 4. Das Gebäude wurde vom österreichischen Architekten Fritz Waage errichtet. Eine Figur der Heiligen Barbara aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts befindet sich in einer Nische.

Irene Harand (* 7. September 1900 in Wien; † 2. Februar 1975 in New York City) war eine österreichische Autorin und Gegnerin der Nationalsozialisten.

Biografie: In den späten 1920er Jahren arbeitete Harand im „Verband der Kleinrentner und Sparer Österreichs“ des jüdischen Anwalts Moriz Zalman (* 7. November 1882 in Bârlad, Rumänien; † 29. Mai 1940 im KZ Sachsenhausen), der sich unentgeltlich für Opfer der Inflation einsetzte. In diesem Verband wurde sie schließlich seine Stellvertreterin und schrieb für dessen Zeitung Welt am Morgen.

1930 gründete sie gemeinsam mit Zalman die „Österreichische Volkspartei“ (steht nicht in Verbindung mit der ÖVP der 2. Republik), die sich für Kleinrentner und Ärmere einsetzte und, im Gegensatz zu den anderen Parteien in Österreich, aktiv gegen den Antisemitismus auftrat. Bei den Wahlen 1930 verfehlte die Partei klar den Einzug in den Nationalrat, was an geringen Geldmitteln und Kampagnen der Sozialdemokraten lag, denen Zalman zuvor nahestand und über dessen Kandidatur sie verärgert waren.

Im Herbst 1933 gründeten Zalman und Harand die „Weltbewegung gegen Rassenhass und Menschennot“, die unter dem Namen „Harand-Bewegung“ bekannt wurde und als Antithese zur NSDAP-„Hitler-Bewegung“ auftrat. Sprachrohr der „Harand-Bewegung“ war die Wochenzeitung Gerechtigkeit, die von 1933 bis 1938 in einer Auflage von ca. 28.000 Exemplaren - für kurze Zeit auch in polnischer und französischer Sprache - erschien. Die überzeugte Katholikin Irene Harand war bis in die 1940er Jahre Monarchistin und eine Anhängerin des Austrofaschismus. Die „Harand-Bewegung“ wurde Teil der Vaterländischen Front, und verteidigte bis zum Schluss den autoritären Kurs der Regierungen von Engelbert Dollfuß und Kurt Schuschnigg. Gegen antisemitische Strömungen innerhalb des Austrofaschismus und der katholischen Kirche Österreichs trat die „Harand-Bewegung“ jedoch massiv auf.

Die „Harand-Bewegung“ hatte zwischen 1933 und 1938 mehrere tausend Mitglieder und Ortsgruppen in vielen europäischen Staaten. Ein Weltkongress der „Harand-Bewegung“ scheiterte 1937 an den finanziellen Möglichkeiten der Organisation und der mangelnden Unterstützung der österreichischen Behörden. In ausgedehnten Vortragsreisen durch Europa und die USA (1937) versuchte Irene Harand die Öffentlichkeit gegen den Nationalsozialismus und im speziellen gegen den Antisemitismus zu mobilisieren. Als Protest gegen die Münchner Ausstellung „Der ewige Jude“ gab die „Harand-Bewegung“ Verschlussmarken mit Porträts berühmter jüdischen Persönlichkeiten heraus.

Drei Jahre nach dem Erscheinen ihres Buches Sein Kampf. Antwort an Hitler, welches sie auf eigene Kosten herausgab, wurde im Jahre 1938 ein Kopfgeld von 100.000 Reichsmark auf sie ausgesetzt und ihre Bücher öffentlich in Salzburg verbrannt. Harand, die sich zu jener Zeit in England befand, konnte jedoch nicht gefasst werden und flüchtete in die USA, wo sie die Exilorganisation „Austrian Forum“ mitbegründete und in den 1940er die Frauenorganisation der amerikanischen „Non-Sectarian Anti-Nazi League to Champion Human Rights“ führte. 1941 war sie in London an der Gründung des Free Austrian Movements beteiligt. 1968 wurde sie von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Irene Harand starb 1975 in New York. Ihre Asche wurde am 27. Juni 1975 in einem ehrenhalber gewidmeten Grab (Abteilung ARI, Nummer 153) der Gemeinde Wien im Urnenhain der Feuerhalle Simmering beigesetzt.

Nachdem 1990 das Haus Judengasse 4 – ein Wiener Gemeindebau – auf Initiative von Peter Marboe auf Irene-Harand-Hof getauft wurde, wurde am 29. Oktober 2008 der Platz vor der Paulanerkirche an der Wiedner Hauptstraße nach ihr benannt.

Irene Harands Buch Sein Kampf: Im Zuge einer Neuauflage durch den Verleger Franz Richard Reiter gaben am 12. März 2005 mehr als 100 Künstler, Literaten, Wissenschaftler und Publizisten der Österreicherin im Erzbischöflichen Palais in Wien und via Videowall auf dem Stephansplatz ihre Stimme zurück. Die Lesung fand unter jenem Christusbild statt, das am 8. Oktober 1938 beim Sturm der Hitlerjugend von Dolchen durchbohrt und zur Erinnerung in diesem Zustand belassen wurde.

Quelle: Text: Wikipedia, Bilder: Priwo, gemeinfrei.



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