Person - Jakob Zelzer
Jakob Zelzer, Hausbesitzer, Privatier aus der
Josefstadt, Bürger von Wien,
* 12.05.1802 in Eisenstraß 37 (Zelzerhof), † 30.10.1874, Bestattungsdatum: 01.11.1874, zuletzt wohnhaft:
Faßziehergasse 114, im Haus "Goldener Anker" am
Spittelberg (Wiener Adressbuch),
laut Wiener Zeitung: 8., Langegasse 6.
Verheiratet seit 05.08.1827 (Pfarre Mariahilf) mit Barbara Rosalia Fritz, * 24.09.1806 in Wien, † 21.11.1872 in Wien.
Familie: Seine Eltern waren Wolfgang Zel(t)zer, * 02.10.1751 in Eisenstraß, Bezirk Klattau, Böhmen, Tschechien, † 12.10.1816 und
Margarethe Pflanzer, * 1758. Die Heirat fand am 03.07.1775 in Deschenitz, Bezirk Klattau, Böhmen, Tschechien, statt.
Kinder von Jakob und Barbara Rosalia Zelzer:
Johann Nepomuc Zelzer, * 30.04.1829, † 29.12.1889
Julius Leopold Zelzer, Wäschefabrikant, * 16.01.1837, † 23.03.1884, Bestattungsdatum: 25.03.1884, Stadt Nr. 898, verheiratet mit Adelheid Johanna am 23.8.1869.
Beruf: Jakob Zelzer betrieb, gemeinsam mit seinem Bruder Johann Zelzer, eine "Hutsteppwarenhandlung" am Graben 1133.
Jakob Zelzer wird in diversen Verzeichnissen unter anderem auch als beeideter Inventars- und Schätzungs-Commissionär ausgewiesen.
Jakob Zelzer hat u.a. auch eine neu erfundene, biegsame und wasserdichte Striegelbürste von Gutta-Percha vertrieben
(Fremden-Blatt vom 29.12.1853, Seite 7).
Am 1. November 1874 (Allerheiligen-Tag) wurde der
Zentralfriedhof eröffnet und an diesem Tage wurde Jakob Zelzer bestattet,
alle anderen wurden in Gemeinschaftsgräbern begraben.
Es ist somit das allererste Einzelgrab.
Weiters im Grab bestattet:
Julius Leopold Zelzer (Kind), Wäschefabrikant, * 16.01.1837 oder 18.01.1837, † 23.03.1884, Bestattungsdatum: 25.03.1884, Stadt Nr. 898, verheiratet mit Adelheid Johanna am 23.8.1869, 7., Westbahnstraße 7, verstorben an Lungentuberkulose.
Julius Ludwig Zelzer (Enkelkind), Comptoirist, Kind von Julius Leopold Zelzer und Adelheid (Adelheid) Zelzer, * 31.07.1876, † 02.10.1898, Bestattungsdatum: 04.10.1898, 7., Westbahnstraße 7, Selbstmord.
Neues Wiener Blatt vom 2.11.1874, Seite 4:
Die Eröffnung des
Zentralfriedhofes.
(Originalbericht des „Neuen Wiener Blatt“)
Einer Wüstenei gleicht der
Zentralfriedhof nicht, wohl
aber trägt er nur zu sichtbar den Stempel der Unfertigkeit,
deren traurigen Anblick die öde Umgebung noch
erhöht. Dieser Eindruck war ein allgemeiner, und es
bleibt vernünftigen Maßnahmen vorbehalten, die Stätte
des ewigen Friedens würdiger zu gestalten, ihr den
schreckhaften Anstrich zu benehmen.
Um drei Uhr Nachmittags wurde das Todtenglöcklein
auf dem
Zentralfriedhofe zum ersten Male in Bewegung
gesetzt. Der Trauerwagen der Entreprise fuhr durchs
Thor. Der Sarg wurde herausgehoben und zu dem aufgeworfenen
Grabe, einem gemeinsamen, getragen. Die
Leidtragenden und einige hundert Neugierige schaarten
sich um das tiefe, breite Grab. Die Leiche des pensionirten
Rechnungsrathes Seifert war die erste, welche beigesetzt
wurde. Dem ersten Leichenbegängnisse folgten rasch
weitere. Das Todtenglöcklein tönte fort und fort. Die
Leichenwägen der „Concordia“, schwarze, schmucklose
Kasten, rollten in den Hof, und in Fiakern wurden niedliche
Kindersärge auf den Friedhof gebracht.
