Neustift am Walde

19. Bezirk

Neustift am Walde war bis 1892 eine eigenständige Gemeinde und ist heute ein Stadtteil Wiens im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling.

Lage: Neustift liegt nordwestlich von Pötzleinsdorf, westlich von Sievering und südöstlich von Salmannsdorf. Das Dorf ist in zwei langen Häuserzeilen angelegt, die durch eine schmale Straße getrennt ist, die den oberen Krottenbach begleitet. Eine Straße verbindet Neustift am Walde mit Salmannsdorf und der Krim.

Neustift im Mittelalter: Neustift am Walde wurde vermutlich als Nachfolgesiedlung der Wüstung Chlainzing gegründet. Merkmale dafür ist neben dem Ortsnamen die Ortsform und die systematische Rodung und Besiedlung. Die Bewohner waren Bauern, die im wesentlichen für den Eigenbedarf produzierten. Für den Verkauf wurde Wein angebaut. Neustift war zunächst im Besitz verschiedener Eigentümer. Auch die Pfarrzugehörigkeit wechselte. Die Stiftungsurkunde der Sieveringer Pfarrkirche aus dem Jahre 1330 belegt, dass die Neustifter gemeinsam mit der Bevölkerung von Sievering und Salmannsdorf eine Kirche in Sievering errichteten. Die Pfarrzugehörigkeit wechselte in der Folge von Heiligenstadt zur Pfarre Sievering. 1413 verkauften die Brüder Zink den Besitz dem Pfarrer von Gars am Kamp, der seinerseits das Augustiner Chorherrenstift St. Dorothea gründete und 1414 dem Stift seinen Besitz übergab. 1435 hatte der Ort bereits 24 Häuser.

Neustift in der Neuzeit: Ähnlich wie die benachbarten Siedlungen wurde Neustift am Walde während der beiden Türkenbelagerungen schwer in Mitleidenschaft gezogen. Eine besonders schlechte Weinernte während der Zeit Maria Theresias führte zu einem besonderem Brauch in Neustift. Nachdem die Kaiserin dem Ort darauf die Steuern erließ, überbrachten die Winzer der Kaiserin eine Heurigenkrone. Mit dem Auftrag am 16. August, dem Jahrestag des Kirchenpatrons Rochus von Montpellier, einen Kirtag abzuhalten kam die Krone nach Neustift zurück. Sie wird heute im Kronenstüberl der Familie Eischer aufbewahrt. 1713 wütete die Pest in Neustift und noch im selben Jahr wurde als Gedenken von einem italienischen Kaufmann die Rochuskapelle gestiftet. Als Joseph II. das Dorotheastift auflösen ließ, kam Neustift am Walde an das Stift Klosterneuburg. Zusätzlich wurde Neustift zu einer eigenen Pfarre erhoben und die Kapelle wurde in die Neustifter Pfarrkirche umgewandelt. Von den Schäden durch die französischen Truppen Anfang des 19. Jahrhunderts erholte sich Neustift nur schwer. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es jedoch durch den Tourismus (Sommerfrische) zu einem Aufschwung im Ort. Die Häuser wurden mit Gästezimmern für wohlhabende Wiener ausgestattet, auch einige Gästehäuser entstanden. Neustift am Walde blieb jedoch ein beschaulicher Ort. Die Bedrohung durch den Krottenbach wurde schließlich 1908/09 durch Überbauung gebannt, nachdem der Bach 1907 Neustift zum letzten Mal überschwemmt hatte.

Im Jahre 1892 wurde Neustift am Walde, gemeinsam mit Salmannsdorf, Währing, Weinhaus, Gersthof und Pötzleinsdorf als Bezirk Währing zu Wien eingemeindet. 1938 schlug man die Dörfer von Neustift am Walde und Salmannsdorf dem 19. Bezirk (Döbling) zu. Der Neustifter Friedhof blieb jedoch Teil des Bezirkes Währing.

Heute ist Neustift am Walde ein beliebter Heurigenort. Im Sommer findet in Gedenken an den Steuererlass Maria Theresias immer noch ein viel besuchter Kirtag statt.