Weinhaus
18. Bezirk

Weinhaus ist ein Stadtteil Wiens im 18. Wiener
Gemeindebezirk Währing.
Namensgeschichte: Die genaue Herkunft des Namens
Weinhaus ist unbekannt. Urkundlich erscheint der Name Weinhaus erstmals 1267 in
einem Kaufvertrag, der einen „Chunradus dictus de Winhus“ nennt. 1314 ist zudem
ein „Marquard von Weinhaus“ in einer Urkunde als Zeuge belegt. Das reiche
Bürgergeschlecht der Weinhauser war Besitzer des Meierhofes von Sankt Ulrich.
Die Benennung des Dorfes nach diesem Bürgergeschlecht ist jedoch nicht
nachweisbar. Nach einer überlieferten Legende soll ein reicher Wiener Bürger im
Spätmittelalter an den Südhängen der Hohen Warte (heute: Türkenschanze)
ausgedehnte Weinriede besessen haben. Am Nordhang des Mitterberges ließ er ein
Haus mit einer Weinpresse errichten (heute Lacknergasse 98), wo er Wein an
Passanten ausschenkte. Dieses „Weinhaus“ soll später zum Synonym für das
langsam entstehende Dorf geworden sein. Tatsächlich dürfte der Ortsname jedoch
eher auf das Weinhaus des Klosters Michaelbeuern zurückgehen, wo der jährliche
Zins oder das Bergrecht abgeliefert werden musste.
Weinhaus im Mittelalter: Weinhaus war durch seine
Lage seit jeher in seiner Entwicklung gehemmt. Geographisch bot das enge Tal
des Währinger Baches mit den ansteigenden Hängen der Alsegger Höhen und der
Hohen Warte wenig Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem war das Weinhauser Gebiet
von drei Seiten durch das Dorf Währing umschlossen. Urkundlich ist das Dorf
erstmals 1349 belegt. In diesem Jahr erhielt Leopolt von Puchs das Dorf
Weinhaus. Das Gebiet gehörte ursprünglich zu einem großen Besitz des Grafen von
Burghausen, später gelangte der Besitz am rechten Ufer des Währinger Bachs in
den Besitz des Stiftes Michaelbeuern. 1356 befand sich Weinhaus im Besitz von
Wernhard Schenk von Ried, einem herzoglichen Forstmeister und Vertrauten der
Herzöge Albrecht II. und Rudolf IV. Wie das Gebiet in sein Besitz gelangte, ist
nicht überliefert, jedoch liegt der Schluss nahe, dass Wernhard Schenk den
Besitz von Leopolt von Puchs käuflich erwarb. Wernher von Schenk schenkte 1356
seinen Weinhauser Besitz jedoch der Pfarre Hütteldorf, um die neugegründete
Pfarre mit regelmäßigen Einnahmen auszustatten. Neben der Pfarre Hütteldorf gab
es noch weitere Grundbesitzer in Weinhaus. Darunter befanden sich 1456 auch das
Stift Lilienfeld und die Deutschen Herren. Wichtigste Einnahmequelle der
Weinhauser war der Weinbau. Zudem war Weinhaus von den Beschränkungen des
Weinbaus durch Herzog Albrecht V. 1417 und 1426 nicht betroffen, die um Wien
ein Ausufern des Weinbaus und dadurch eine Verteuerung des Brotpreises
verhindern sollte.
Besitzstreit vom 15. bis zum 17. Jahrhundert:
Während die Pfarre Hütteldorf die Grundherrschaft über Weinhaus ausübte, war
die Pfarre für ihre Weinhauser Besitzungen dem Benediktinerstift Michaelbeuern
dienstbar. Die Pfarre Hütteldorf strebte jedoch das Ende dieser Oberherrschaft
an. 1499 weigerte sich der Hütteldorfer Pfarrer Ludwig Storch den Zins oder das
Bergrecht (ein Fuder Wein bzw. 32 Eimer) abzuliefern. 1507 endete der Streit
mit einem Vergleich, der die Pfarre zur Zahlung der Prozesskosten und
ausständigen Abgaben sowie der Fortzahlung der jährlichen Abgaben zwang. Dem
Pfarrer wurden jedoch auf Lebenszeit acht Eimer Wein an Abgaben nachgelassen.
Auch danach währte der Streit fort. Zwischen 1529 und 1540 weigerte sich
Pfarrer Mathias Beheim zur Ablieferung der Abgaben, nachdem 1529 die Türken den
Ort verwüstet hatten. Erzherzog Friedrich entschied jedoch in diesem Streit
erneut zu Gunsten des Stiftes. Ein Jahrhundert später flammte der Streit erneut
auf. Pfarrer Arupp erzielte einen günstigen Vergleich mit dem Stift und musste
in der Folge nur noch 42 Gulden jährlich zahlen. Der Vergleich galt zwar nur
für seine Person, jedoch vermachte der Pfarrer jeweils seinem Nachfolger die
Vergünstigung. Ein letzter Vergleich ist aus dem Jahr 1672 urkundlich belegt,
der die Abgaben auf 35 Gulden senkte. Nach der 1683 erfolgten Türkenbelagerung
konnte das Stift seine Rechte nicht mehr durchsetzten und gab seinen Anspruch
auf. Bereits vor 1680 befand sich das Weinhaus des Stiftes in Besitz der Pfarre
Hütteldorf.