Neben den Rechnungsrath wurde der Landesgerichtsbeamte
Johann Hauer gebettet. Dann trugen zehn
Junggesellen einen mit himmelblauem Teppich bedeckten
Sarg zum Grabe. Die Leiche einer Jungfrau, deren
Brautstand durch den Tod zerstört wurde. Man ließ den
Leidtragenden nicht Zeit, mit ihren Thränen den Sarg zu
befeuchten. Platz! – schrieen die Leichenträger. Der
Drechslermeister Joseph Gasser, den der Tod von
seinem Siechthum befreite, wurde zunächst begraben.
Gleich bei der Einfahrt von der Straße nach
Schwechat
aus sind vier gemeinsame Gräber, drei für die Aufnahme
von je neunzig, und eines für sechzig Reihen ausge-
hoben worden. Die Aushebung des lehmigen Erdreiches
geht nach Aussage der Todtengräber sehr leicht von statten
und versicherten dieselben, daß sie bis jetzt nirgends auf
die vielbesagten Ratten gestoßen seien, von welchen es angeblich
dort wimmeln sollte. An der Straßenseite sind 105
Einzelgräber aufgeworfen, jedes derselben von der Mauer
fünf Schuh entfernt, sieben Schuh lang und 2 1/s Fuß
breit. Die Einzelgräber, für die Aufnahme von je drei
erwachsenen Personen bestimmt, sind durch eine Erdwand
von zwei Schuh von einander getrennt.
Um vier Uhr Nachmittags gab es ein Leichenbegängniß
erster Klasse.
Jakob Zelzer wurde begraben –
seine Leiche war die erste, die in ein Einzelngrab gesenkt
wurde. Und Nachts wurde die erste Gruft eröffnet. In
ihre dunkle Tiefe senkte man die sterblichen Ueberreste des
ehemaligen Reichsrathsabgeordneten Dr. Karl Ritter von
Mayrhofer, dessen Leiche Nachts zuvor auf den
Zentralfriedhof übertragen wurde.
Die Grüfte werden zu beiden Seiten der breiten
Mittelstraße gebaut werden, und die Kommission empfahl
den Todtengräbern einige derselben ausheben und ausmauern
zu lassen, damit sie im Falle des Bedarfes fertig
seien. Zum Schlusse wurde die Leichenhalle besichtigt, in
der für achtzig Leichen Raum ist. Dieselbe zerfällt in drei
Abtheilungen, von denen die eine zur Aufnahme bereits
stark in Verwesung gerathener oder für die Secirung bestimmter
Kadaver reservirt ist. Von jedem Leichenbrette
aus führt ein Telegraphendraht nach dem Zimmer des
Wärters; auf einen telegraphischen Apparat wird nämlich
eine Hand jeder Leiche gelegt, und bei geringster Bewegung
eines etwaigen Scheintodten spielen die Signale
und es kann demselben Rettung gebracht werden. Der
Giebel dieser Halle trägt kein konfessionelles Symbol,
sondern nur eine einfache Urne.
Der Zentralfriedhof.
Das neue Leichenfeld, der
Zentralfriedhof wurde
gestern seiner Bestimmung übergeben. Dreizehn Leichen
nahm diese Stätte des Friedens als die Ersten auf und
auch die dreier Kindlein befanden sich unter denselben. Alle
bis auf eine, die im eigenen Grabe beigesetzt worden,
wurden in Schachtgräber gesenkt.
Mit der gewöhnlichen Zeremonie, unter den üblichen
Gebeten, fand der Trauerakt statt. An der Nummer, die
der Sarg trug, erkannten die harrenden Leidtragenden,
daß diese Bretter ihren Theuern bergen, dem sie und mit
ihnen einige hundert Personen an das offene Grab folgten.
Ein großer Theil der Trauernden hatte nicht die gestern
dem Verkehr übergebene Tramway benützt, sondern war
in Stellwagen zur neuen Todtenstadt gefahren.
Das Neue des Ereignisses, die Eröffnung eines Friedhofes,
lockte in den Nachmittagsstunden auch viele Neuierige
auf den Gottesacker und gegen 3 Uhr war die
Menge schon bedeutend angewachsen. Wir lassen nun die
Namen der gestern auf diesem Friedhofe Begrabenen der
Reihe nach folgen:
Nr. 1. Anton Seifert, pensionirter Rechnungsrath, 78 Jahre alt, Hasengasse Nr. 9.
