Lainz
13. Bezirk

Lainz war eine Vorortgemeinde von Wien, die heute
Katastralgemeinde und Teil des 13. Wiener Gemeindebezirks
Hietzing ist und in
dessen geografischem Zentrum liegt.
Lage: Der historische Ort Lainz bestand aus
einigen Gehöften am Lainzer Sattel, dem Durchgang zwischen Wienerwald und
Küniglberg entlang der Lainzer Straße. Diese
führte zu den nahegelegenen Nachbardörfern Unter Sankt Veit im Norden und
Speising im Süden. Das zum Dorf Lainz gehörende Gebiet war kaum größer als
einen guten Kilometer im Durchmesser.
Geschichte: Es konnten Besiedlungen bis ins 12.
Jahrhundert nachgewiesen werden, der Name „Lainz“ wurde 1324 erstmals erwähnt.
Das Dorf wurde in der Zeit der Babenberger als rechtliche Einheit mit Speising
von den Lehensmännern der Häuser Saurau und Chrudner verwaltet. Die enge
Bindung mit Speising wird auch dadurch verdeutlicht, dass die Pfarre seit ihrer
Gründung 1421 und bis heute Lainz und Speising betreut. Dennoch wurde Lainz bei
der Theresianischen Gebietsreform eine eigenständige Gemeinde mit wenigen
hundert Einwohnern. Der nahe liegende Wienerwald diente dem Wiener Adel als
Jagdrevier sowie einigen Lainzer Holzknechten als Arbeitsstätte.
Das Dorf wurde im Zuge der ersten und Zweiten Wiener Türkenbelagerung
niedergebrannt und ausgeplündert. Die Barockkirche wurde 1736 an Stelle der
notdürftig reparierten Kriegsruine erbaut und gemäß dem damaligen Trend der
Gegenreformation der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Zum Dank dafür, dass
Lainz weniger stark als Wien von Pest- und Choleraepidemien betroffen war,
wurden jährliche Dankeswallfahrten in die Dreifaltigkeitskirche abgehalten.
1892 wurden die Gemeinden Hietzing (heute Alt-Hietzing genannt),
Lainz, Speising, Ober Sankt Veit,
Unter Sankt Veit und
Hacking zum 13. Wiener Gemeindebezirk Hietzing
zusammengefasst und in die Stadt Wien eingemeindet.
In der Gründerzeit und besonders nach der Eingemeindung verlor
Lainz seinen
Dorfcharakter, als reiche Geschäftsleute aus Wien hier Villen errichteten, die Lainzer Straße bis Schönbrunn befestigt, und 1860 eine Regionalbahnlinie
(S-Bahn) von Meidling bis Hütteldorf (die Verbindungsbahn) erbaut wurde. 1902
wurde das Versorgungsheim für alte und pflegebedürftige Menschen errichtet,
1913 gleich nebenan das Krankenhaus Lainz. Diese Einrichtungen wurden mit den
Straßenbahnlinien 60 nach Schönbrunn und 62 nach Meidling angebunden. Damit
stand der völligen Verstädterung nichts mehr im Wege.
Bedeutende Bauwerke: Das Geriatriezentrum Am
Wienerwald (ehemals Pflegeheim Lainz, zuvor Versorgungsheim) ist das größte
Pflegeheim Österreichs. Es liegt am Fuße großer Parkanlagen des Wienerwaldes
und wurde 1902 im Gründerstil als weitläufige Pavillonanlage in dörflichem
Charakter erbaut. Die unüberschaubare Größe, Personalmangel und
Strukturdefizite führten zu Pflegeskandalen, sodass das Heim bis 2015
schrittweise geschlossen wird. Über die Nachnutzung der denkmalgeschützten
Bauten gibt es noch keine Einigung.
Das Krankenhaus Lainz wurde 1913 als damals größtes Krankenhaus Wiens eröffnet,
ist heute das älteste Spital und mit 2.800 Mitarbeitern und 18 Abteilungen das
zweitgrößte der Stadt. Traurige Berühmtheit erlangte das Haus durch eine
Mordserie in den Jahren 1983–89, siehe dazu Todesengel von Lainz, mit
mindestens 42 Opfern. Nach diesem Skandal versuchte man mit der Umbenennung in
Krankenhaus Hietzing den Ruf aufzubessern, diese Umbenennung wird aber vielfach
nicht übernommen, selbst in den Homepages von führenden Ärzten.
Das von den Jesuiten geführte Exerzitien- und Bildungshaus Lainz liegt mit dem
zugehörigen meditativen Park neben der neuen Lainzer Pfarrkirche und wurde vor
einigen Jahren nach dem verstorbenen Wiener Kardinal Franz König in Kardinal
König-Haus (KKH) umbenannt. Seine Adresse dient seit der Leitung des Hauses
durch Pater Reinhold Ettel auch als Zentrale von Marriage Encounter-Österreich.
Am Küniglberg liegt ein kleiner Park, bekannt
wurde die Anhöhe 1976 durch den Bau des ORF-Zentrums. Das Zentrum ist heute in
so schlechtem Zustand, dass ernsthaft der Totalabriss anstelle der Renovierung
überlegt wird.
Der Bahnhof Speising liegt zum größeren Teil in Lainz. Hier halten Züge der S3,
S15 und einige Regionalzüge nach Hütteldorf bzw. Wien-Mitte,
Floridsdorf und
weiter nach Norden.
Der Lainzer Tunnel ist noch in Bau und wird die Westbahn mit der Südbahn
verbinden.
Der Lainzer Tiergarten liegt trotz seines Namens nicht in Lainz, sondern in
Ober St. Veit.