|
Hasendorf (Postleitzahl 7540):
Hasendorf war ein Teil der Pfarre
St. Nikolaus. Der Friedhof von Hasendorf wurde erstmals im Jahr 1812
urkundlich erwähnt. Die Kinder wurden bis zum Jahr 1874 in der Schule von
St. Nikolaus, danach in
Punitz (Lehrer war Johann PERNITZ) und ab dem Jahr 1875 in
Tobaj unterrichtet (Lehrer Karl EIGEL).
Westlich der Güssinger-Tobajer Straße, an einem mit Obstbäumen bestandenen
Hügel, den eine dichte Waldkulisse abgrenzt, liegt die ziemlich geschlossene,
kleine Gemeinde Hasendorf. Einst war sie rein kroatisch, heute (1928) sind alle
auch der deutschen Sprache mächtig.
Über den Ursprung des Namens und wohl auch über die Entstehung des Ortes gibt
uns ein im Güssinger Gemeindeprotokoll enthaltener Prozess aus dem Jahre 1626
Aufschluss: Prozess des Adeligen Peter Baraszovich gegen die Adelige Katharina
Zaychich in der Person des Klägers erklärt Georg Horvatich folgendes: Am
vergangenen St. Georgstag ist eine Beschwerde über ein gewisses Gut und über den
Söllner Mihicza Malich geführt worden, welches Gut Simon Zaychich für seinen
treuen Dienst von dem längst verstorbenen Franz Batthyány (gest. 1566), unserem
Herrn, zum Geschenke bekam. Dieses Gut ist vor langer Zeit unter seine beiden
Söhne
Peter und lwan, aufgeteilt worden. Von diesen besaßen es die Söhne des Peter
Zaycz in männlicher Linie. Als Peter Zaycz im Sterben lag, verordnete er
testamentarisch, dass das Gut,
falls die männliche Linie erlischt, der weiblichen Linie zufalle. Seit 24 Jahren
genießt nun, die weibliche Linie das Gut und ich besitze es nach der weiblichen
Linie, da ich von der Tochter des Simon Zaychich Barbara als Sohn abstamme. Ich
bin daher nicht fremd und sehe mich infolge der
Blutsverwandtschaft als rechtmäßigen Besitzer, obwohl mir dieser Tage Michael
Somsghi sagen ließ, dass er mit mir verhandeln wolle. Nun ist er aber nicht
erschienen. Ich verlange gegen die Geklagte (Katha-rina Zaychich) eine
Erklärung, ob das Gut mir zukomme oder nicht. Ich habe nach dem Stammbaum
unseres Geschlechtes dargelegt, welches Recht ich dazu habe."
"Da die Geklagte aus Hartnäckigkeit bei der Verhandlung nicht erschien wurde
folgendes beschlossen: Da der Empfänger des Gutes von Zayczdorf Sinion Zaychich
war und das Gut
nur der männlichen Linie gebührte, Peter Zaycz aber in seinem Testament
bestimmte, dass es beim Erlöschen der männlichen Linie auf die Weibliche
übergehe und Katharina Zaycz dasselbe als Glied der weiblichen Linie 24 Jahre
lang genoss, wird nach dem Gesetz die eine Hälfte des von dem Ahnen Simon Zaycz
hinterlassenen Gutes dem aus der weiblichen Linie abstammenden Peter Baraszovich
und die andere Hälfte dem genannten Söllner Mihicza Malich zugesprochen, jedoch
unbeschadet dessen, falls Katharina Zaycz in irgendwelches Gut Geld investiert
hätte." So im Prozess.
