Die Bundeshauptstadt

06. Bezirk - Mariahilfer Straße

Die Mariahilfer Straße ist eine der größten und bekanntesten Einkaufsstraßen von Wien. Sie verbindet die Innere Stadt mit dem Außenbezirk Penzing. Ihren Namen verdankt die Mariahilfer Straße der ehemaligen Vorstadt und dem nunmehrigen 6. Wiener Gemeindebezirk Mariahilf.

Verlauf: Die im Volksmund auch Mahü genannte Straße besteht aus der inneren und äußeren Mariahilfer Straße. Diese nicht offiziellen Bezeichnungen werden dennoch umgangssprachlich, aber auch von den Medien sowie bei Verkehrsdurchsagen oder U-Bahn-Stationsaufgangsbeschriftungen verwendet, um zwischen den Teilstücken innerhalb und außerhalb des Gürtels zu unterscheiden. Mitunter wird jedoch Mariahilfer Straße als Synonym für die Einkaufsstraße innerhalb des Gürtels verwendet.

Innere Mariahilfer Straße: Die Mariahilfer Straße erstreckt sich vom Getreidemarkt im 6. Wiener Gemeindebezirk (Mariahilf) beziehungsweise dem Museumsplatz im 7. Bezirk (Neubau) nahe der Wiener Ringstraße als Bezirksgrenze zwischen den beiden genannten Vorstadtbezirken, wobei sie im ersten kurzen Teilstück relativ stark ansteigt, bis zum Mariahilfer Gürtel.

Seit der Eingemeindung der Vorstädte ist die Mariahilfer Straße die Grenze zwischen den beiden Bezirken.

Äußere Mariahilfer Straße: Dieser Abschnitt erstreckt sich vom Mariahilfer Gürtel bis zur Schloßallee im Westen der Stadt. Obwohl sich auch hier zahlreiche Geschäfte befinden, haben sich in diesem Abschnitt fast keine großen oder internationalen Markengeschäfte angesiedelt. In diesem Bereich verkehrt außerdem noch die Straßenbahn, in den Innenbezirken wurde sie durch die U-Bahn ersetzt.

Geschichte: Schon vor der Ersten Türkenbelagerung von Wien war die heutige Mariahilfer Straße eine wichtige Straße von Wien in Richtung Westen, was auch die Namen beweisen, die die Mariahilfer Straße in ihrer langen Geschichte innehatte: Kremser Straße und Bayerische Landesstraße. Sie hatte aber auch lokale Namen und hieß sogar Schönbrunner Straße.

1663 wurde die Mariahilfer Straße zur Poststraße ernannt, was deren Bedeutung steigerte und die Ansiedlung von Einkehrgasthäusern mit sich brachte. Der Zweiten Türkenbelagerung im Jahr 1683 fiel die Siedlung, die sich unterdessen entwickelt hatte, zum Opfer. Nur langsam wurde sie wieder aufgebaut.

Mit der Zeit wandelte sich die ursprünglich landwirtschaftlich genutzte Gegend in eine Vorstadt, in der sich Handwerker und Händler ansiedelten. Besonders berühmt war der Bereich um die heutige Schottenfeldgasse. Dort siedelten sich Seidenmanufakturen an, die ihren Besitzern so beträchtlichen Reichtum einbrachten, dass das „Grätzl“ den Spitznamen „Brilliantengrund“ bekam und in Liedern besungen wurde.

Die Errichtung des Linienwalls teilte die Mariahilfer Straße in die „innere und äußere Mariahilfer Straße“. Bis zur Eingemeindung der Vorortgemeinden wurde hier die Verzehrungssteuer eingehoben, dann wurde diese Steuergrenze nach außen an die neue Stadtgrenze verschoben.

1826 wurde die innere Mariahilfer Straße gepflastert und 1862 erhielt sie letztendlich ihren offiziellen und heute noch gültigen Namen: Mariahilfer Straße.