Nr. 2. Barbara Böhm, Private, 70 Jahre alt, Blechthurmgasse Nr. 3.
Nr. 3. Barbara Jagel, Schuhmachersgattin, 56 Jahre, Siebensterngasse Nr. 17.
Nr. 4. Johann Hauer, pensionirter Landesgerichtsbeamter, 64 Jahre alt, Krongasse Nr. 16.
Nr. 5. Ignaz Löschka. (Aus dem allgemeinen Krankenhause überbracht.)
Nr. 6. Wilhelm Lederer, 2 Jahre alt, Arbeiterssohn aus
Währing.
Nr. 7. Joseph Reichel, Bahnbeamter.
Nr. 8. Joseph Gasser, Drechslermeister, 69 Jahre alt, Traubengasse Nr. 4.
Nr. 9. Marie Kraiczek, Maschinschlosserstochter, 20 Jahre alt, Salmgasse Nr. 4.
Nr. 10. Maria Sturm, Handarbeiterin, 34 Jahre alt, Quellengasse Nr. 24.
Nr. 11.
Jakob Zelzer, Privatier.
Nr. 12 und 13. Zwei Kinder.
Jede dieser Leichen, bis auf die Kinder, die in Fiakern
gebracht wurden, beförderte man in geschlossenen Trauerwagen
nach dem Friedhofe. Im selben Momente, als der
Leichenwagen das Hauptthor passirte, ertönte das Glöcklein,
worauf die Leidtragenden die Wartehalle verließen
und dem Sarge zum Gräbe folgten. Möglichst rasch senkte
man den Sarg in den Schacht und hiemit war die Trauerfeier zu Ende.
Das Leichenbegängniß des Privaten
Jakob Zelzer
war das einzig schöne am gestrigen Tage. Die Leiche
welche in einem Holzsarge, den ein Metallsarg umschloß,
ruhte, wurde in einem sechsspännigen Trauerwagen
Entreprise des pompes funèbres nach dem Zentralfriedhof
befördert und in einem Einzelngrabe beerdigt Die Anhörigen
des Verblichenen, die in Fiakern dem Sarge gefolgt
waren, begaben sich gleich zu dem offenen Grabe.
Wiener Zeitung vom 3.11.1874, Seite 20:
Zelzer Jakob, Pfründner, 72 J, VIII.,
Langegasse 6, Altersschwäche.
Morgen-Post vom 4.11.1874, Seite 3:
Zentralsriedhof. Die Anweisung für die Grabstellen
auf dem
Zentralfriedhofe und die Bestellung der Leichen durch
die Bestattungsanstalt geht regelmäßig vor sich und es sind die
befürchteten Unnannehmlichkeiten für den ersten Tag der Bestattung
ausgeblieben. Grüfte wurden noch nicht angemeldet. Das
erste Einzelgrab erhielt
Jakob Zelzer, welcher, im
72. Jahre, im Bezirk
Josefstadt wohnhaft, im allgemeinen
Krankenhause gestorben ist. Die letzte Leiche auf dem
St. Marxer Friedhofe,
war die der Theresia Schwimmböck, Köchin, welche
im 64. Lebensjahre in der Bründlgasse, Bezirk Landstraße, an
der Tuberkulose gestorben ist.
Wiener Zeitung vom 28.3.1884, Seite 7:
Zelzer Julius. Wäschefabricant, 47 J.,
VII., Westbahnstraße 7, Lungentuberculose.
Neues Wiener Journal vom 4.10.1898, Seite 6:
Vorgestern Nachmittags hat in der Wohnung seiner Mutter Adele Zelzer, Westbahnstraße 7,
der 22jährige Comptoirist Julius Zelzer, im Bette liegend,
aus einem Revolver eine Kugel sich in die Schläfe gejagt und ist sofort
todt geblieben. Krankheit ist die Ursache der That.
Die Grabstelle (auf Friedhofsdauer) befindet sich am
Zentralfriedhof (Gruppe: 0, Reihe: 0, Nummer: 1),
neben dem Tor 2, direkt an der Friedhofsmauer.
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: Fremden-Blatt vom 29.12.1853, Seite 7,
Neues Wiener Blatt vom 2.11.1874, Seite 4,
Wiener Zeitung vom 3.11.1874, Seite 20,
Morgen-Post vom 4.11.1874, Seite 3,
Wiener Zeitung vom 28.3.1884, Seite 7,
Neues Wiener Journal vom 4.10.1898, Seite 6.