Währing - Bezirksteil
18. Bezirk

Währing ist ein Stadtteil Wiens im 18. Wiener Gemeindebezirk
Währing.
Namensgebung: Währing wurde erstmals etwa 1170 als
Warich urkundlich genannt. Über die Herkunft des Namens gibt es nur
Vermutungen. Möglicherweise ist er slawischen (var für warme Quelle) oder
germanischen Ursprungs (werich für Tagwerk, d.h. ein Feld in einer Größe, wie
es ein Mann an einem Tag bearbeiten kann), womöglich leitet er sich auch von
Werigandus, dem ersten Abt des Klosters Michelbeuern, ab. Ein weiterer
möglicher Ursprung des Namens könnte sich auf die slawische Landnahme
zurückführen, gehen doch Döbling (Toplica = warmer Bach) und Währing (Varica =
dunkler Bach) auf slawische Toponyme zurück.
Geschichte: Die Kapelle und der „Hof zu Währing“
(auch Berghof oder Freihof genannt) bildeten den ältesten Kern Währings. Das
älteste Wohngebäude war der Hof zu Währing (heute Währinger Straße 91-93) , in
dem sich der Sitz der michaelbeurischen Gutsverwaltung befand. Die Kapelle zur
heiligen Gertrud wird erstmals 1226 erwähnt. Der Ort entwickelte sich entlang
des Währinger Baches als typisches Straßendorf. Als Matthias Corvinus 1485 Wien
eroberte, schlug er sein Lager in Währing auf. Die Zeit davor brachte großes
Elend, da Söldnerbanden plündernd durch das Gebiet zogen. Eine Schule in
Währing wurde erstmals 1529 erwähnt, das Schulgeld für den Lehrer wurde von den
Eltern bezahlt. Auf Grund seines geringen Gehalts war der Lehrer aber zugleich
Mesner, Glöckner, Organist und Knecht des Pfarrers. Nachdem die Schule während
der Zweiten Wiener Türkenbelagerung zerstört worden war, existierte bis 1750
keine Schule. Im 16. und 17. Jahrhundert wütete hier die Pest, dennoch
entwickelte sich der Ort weiter. 1582 gab es bereits 42 Häuser, zwei ausgebaute
Wege führte nach Wien und Döbling. 1683 wurde Währing bei der Zweiten Wiener
Türkenbelagerung völlig zerstört, die Weingärten vernichtet. Viele Bewohner
wurden getötet oder als Sklaven verschleppt.
Es dauerte bis zum Jahr 1750, bis Währing wieder die selbe Größe wie im Jahr
1582 erreichte. Danach begann der Ort rasch zu wachsen. Zu Beginn des 19.
Jahrhunderts ging der Weinbau zurück, und der Ackerbau nahm zu. Gleichzeitig
stieg auch die Einwohnerzahl. 1833 gab es bereits 150 Häuser mit 2578
Einwohnern. Die starke Verschmutzung des Währinger Baches und das Fehlen einer
Kanalisation führten 1831 zum Ausbruch der Cholera. Im 19. Jahrhundert
entwickelte sich Währing zur Sommerfrische für reiche Wiener, was den Charakter
des Ortes veränderte. Häuser wurden ausgebaut und aufgestockt, Nutzgärten zu
Ziergärten umgewandelt. Nach dem Revolutionsjahr 1848 wuchs der Ort rasch
weiter. Gab es 1857 nur 200 Häusern, so waren es 1880 bereits 991 und 1890 auf
1311. Ein 1856 am Währinger Spitz errichtetes Gaswerk einer englischen
Gesellschaft übernahm die Versorgung Währings mit Erdgas; noch im selben Jahr
begann man die ersten Straßenbeleuchtungen aufzustellen. 1870 bis 1880 wurden
die wichtigsten Straßen Währings gepflastert. 1874 begann die Einwölbung des
Währinger Baches zum Schutz vor Hochwasser, die bis 1886 dauerte. Zwischen 1874
und 1879 wurde auf einem 5,5 Hektar großen Gelände an der „Türkenschanze“ die
Universitätssternwarte Wien errichtet, die nach dem Umzug des Instituts für
Astronomie der Universität Wien am 5. Juni 1883 in Anwesenheit von Kaiser Franz
Joseph I. feierlich eröffnet wurde.
Nach der Eingemeindung der Vorstädte Wiens im Jahr 1850 begann in den 1870er
Jahren die Diskussion über die Eingemeindung der Vororte. Die Initiative dazu
kam aus Währing. Der Rechtsanwalt Dr. Leopold Florian Meißner richtete eine
Petition an den niederösterreichischen Landesausschuss, in dem er die Bildung
von "Groß-Wien" anregte. Fast alle Vororte waren jedoch gegen den Vorschlag.
Nach dem Wunsch Kaiser Franz Josephs in einer Rede 1888 beschloss der
niederösterreichische Landesausschuss die Vereinigung Wiens mit den Vororten.
Ein entsprechendes Gesetz trat am 1. Jänner 1892 in Kraft und vereinte Währing,
Gersthof, Pötzleinsdorf, Weinhaus, Neustift am Walde und Salmannsdorf zum 18.
Wiener Gemeindebezirk Währing (heute gehören Neustift am Walde und Salmannsdorf
zum 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling). Das Gebiet der ehemaligen Ortschaft
Währings war dabei 2,14 km² groß und beherbergte 1890 61.154 Einwohner.