Weinhaus während der Türkenkriege: Die Größe des
Dorfes Weinhaus vor der Ersten Wiener Türkenbelagerung 1529 ist nicht
überliefert. 1543 bis 1558 bestanden in Weinhaus 40 Häuser, 1564 waren es 41,
wobei dreizehn Häuser in der heutigen Lacknergasse standen. Das geringe
Wachstum zwischen 1543 und 1564 ist ein Hinweis darauf, dass sich Weinhaus nach
dem Krieg schnell erholt hatte. Im Jahr 1600 bestanden 42 Häuser in Weinhaus
und die Zahl blieb auch in den folgenden 250 Jahren annähernd dieselbe, da es
an geeignetem Baugrund mangelte. Der mangelnde Baugrund und die daraus
resultierende, geringe Größe des Dorfes hatte starke Auswirkungen auf die
Infrastruktur. Die Weinhauser Bevölkerung musste die Messe in Währing besuchen,
die Toten wurden in Währing bestattet und die Kinder besuchten die Schule in
Währing. Durch die gemeinsame Infrastruktur war blieb die Geschichte von
Weinhaus und Währing eng miteinander verbunden. 1679 brach auch in Weinhaus die
Pest aus, die zahlreiche Opfer forderte. Zu dieser Zeit bestand Weinhaus aus
drei Gassen, der Vierziger-, der Zweiundreißiger- und der Zwanziger-Zeil. Je
nach Gassenname mussten die Hausbesitzer 20 bis 40 Pfennige an jährlichem
Grunddienst leisten, wobei die Höhe des Grunddienstes von der Größe und Lage
abhängig war. Die Vierziger-Zeil entsprach der heutigen Lacknergasse, die
Zweinundreißiger-Zeil der unteren Währigerstraße vom Aumannplatz bis zur
Köhlergasse, die Zwanziger-Zeil von der der Köhlergasse bis zum Ende der
Währingerstraße. Die Gentzgasse war zu dieser Zeit noch völlig unverbaut. 1682
führte eine Trauben-Missernte zu einer starken Verarmung der Gemeinde Weinhaus.
Wesentlich drastischer wirkte sich jedoch das Erscheinen des Türkischen
Belagerungsheeres am 14. Juli 1683 aus. Große Teile der Weinhauser Bevölkerung
waren bereits geflohen, die verbliebenen wurden ermordet oder versklavt. Der
Ort selbst wurde von den Türken in Schutt und Asche gelegt. Die türkische Armee
besetzte im Zuge der Zweiten Wiener Türkenbelagerung die strategisch wichtige
Türkenschanze und errichteten eine Stellung mit großkalibrigen Geschützen aus
80 bis 120 Pfund schweren Kanonen. Mit ihrem großen Aktionsradius konnten die
Kanonen der Stadt Wien und ihren Vororten schwere Zerstörungen zufügen. Auch
der Vormarsch des Entsatzheeres wurde durch die Stellung bedeutend aufgehalten.
Nachdem eine Choragwia vernichtet worden war, gelang es sächsischen Dragonern
unter der Führung von Ludwig von Baden sowie zwei kaiserlichen Regimentern in
den toten Winkel der Kanonen zu gelangen. In einer Schlacht Mann gegen Mann
wurde die Anhöhe schließlich genommen. Der Ort Weinhaus selbst wurde von den
Truppen des Fürsten Georg Friedrich Waldeck befreit.
Der Wiederaufbau: Die Türkenbelagerung hatte
Weinhaus fast völlig zerstört. Lediglich fünf von ehemals 40 Häusern dürften
nicht vollständig zerstört worden sein. Auch die Bevölkerung von Weinhaus hatte
sich grundlegend gewandelt. 1690 scheinen im Ortsverzeichnis nur noch fünf der
ehemaligen Hausbesitzer vor 1683 auf, wobei in diesem Jahr immer noch 13 Häuser
„öd und ungestiftet“ waren. 1695 waren 33 Häuser wieder bewohnt, jedoch wurde
erst 1757 die letzte „Prandstatt“ im Gewährbuch genannt. Auch die zerstörten
Rebflächen erholten sich nach und nach. Einen Rückschlag erlebte die
Bevölkerung jedoch 1713 durch die Pest, die zahlreiche Menschen leben forderte.