Während des Baus der Wiener U-Bahnlinie U3 und den damit verbundenen Verkehrsbehinderungen, von denen auch die Fußgänger betroffen waren, siedelten sich zahlreiche Läden an, die großteils Elektro- und Elektronikgeräte billiger Machart an zumeist ungarische Touristen verkauften, was nach Meinung der alteingesessenen Geschäftsleute den als exklusiv geltenden Ruf der Einkaufsstraße bedrohte. Mit den steigenden Mieten nach dem Ende der Bauarbeiten und der Neugestaltung der Mariahilfer Straße siedelten diese Händler aber durchwegs wieder ab.

Um den im 15. Wiener Gemeindebezirk Rudolfsheim-Fünfhaus befindlichen äußeren Abschnitt nicht hinter der neu gestalteten inneren Mariahilfer Straße zurückstehen zu lassen, wurden später auch hier die Gehsteige neu, aber mit weniger Aufwand gestaltet.

Am 5. Mai 2008 wurde das neu gestaltete ‚Mariahilfer Platzl’ zwischen Gürtel und Stumpergasse in Mariahilf eröffnet. Seit den frühen 90er-Jahren geplant, hätte dort das Projekt Turm und Riegel der Architektengruppe Coop Himmelb(l)au entstehen sollen, dieses konnte jedoch nicht finanziert werden. Die jetzt zur Gestaltung des bisher brachliegenden Areals eingesetzten roten Stelen provozierten Spitznamen wie „Jachthafen“ oder „Zahnstocherplatzl“. Für zusätzlichen Unfrieden sorgte die durch den Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft am 7. Oktober 2008 beschlossene Benennung als Christian-Broda-Platz.


Mariahilfer Straße neu: Im Rahmen des Rot-Grünen Regierungsübereinkommens wurde 2010 festgelegt, die innere Mariahilfer Straße abschnittsweise zur Fußgängerzone umzugestalten. Nach Variantenprüfungen und Grundlagenstudien wurde im Oktober 2012 der Beginn der Umgestaltung bekanntgegeben.

Mit Wirkung vom 16. August 2013 wurde zunächst ohne größere bauliche Maßnahmen der Abschnitt zwischen Kirchengasse und Andreasgasse in eine Fußgängerzone umgewandelt. Die Autobuslinie 13A befuhr zunächst einen Teil dieser Zone auf einer rot bemalten Spur. Radfahrer dürfen die Zone in Schrittgeschwindigkeit befahren, Fußgänger haben aber Vorrang. Taxis dürfen zum Ein- und Aussteigen von Fahrgästen zwischen 6 und 13 Uhr zufahren. Die übrigen Abschnitte der inneren Mariahilfer Straße wurden zu Begegnungszonen deklariert, in denen alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Fußgänger können die Straße benutzen, für Fahrzeuge gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. Parken ist in keinem Teil der Straße erlaubt, Halten in drei „Kiss & Ride-Zonen“. Für den Lieferverkehr ist die Zufahrt und das Halten bis 13 Uhr zulässig.

Ab November 2013 wurde die Linienführung der Buslinie geändert, um die Fußgängerzone zu umfahren.

Im Februar und März 2014 wurde in einer Bürgerumfrage in den betroffenen Bezirken Mariahilf und Neubau ermittelt, ob die Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße beibehalten werden solle, ob für den Autoverkehr Querungen geöffnet werden sollen und ob das Radfahren im Bereich der Fußgängerzone erlaubt bleiben soll. Eine Mehrheit von 53,2 % sprach sich für die Beibehaltung der Verkehrsberuhigung aus. Sowohl die Querungen für den Autoverkehr als auch die Freigabe der Fußgängerzone für Radfahrer wurden ebenso befürwortet. Am 19. Mai 2014 erfolgte der Spatenstich für die Errichtung der dauerhaften Verkehrsberuhigung. Sowohl in der Fußgänger- als auch in der Begegnungszone wurden dabei mindestens 6,50 m breite Fahrflächen mit fahrbahnebenen Begrenzungsstreifen für Lieferverkehr und Radfahrer vorgesehen.