Nach der hier angeführten Familie Zavcz (d. i. Hase) wurde die Gemeinde lange
Zeit hindurch Zayczfalu (Zayczdorf), später Hasendorf benannt. Die Adeligen
Baraszovich und Zaych werden im Güssinger Gemeindeprotokoll einige Male genannt,
dann verschwindet sie gänzlich. Nicht aber so die Nachkommen der Familie Mihicza
Malich. Diese lebt in der Gemeinde Hasendorf heute noch und kann auf so manchen
ihrer Ahnen stolz sein. Denn die drei Malich, lwan, Peter und. Gregor, mussten
angesehene Persönlichkeiten gewesen sein, da der Reihenfolge nach zwei von ihnen
vom Jahre 1642 bis 1691 im Güssinger Stadtgericht als Geschworene verzeichnet
sind und die zwei letztgenannten. längere Zeit das Amt eines Waisenvaters
bekleideten. Daraus lässt sich schließen, dass zu jener Zeit Hasendorf zur
Güssinger Gerichtsbarkeit und weil. der Grundherr Franz Batthyány (geh.1497,
gest. 1566) dem Simon Zaychich dort ein Gut verlieh, zur Grundherrschaft Güssing
gehörte. Bei der Teilung der herrschaftlichen Güter zwischen Graf Christoph und
Graf Paul von Batthyány, im Jahre 1662 wurden denn auch vom Gebiete Hasendorf
dein letzteren 1 3/4 ganze Session und 1/2 öde Session zugeteilt, welcher Besitz
schließlich der Familie Draskovich durch Einheirat zufiel.
Im Jahre 1750 besaßen die Untertanen von Hasendorf 16 Ochsen, 13 Kühe, 20
Kälber, 26 Schweine und 6 Bienenstöcke. Die Volkszählungen ergaben folgende
Seelenzahl: 1745 - 53, 14-49 - 54, 1812 -115, 1832 - 113, 18.10 - 95, 1845 - 68,
1849 - 72. Heute (1928) sind es 138.
Kirchlich gehörte Hasendorf zur St. Nikolauser Pfarre und steht seit 280 Jahren
(1928) unter Leitung der Franziskaner von Güssing. Dafür musste nach den alten
kanonischen Visitationsberichten die Gemeinde mit den anderen Filialgemeinden
den am Nikolaus bestandenen Pfarrweingarten bearbeiten und die Bauern der
Geistlichkeit als Predigtgeld jährlich 12 Kronen die Söldner und Witwen 6 Kronen
geben und die Gemeinde 2 Fuhren Brennholz ins Kloster zu Güssing liefern.
1779 hatte die Gemeinde noch keine Glocke und keinen Friedhof. Die Toten trug
man in den Friedhof von St. Nikolaus, in dessen Mitte die ur. alte Kirche stand.
1812 befindet sich nach einer Urkunde im Ort schon ein Friedhof, ein Kreuz und
eine Glocke. In jener Urkunde heißt es, seitdem Hasendorf einen Läuter und einen
Friedhof besitzt, weigert sich die Gemeinde zur Erhaltung des Schulhauses von
St. Nikolaus beizusteuern und dortigen Schullehrer Frucht und Wein zu geben.

|
Bezirk Güssing:1.Bildein,
2.Bocksdorf, 3.Burgauberg,
Deutsch Bieling,
Deutsch
Ehrensdorf, Deutsch Tschantschendorf, 4.Eberau,
Eisenhüttl, Gaas,
Gamischdorf,
5.Gerersdorf, Glasing, 6.Großmürbisch, 7.Güssing, 8.Güttenbach, 9.Hackerberg,
Hagensdorf,
Hasendorf, 10.Heiligenbrunn, 11.Heugraben,
Heutal, 12.Inzenhof, 13.Kleinmürbisch,
Kroatisch
Ehrensdorf, Kroatisch Tschantschendorf,
Krottendorf, 14.Kukmirn,
Kulm, Langzeil,
Limbach, Ludwigshof, Luising, 15.Moschendorf, 16.Neuberg,
Neudauberg, Neusiedl, 17.Neustift bei
Güssing, 18.Olbendorf, 19.Ollersdorf,
Punitz, 20.Rauchwart,
Rehgraben, Reinersdorf,
21.Rohr,
Rosenberg, 22.St. Michael,
St. Nikolaus, Schallendorf, 23.Stegersbach,
Steinfurt,
Steingraben, 24.Stinatz, 25.Strem,
Sulz, Sumetendorf, 26.Tobaj, 27.Tschanigraben,
Tudersdorf,
Urbersdorf, Ungarisch-Bieling
(Dorf existiert nicht mehr), Winten, 28.Wörterberg. |