Die Bevölkerungszahl erholte sich jedoch rasch wieder, 1745 lebten in 40
Häusern 450 Menschen. Weinhaus wurde im 18. Jahrhundert auch für die Wiener
Bürger interessant. 1750 hatten bereits einige Wiener Bürger ein Haus in
Weinhaus errichtet, wo die Bürger die Sommermonate verbrachten. In der
Vierziger-Zeil gehörten zu vielen Häusern auch ein Lustgarten. Der Hofjuwelier
Joseph Friedrich Schwab errichtete beispielsweise ein Landhaus mit einem großen
Garten und ließ dahinter eine Kapelle, die 1738 dem Heiligen Joseph geweiht
wurde. 1780 folgte die Errichtung der kaiserlichen Obstbaumschule in Weinhaus,
die jedoch nach zehn Jahren wieder aufgegeben wurde.
Weinhaus im 19. Jahrhundert: Nach der Besetzung
Wiens 1809 durch Napoléon Bonaparte schlugen die französischen Truppen am 11.
Mai 1809 ihr Lager auf der Türkenschanze auf. Offiziere quartierten sich in
Weinhaus ein, während die Bevölkerung den Truppen Vorspanndienste mit Pferden
und Ochsen leisten musste. 1830 trat der Währinger Bach über die Ufer und
unterspülte einige Häuser. 1831 folgte eine Choleraepidemie, die drei
Menschenleben in Weinhaus forderte, jedoch in der Stadt Wien weitaus mehr Tote
ausgelöst hatte. Seit 1745 war Weinhaus kaum gewachsen. 1835 lebten im Ort 504
Menschen in 43 Häusern. Immerhin konnte 1838 die erste Schule eröffnet werden.
Das Revolutionsjahr 1848 ging an Weinhaus ohne Zerstörungen vorüber. Die
kaisertreue Weinhauser Nationalgarde diente lediglich zum Schutz des Eigentums
und wurde nach dem Einrücken der kaiserlichen Truppen entwaffnet. Die
Artillerie feuerte in der Folge auch aus Weinhaus auf den Linienwall. Das
Revolutionsjahr 1848 wirkte sich durch die Abschaffung der Grundherrschaft
letztlich aber auch auf die Weinhauser aus, die ihren Grund nur verkaufen,
vererben oder verpachten konnten. Der letzte Ortsrichter Leonhard Trumler wurde
erster Bürgermeister von Weinhaus. In der Zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
folgten weitere Infrastrukturmaßnahmen. Ende der 50er Jahre wurde eine
gasbetrieben Straßenbeleuchtung eingeführt, des weiteren stieg die Zahl der
Wohnbauten stark an. 1862 gab es bereits 62 Häuser. Große Bedeutung erlangte
auch die Errichtung der Universitätssternwarte Wien, die jedoch auf Währinger
Gebiet entstand. Da der Währinger Bach zu einer offenen Kloake verkommen war,
begann 1874 die Einwölbung des Währinger Baches hinter einigen Häusern der
oberen Währingerstraße. Mitte der 70er Jahre gab es Pläne, durch Weinhaus eine
Pferdetramway zu errichten. Da der Weinhauser Gemeinderat jedoch auf eine
vollständige Pflasterung in der Währingerstraße bestand, scheiterte das
Vorhaben. Unter dem letzten Bürgermeister Sebastian Mayer folgten weitere
Infrastrukturmaßnahmen. Ab 1879 erfolgte der Neubau des Schulgebäudes ab der
Ecke Gentzgasse/Köhlergasse. 1880 wurde die obere Gentzgasse errichtet, nachdem
zuvor nur ein Fußweg am Bach nach Gersthof geführt hatte. Gleichzeitig wurde
das Gebiet entlang der neuen Straße verbaut. Gleichzeitig mit dem Neubau der
Straße erfolgte die Pflasterung der Lacknergasse und der oberen Währingerstraße,
1886 wurde der gesamte Währingerbach eingewölbt, in einen Bachkanal verwandelt
und unter die Gentzgasse verlegt.
Die Eingemeindung von Weinhaus zu Wien: 1890
bestanden in Weinhaus 82 Häuser. Noch im selben Jahr beschloss der
niederösterreichische Landesausschuss die Vereinigung Wiens mit den Vororten.
Das Gesetz trat am 1. Jänner 1892 in Kraft und vereinte Weinhaus,
Gersthof,
Währing, Pötzleinsdorf,
Neustift am Walde und
Salmannsdorf zum 18. Wiener
Gemeindebezirk Währing (heute gehören Neustift am Walde und
Salmannsdorf zum
19. Wiener Gemeindebezirk Döbling). Das Gebiet der ehemaligen Ortschaft
Weinhaus war dabei mit nur 0,2 km² der kleinste Gebietsteil des Bezirkes und
beherbergte 1890 2.192 Einwohner.