Verkehr: In seiner Werkstatt in der Mariahilfer Straße 104 unternahm Anfang der 1870er Jahre der Mechaniker Siegfried Marcus mit dem ersten bekannten benzinbetriebenen Straßenwagen (nicht zu verwechseln mit dem 20 Jahre jüngeren Wagen im Technischen Museum) Fahrversuche.

Im Jahr 1869 wurde in der Mariahilfer Straße eine Linie der Pferdestraßenbahn – zunächst zwischen der Stiftgasse und Rudolfsheim – errichtet. Ab 1897 wurde das Straßenbahnnetz elektrifiziert. Dass Kaiser Franz Joseph auf seinen Fahrten zwischen Hofburg und Schloss Schönbrunn regelmäßig die Mariahilfer Straße befuhr, stellte die für die Straßenbahnen Verantwortlichen vor große Probleme. Da der Kaiser wünschte, dass die Straße durch die Oberleitung nicht optisch beeinträchtigt werden dürfe, musste man bei den hier verkehrenden Tramwaylinien eine störungsanfällige unterirdische Stromschiene verwenden, mit der die Garnituren mit Strom versorgt wurden. Erst 1915 wurde hier auf die übliche Oberleitung umgestellt.

Ursprünglich befuhren mehrere 50er-Linien und mit Buchstaben bezeichnete Linien die Mariahilfer Straße auf volle Länge oder in Teilabschnitten. Zuletzt, bis zur Stilllegung des inneren Abschnittes 1993, waren die Straßenbahnlinien 52 und 58 über die gesamte Länge der Mariahilfer Straße in Betrieb. Erst beim Technischen Museum trennen sich ihre Wege in Richtung Westen. Die äußere Mariahilfer Straße, die von der U-Bahn nicht erschlossen wird, wurde danach weiterhin von den Linien 52 und 58, deren Endstation sich nun am Gürtel vor dem Wiener Westbahnhof befand, befahren. Zum 2. September 2017 wurde die Linie 58 eingestellt und ihr Abschnitt auf der äußeren Mariahilfer Straße von der verlängerten Linie 60 übernommen, die nun vom Westbahnhof bis Rodaun verkehrt.

Die Bauarbeiten für die Errichtung der U-Bahn-Linie U3 brachten auf der inneren Mariahilfer Straße große Behinderungen mit sich. Immer wieder mussten die Straßenbahngleise und die Fahrbahnen für den Autoverkehr umgelegt werden. Aus Platzgründen wurden die Tunnelröhren für die U-Bahn übereinander errichtet und nicht wie sonst nebeneinander.

Um die Oberflächengestaltung der inneren Mariahilfer Straße zu beschleunigen, wurde der Straßenbahnbetrieb innerhalb des Gürtels schon vor der Eröffnung der U-Bahn eingestellt und städtische Autobusse wurden als Schienenersatzverkehr durch teils enge Nebenstraßen geführt.

Die Mariahilfer Straße erhielt in diesem Abschnitt beidseitig etwa zehn Meter breite Gehsteige und wurde als Allee mit Bäumen bepflanzt. Viel kritisiert wurde, dass keine Radwege für den heute vergleichsweise starken Fahrradverkehr errichtet wurden, erst Jahre später wurde auf einem Teilstück nachträglich ein Radfahrstreifen errichtet. Durch die Einstellung der Straßenbahnlinien hat sich auch eine Verschlechterung des Nahverkehrs im Bereich um die Mariahilfer Straße ergeben, da die Zugangswege zur U-Bahn relativ lang sind, nur ein Teil der Straße mit Stationen versorgt wird und vom äußeren Teil her nun ein Umsteigen beim Westbahnhof erforderlich ist.

Um die Weihnachtseinkäufe zu erleichtern wurde die innere Mariahilfer Straße an den vier Adventsamstagen zur Fußgängerzone erklärt. Ansonsten war sie bis zur Neugestaltung ab Mai 2014 von starkem Autoverkehr mit Stau während des ganzen Tages geprägt.

Im Zuge der Neugestaltung der Mariahilfer Straße zwischen Mai 2014 und Juli 2015 hat die Stadt Wien Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung vorgenommen:

Fußgängerzone: Die Fußgängerzone, welche aufgrund der Unterbrechung durch die Amerlingstraße in zwei Abschnitte - Kirchengasse bis Neubaugasse sowie Neubaugasse bis Andreasgasse - unterteilt ist, umfasst gesamt 432 Meter und bildet den Kernbereich der neugestalteten Mariahilfer Straße.
Begegnungszone: Die Fußgängerzone geht stadteinwärts (Kirchengasse bis Getreidemarkt, 739 Meter) und stadtauswärts (Andreasgasse bis Kaiserstraße, 495 Meter) in eine insgesamt 1.234 Meter lange Begegnungszone über. In der Begegnungszone wurden Ladezonen, Behindertenstellplätze und Taxistandplätze eingerichtet.

Geschäfte und Einzelhandel: Die innere Mariahilfer Straße war die Einkaufsstraße der k.u.k. Monarchie und ist heute noch eine der bedeutendsten Einkaufsstraßen Österreichs. Auch durch die Eröffnung des ersten Einkaufszentrums (des heute noch bestehenden Generali Centers) im Jahr 1968 schrieb die Mariahilfer Straße Wiener Einzelhandelsgeschichte. Derzeit liegen im gesamten Straßenzug zwei Einkaufszentren (Gerngross, Generali Center). Flächenmäßig ist sie mit einer Einzelhandelsverkaufsfläche von 178.000 m² laut einer Erhebung 2009[12] nur mit dem Geschäftsbesatz der Wiener City vergleichbar, die aber bei weitem nicht so eine kompakte Handelsdestination wie die Mariahilfer Straße darstellt. Nimmt man das „Goldene U“ (Kärntner Straße, (Stephansplatz / Stock-im-Eisen-Platz), Graben, Kohlmarkt) als Hauptgeschäftsstraße der City an, dann ist die Mariahilfer Straße mehr als dreimal so groß wie der zweitplatzierte Bereich Donauzentrum/Kagran. Auf den ersten Blick mag das Geschäftsflächen- (+10,8 % seit 2004) und das Verkaufsflächenwachstum (+13 % seit 2004) überraschen, da die Straße bereits 2004 dem Augenschein nach "voll" besetzt war. Insbesondere Flächenoptimierungen von Großflächen (P&C und Leiner) und die Nutzung in "zweiter Reihe" gelegener Flächenressourcen ermöglichten dieses Flächenwachstum.

Die Leerstandsquote beträgt derzeit 1,7 %, was einer Vollvermietung entspricht, da sich immer wieder Flächen im Um- oder Ausbau befinden (der Anteil kann bis zu 2 % betragen). Stark augenfällig ist weiters die starke Dominanz des Bekleidungsangebotes. 40 % der Flächen sind diesem Sortiment zugeordnet. Viele namhafte internationale Filialketten haben auf der Mariahilfer Straße ihre großflächigen Flagship Stores (H&M, P&C, C&A, Benetton, etc.). Dies zeigt sich auch bei der Analyse der durchschnittlichen Shopgröße. Mit 287 m² je Shop sind die Shopgrößen noch vor dem Bereich Donauzentrum die großzügigsten und mehr als doppelt so groß wie der "durchschnittliche" Shop in Wiener Geschäftsstraßen.

Der Vielfalt an Geschäften zum Trotz verdankt die Mariahilfer Straße ihren Ruf als Geschäftsstraße vor allem mehreren Kaufhäusern.

Quelle: Text: Wikipedia, Bilder: Peter Gugerell, gemeinfrei und August Stauda, gemeinfrei.

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